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Streit im Schilder-Dschungel: Anwohner und Politiker sind sich uneinig

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Bei einem Ortstermin machten sich Harry Haböck (UWG), Silvia Gonzalez (Ordnungsamtsleiterin), André Krause (CDU), Kathrin Seggedi (SPD) und Dietmar Dassler (FDP) ein Bild von der veränderten Lage in Stallhaus, Dahlhausen und am Flaßkamp.

Schalksmühle - Seit einigen Jahren wird von vielen Seiten – auch aus den politischen Reihen – für verkehrsberuhigende Maßnahmen und ein Lkw-Durchfahrverbot im Bereich Stallhaus, Flaßkamp und Dahlhausen gekämpft. Nun sind diese Dinge da – zufrieden sind damit aber nur wenige.

Nach langem Hin und Her sowie einer neuen Verordnung auf Grundlage einer veränderten Rechtslage wurden nun zahlreiche auch von den Anwohner vehement geforderte Maßnahmen umgesetzt. So wurde zwischen Stallhaus in Richtung Dahlhausen die erlaubte Geschwindigkeit von 100 auf 50 km/h reduziert. 

Zudem bekam Dahlhausen eine Ortsteiltafel, es wurde dort eine 30er-Zone ab der Bebauung bis zum Ortsausgangsschild eingerichtet. Ab da herrscht bis Ortseingang Flaßkamp wieder Tempo 50. Außerdem wurde dort das Verkehrszeichen 253 (Verbot für Kraftfahrzeuge mit einer zulässigen Gesamtmasse von mehr als 3,5 Tonnen) vergrößert. 

Die Gemeinde setzt große Hoffnung darauf, dass durch Beschränkungen das Tempo reduzieren zu können.

Aus Richtung Gewerbering und Ramsloh kommend ist ebenfalls das Durchfahrtsverbot mit dem Zusatz „bis Dahlhausen frei“ ausgeschildert. Auf Höhe des Falkenwegs und Neubaugebiets wurden die rot-weißen Barken erhöht. Zusätzlich sollen noch weitere Verschränkungen schraffiert werden. Für alle Beteiligten stellt sich nun die Frage, ob die Maßnahmen ihre Wirkung zeigen. 

Maßnahmen bringen laut Anwohner nicht so viel

Anwohner Bernd Schafrinski: „Unseres Erachtens nach hat sich trotz der Geschwindigkeitsbegrenzungen nicht viel geändert. Vielleicht ist der Lkw-Verkehr zurückgegangen. Aber schnell wird weiterhin auf den teilweise sehr engen Straßen gefahren.“ Vor allem seien es Fahrzeuge mit auswärtigen Nummernschilder, die vor- und nachmittags die alten Geschwindigkeitsgrenzen ausfahren. 

Bei der neuen Beschilderung in Stallhaus, Dahlhausen und am Flaßkamp sieht Ordnungsamtsleiterin Silvia Gonzalez teilweise noch Verbesserungspotenzial.

Zu gefährlichen Situationen komme es etwa zwischen Stallhaus und Dahlhausen, in den engen Verwindungen in Dahlhausen und im Flaßkamp müsse man jederzeit mit Fahrzeugen mit übermäßiger Geschwindigkeit geschnittenen Fahrspuren rechnen. 

Auch weitere Anwohner, die aber namentlich nicht genannt werden wollen, haben ähnliche Erfahrungen gemacht und diese unserer Zeitung geschildert. Die meisten Autofahrer würden die Beschränkung auf 30 und 50 km/h von Stallhaus bis Flaßkamp noch gar nicht wahrgenommen haben oder sie gehen davon aus, dass es keine Geschwindigkeitskontrollen gibt, heißt es. Gerade an Einfahrten und Einmündungen komme es oft zu brenzligen Zwischenfällen. Man begrüße die Umsetzung der Maßnahmen, man würde sich aber freuen, wenn sich alle Verkehrsteilnehmer einsichtig zeigen würden – gerade mit Blick auf das zu erwartende höhere Verkehrsaufkommen durch das Neubaugebiet in Stallhaus. 

