Verkehrsrowdy nicht identifiziert – Freispruch

Schalksmühle - Die Fakten waren klar: Am 14. März fuhren Mutter und Tochter mit einem vier Wochen alten Säugling auf dem Reeswinkeler Weg in Richtung Reeswinkel, als ein VW Golf von hinten angefahren kam und den Dreien quasi „auf der Stoßstange hing“. An der sogenannten „Schnepper-Kurve“ verlangsamte die 31-jährige Fahrerin ihre Fahrt. „Da bremst man ab, wenn man durch diese Kurve fährt“, erklärte ihre Mutter im Amtsgericht Lüdenscheid. In der nächsten Kurve habe der Fahrer dann überholt, obwohl an dieser Stelle kaum einsehbar sei, ob jemand entgegenkommt. „Wir haben die Situation als sehr gefährlich empfunden“, erinnerte sich die 31-Jährige.

Der wildgewordene Golf-Fahrer vor ihr nutzte anschließend seine Position, um die Zeugen auszubremsen. „Ich wäre fast aufgefahren und musste eine Vollbremsung machen.“ Nach dieser Form der Nötigung blieb der Verkehrsrowdy 30 bis 45 Sekunden stehen, zwang die Zeugen dadurch, ebenfalls stehen zu bleiben und setzte seine Fahrt anschließend fort – nicht ohne zuvor noch zweimal den Mittelfinger aus dem Fenster zu strecken, um deutlich zu machen, was er von all dem halte.

„Er ist dann demonstrativ langsam gefahren und hat seine Machtposition demonstriert“, erklärte die 31-jährige Zeugin. Keine Frage: Ein solches Verhalten verdiente es, in einem Strafverfahren abgeurteilt zu werden. Dazu kam es aber nicht: Die Zeugin hatte an einer Kreuzung das Fahrzeug und damit das Autokennzeichen des Rowdys fotografiert.

Die Polizei hatte daraufhin den Halter des Wagens ermittelt: einen 48-Jährigen aus Hagen. Der gab sich vor Gericht wortkarg und bestritt über seinen Anwalt Peter Raspe alle Vorwürfe. „Der Angeklagte bestreitet ganz entschieden, dass er das Fahrzeug zum Tatzeitpunkt geführt hat.“ Dies ließ sich nicht widerlegen: Die beiden Frauen hatten einen eher jüngeren Mann mit anderer Haarfarbe in Erinnerung. Zudem hatten sie dem Fahrer – wohl auch aus Angst auf dem einsamen Reeswinkeler Weg – bei dem gemeinsamen Halt nicht ins Auge gesehen. Der Angeklagte hatte darüber hinaus einen Zeugen mitgebracht, der seine Anwesenheit in der Firma für den Tatzeitraum bestätigte. So war ein Freispruch die logische Konsequenz. Was blieb, war das Bedauern, dass ein unbekannter Verkehrsrowdy nicht gerichtlich hatte gestoppt werden können. - thk

Kommentare

Unsere Kommentarfunktion wird über den Anbieter DISQUS gesteuert. Nutzer, die diesen Dienst nicht verwenden, können sich hier über das Login-Formular anmelden.
Netiquette
Hinweis: Kommentieren Sie fair und sachlich! Rassistische, pornografische, menschenverachtende, beleidigende oder gegen die guten Sitten verstoßende Äußerungen sind verboten und werden gelöscht.

Kommentare