Versorgung in Halver und Schalksmühle 

Ärztemangel als Dauerthema - das sagen heimische Ärzte

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Ärztemangel ist auch in Halver und Schalksmühle ein Thema.

Halver/Schalksmühle - Ärztemangel, insbesondere im ländlichen Bereich, ist ein Dauerthema, stellt sich aber von Region zu Region unterschiedlich dar. In Halver und Schalksmühle ist zumindest aktuell die Versorgung mit Hausärzten stabil.

Wie viele Ärzte für eine Stadt, einen Kreis oder eine Region benötigt werden, wird durch die sogenannte Bedarfsplanung festgelegt, erklärt Heike Achtermann, Geschäftsbereichsleitung Kommunikation bei der Kassenärztlichen Vereinigung Westfalen-Lippe (KVWL). 

Was die Bedarfsplanung bei der hausärztlichen Versorgung anbelangt, bilden Halver und Schalksmühle zusammen mit Lüdenscheid und Herscheid den Mittelbereich (MB) Lüdenscheid. „Der hausärztliche Versorgungsgrad im MB Lüdenscheid liegt derzeit bei 95,4 Prozent“, sagt Achtermann. Das sei aus statistischer Perspektive im Moment durchaus stabil. „Es geht darum, welche Ärzte fehlen“, sagt Dr. Hans-Joachim Rüdiger aus Oberbrügge. „Bei uns in Halver sind wir bei den Hausärzten ganz gut aufgestellt.“ 

In seiner eigenen Praxis sei die Lage noch überschaubar. „Wir haben nach wie vor eine offene Sprechstunde und keinen Aufnahmestopp, aber es staut sich bei den Fachärzten.“ Das merkt Rüdiger, wenn es darum geht, seine Patienten wegen der gestellten Diagnose an einen Facharzt zu verweisen. „Ich wünsche mir schon, dass die Leute dann nicht zwei bis drei Wochen mit Rückenschmerzen wegen eines Bandscheibenvorfalls auf einen Termin beim Orthopäden warten müssten.“ 

Wartezeiten bei Fachärzten enorm

Für eine normale Untersuchung bei einem Kardiologen lägen die Wartezeiten in Lüdenscheid inzwischen bei vier bis sechs Monaten. Deswegen überweise er Patienten inzwischen nach Remscheid oder Radevormwald, wo die Wartezeiten kürzer seien. 

Die angesprochenen Lücken in der fachärztlichen Versorgung, wie sie sich offenbar lokal darstellen, sind bei der Betrachtung auf Kreisebene, die für die Bedarfsplanung entscheidend ist, nicht zu erkennen. „Die allgemeine fachärztliche Versorgung im Märkischen Kreis ist derzeit über alle Fachrichtungen hinweg stabil“, sagt KVWL-Sprecherin Achtermann und verweist auf die hohen Versorgungsquoten bei Augenärzten (112,8 Prozent), HNO-Ärzten (127,2), Hautärzten (140,5), Gynäkologen (141) und Kinderärzten (152,8). 

Beide Kommunen ins Förderverzeichnis aufgenommen

Vor gut einem Jahr wurden Halver und Schalksmühle in das Förderverzeichnis der KVWL aufgenommen. „Grund dafür war der vergleichsweise hohe Altersdurchschnitt der praktizierenden Hausärzte“, erklärt Achtermann. Das Förderverzeichnis der KVWL ist eine Art Frühwarnsystem, um aufzuzeigen, in welchen Gemeinden sich in naher Zukunft Probleme bei der ärztlichen Versorgung entwickeln könnten. 

Bei der Niederlassung in Kommunen, die im Verzeichnis geführt werden, können bei der KVWL besondere Unterstützungsmaßnahmen beantragt werden, beispielsweise die Übernahme von Umzugs- und Einrichtungskosten und die Gewährung von Darlehen zu Praxisaufbau oder -übernahme.

Seit 2014 Fördermaßnahmen

Seit dem Jahr 2014 habe es auf Basis des Förderverzeichnisses mehr als 80 Fördermaßnahmen gegeben, die die Versorgung in verschiedenen Kommunen in Westfalen-Lippe verbessert hätten. Auch in Schalksmühle habe diese Fördermöglichkeit Wirkung gezeigt, sagt Achtermann: „Schalksmühle ist nun nicht mehr gelistet, da hier zwei ältere Ärzte aufgehört und dafür zwei jüngere Ärzte sich neu niedergelassen haben, was für eine entsprechende Verjüngung der Altersstruktur und somit auch zur Streichung aus dem Förderverzeichnis sorgte.“ 

Halver dagegen ist weiterhin im Förderverzeichnis gelistet. Die Stadt Halver beschäftigt sich derzeit wegen sich abzeichnender Versorgungslücken auch mit der Schaffung eines sogenannten Medizinischen Versorgungszentrums. Eine entsprechende Idee wurde im Rahmen der Regionale 2025 eingereicht, wie Bürgermeister Michael Brosch und Thomas Gehring, Fachbereichsleiter Bürgerdienste, vor Kurzem in einem Interview erklärten. 

Dies müsse nicht ein tatsächliches Gebäude sein, sagte Michael Brosch damals, sondern sei insbesondere organisatorisch gedacht, um möglichst viel von der vorhandenen Praxisstruktur zu erhalten – alles unter der Zielsetzung, eine gute medizinische Versorgung vor Ort zu gewährleisten.

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