Dramatische Situation nach Feierabend

Ein anderer Anwohner hält es für dramatisch, wenn die Arbeiter aus dem Gewerbegebiet zur Arbeit oder zum Feierabend „durch die Straßen rasen“. Gerade in Höhe des Kindergartens sei dies der Fall. Sein Neffe habe mittlerweile Angst über die Bürgersteige zu gehen, weil viele diese zum Ausweichen anderer Autos nutzen. Generell, so weitere Bürger, werde in der Gemeinde teilweise viel zu schnell gefahren, etwa an der Klagebach und im Bereich Lauenscheidermühle. Auch von einer Verlagerung des kritischen Verkehrs vom Flaßkamp und Dahlhausen an die Waldesruh sowie anderen Straßen ist die Rede. 

In Dahlhausen ist Tempo 30 ausgeschildert.

Bei einem Ortstermin, bei dem sich Vertreter der vier Ratsfraktionen zusammen mit Ordnungsamtsleiterin Silvia Gonzalez ein Bild von der neuen Lage machen wollten, erklärte eine Passantin und Anwohnerin, dass gerade die Anordnung der neuen Tempo-Schilder undurchsichtig sei. 

Unverständnis für die Kritik der Anwohner

Dem stimmt auch Dietmar Dassler (FDP) zu. Er halte die Abstände für nicht sinnvoll. Die nicht durchgängige Geschwindigkeitsregelung basiere darauf, dass mit Stallhaus und Dahlhausen zwei nicht zusammenhängende Ortsteile vorliegen. Laut Ratsbeschluss muss zwar innerhalb aller Gemeindeteile Tempo 30 gelten. Außerhalb müsse man aber 50 vorschreiben, erklärt Silvia Gonzalez. Unverständnis für die Kritik der Anlieger zeigte Harry Haböck (UWG). „Die Anwohner wollten die Tempoeinschränkung. Nun gefällt es ihnen nicht. Dabei hält man sich hier an die rechtliche Grundlage.“ 

Kathrin Seggedi (SPD) ist mit der Situation zufrieden. „Wir haben hier eine gute Verbesserung erreicht.“ André Krause wollte von der Ordnungsamtsleiterin wissen, wie sie in Zukunft das Durchsetzen der Geschwindigkeitsvorschrift erreichen möchte. Silvia Gonzalez setzt Hoffnung in die weiteren Beschränkungen, die unter anderem in vier Wochen in den 50er-Bereichen zwischen Stallhaus, Dahlhausen und Flaßkamp installiert werden sollen. Das Problem sollte sich so reduzieren. Außerdem möchte man mit dem Seitenradar weitere Erhebungen machen.

Für Lkw-Fahrer geht es eigentlich in Dahlhausen nicht weiter. Daran halten sich einige aber nicht.

Die Kreispolizeibehörde habe es gerne, wenn sie Daten von möglichen Unfallschwerpunkten erhält. Zudem werde sie die neue Beschilderung an die Polizei weitergeben, damit diese dort Messungen durchführen kann. „Ich weiß allerdings nicht, ob sie sich dann auch hier hinstellt.“ Mehr könne sie vonseiten des Ordnungsamtes nicht machen, da dieses nur für den ruhenden Verkehr zuständig ist. Auch das Durchfahrtsverbot für Lkw muss von der Polizeibehörde kontrolliert werden. Dafür machte sich Dietmar Dassler stark. 

„Vernünftiges Verbotsschild“ für Lkw möglich

Harry Haböck möchte sich zusätzlich weiter für ein „vernünftiges Verbotsschild“ einsetzen, da der Lkw-Verkehr in seinen Augen stark zugenommen habe. Gerade auf den Gehwegen komme es immer wieder zu Gefahrensituationen. Durch die Baustelle im Neubaugebiet sei zudem eine Verschlechterung eingetreten. Die Leiterin des Ordnungsamts ist nach eigenen Angaben auch nicht zufrieden mit der Lage vor Ort. Sie sieht noch Verbesserungspotentialbei Abständen zwischen einzelnen Schildern. Zudem sei die Sicht auf die Schilder durch übermäßigen Bewuchs eingeschränkt.

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