Windräder am Worthberg - Schwere Vorwürfe gegen EnBW

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Vor solch einem Bild fürchten sich die Mitglieder der Bürgerinitiative: ihre Illustration der drei geplanten Windräder.

Schalksmühle - Im Dezember haben 20 Bürger aus Schalksmühle und Halver den Beschluss gefasst, sich als Bürgerinitiative Windvernunft Halver Schalksmühle gegen den geplanten Bau von drei Windenergieanlagen (WEA) auf dem Worthberg als Verein zusammenzuschließen. In dieser Woche erfolgt die Eintragung im Vereinsregister. Damit können die Mitglieder nun weitere Schritt einleiten.

Der Name des Vereins ist bewusst gewählt. „Wir haben uns für Halver/Schalksmühle entschieden, da Bürger aus beiden Kommunen von dem Bau betroffen sind“, erklärt die 1. Vorsitzende Renate Sikora. Sie betont in diesem Zusammenhang, dass man nicht generell erneuerbare Energien ablehne. Man sei aber dafür, dass diese im Einklang mit Mensch und Natur gebracht werden. Der Ausbau der Windenergie solle nicht ungeregelt geschehen. Es werde etwas zerstört, das eigentlich geschützt werden soll – die Natur. „Die Planung am Worthberg ist ohne Bedacht und rücksichtslos erfolgt“, kritisiert Renate Sikora das Vorgehen von EnBW (Energie Baden-Württemberg AG), das die Anlagen vor Ort aufstellen will. 

Die Mitglieder des neugegründeten Vereins Bürgerinitiative Windvernunft Halver Schalksmühle vor dem Naturpanorama in Halverscheid, dass durch den Bau der drei Windräder ihrer Meinung nach zerstört wird.

„Wir sind davon überzeugt, dass es viele intelligente Lösungen für die Energiefrage gibt. Sie müssen erst einmal anlaufen.“ Die Bürgerinitiative sieht sich in der Pflicht, die Menschen zu informieren und zu einer Meinung zu erneuerbaren Energien zu bewegen. Früher klang für viele der Engagierten Windkraft sehr grün, heute sehe man bei dem Thema aber eher schwarz, bringt es Heinz-Joachim Schindler auf den Punkt. Schade finden die Aktiven, dass sich die heimischen Politiker bislang nicht positioniert haben. Dabei seien auch sie Betroffene, sich aber wohl nicht der Konsequenzen bewusst. Seit der Aufhebung der Vorrangflächen für Windenergie in Schalksmühle hätten die Investoren freien Lauf. Man vermutet, dass hier Parteipolitik und persönliche Meinungen kollidieren. 

Windräder als Symbol für grüne Politik

„Windkrafträder sind ein Symbol für grüne Politik. Aber durch den großen Druck von außen verfallen die Akteure in Aktionismus oder werden von dem Problem überrollt“, sagt Klaus-Peter Wiebusch. Bereits vor einigen Wochen stellte EnBW im Ratsaal die Pläne zum Bau der drei Anlagen vor. Die Mitglieder der Bürgerinitiative werfen den Verantwortlichen aber vor, dort Unwahrheiten verbreitet zu haben. Das Unternehmen unterliege dem Druck des Marktes, deshalb forciere man einen massiven Ausbau, um möglichst hohe Subventionen zu erhalten. 

Die Bürgerinitiative lädt für kommenden Dienstag zu einer Bürgerversammlung ins PZ ein.

In dem Vortrag von EnBW hieß es zu Beginn, dass man anstatt drei gleich hoher Anlagen (jeweils mit einer Nabenhöhe von 166 Metern), jetzt nur eine dieses Typs und zwei „kleinere“ (Nabenhöhe 132 Meter) bauen möchte. Der Grund: Es soll keine optisch bedrängende Wirkung für die Anwohner entstehen. Das halten die Aktiven für unwahr. Vielmehr sei das wohl ein Kompromiss, der bei den Verhandlungen mit dem Eigentümer der Fläche getroffen wurde. Zudem wundere man sich, warum im Geodatenportal des Märkischen Kreise – dort werden alle bereits gebauten und auch noch geplanten Windkraftanlagen aufgezeigt – immer noch die ursprünglich höheren Anlagen eingezeichnet sind. 

Nicht wohl ist den Beteiligten bei dem Gedanken, dass das größte Windkraftrad eine Gesamthöhe von 241 Metern haben wird. Das seien die höchsten Anlagen, die man derzeit bauen könne. „Die Nicolai-Kirche in Halver ist 48 Meter, der Kölner Dom 157 Meter und der Eiffelturm 300 Meter hoch“, fügt Hannah Schindler an. Zudem weist sie daraufhin, dass die Anlagen etwa nur 1200 Meter von der Primusschule und der dort angedachten neuen Kindertagesstätte liegen werden. 

Bürgerinitiative zweifelt Aussa

Weiter hieß es von EnBW, dass man beim Transport des Baumaterials und der notwendigen Maschinen die vorhandenen Forstwege nutzen möchte, um die Vegetation zu schonen. Die Mitglieder des Vereins bezweifeln, dass diese dabei geschont wird. Die Wege seien zu eng, eine Abholzung sei unumgänglich. Die Angaben von EnBW seien nicht glaubwürdig. Auch das Angebot der Ausgleichpflanzungen stimmt sie nicht zufrieden. „Neue Bäume brauchen lange, bis sie wieder so hoch sind. Zudem muss die Neupflanzung nicht vor Ort passieren, sondern nur irgendwo in Deutschland.“ 

Auch in Sachen Betriebslärm, Schattenwurf und Infraschall machte das Unternehmen damals Angaben und stellte heraus, dass es in allen Punkten keine maßgeblichen Beeinträchtigungen für Mensch und Natur geben werde, da man die Emissionen berechnet hätte und später ständig kontrollieren würde. „Die möglichen Folgen werden immer kleingeredet“, sagt Renate Sikora. Welche Möglichkeiten bleiben jetzt noch? Die heimische Politik hat kein Mitspracherecht. „Den ,Knock-Out‘ kann nur der Märkische Kreis austeilen“, so Sikora. Doch man bezweifelt, dass er „zuschlagen“ wird. Die Mitglieder seien deshalb neben der Aufklärungsarbeit bereit, sogar vor Gericht zu kämpfen – wenn nichts anderes hilft. „Gegner“ wird dann aber nicht EnBW, sondern der Kreis als Genehmigungsinstanz sein. Der Behörde werfen sie vor, dass sie nur die EnBW-Gutachten prüfe, aber keine eigenen beauftrage.

Versammlung für Bürger im PZ

Für kommenden Dienstag, 9. Juli, lädt die Bürgerinitiative zu einem Info-Abend ins PZ der Primusschule ein. Beginn ist um 19 Uhr. Dabei sollen der Verein und die geplanten Anlagen vorgestellt, über die Auswirkung der Windenergie auf Mensch und Natur eingegangen und eine Diskussions- und Fragerunde initiiert werden. Eingeladen ist als Gastredner der Diplom-Ingenieur Reinhard Brüggemann. Man habe der Bürgerinitiative Polemik vorgeworfen, doch man vertrete dort einen Standpunkt und bringe auch Fakten vor, heißt es im Vorfeld der Versammlung.

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