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Corona-Jahr 2020: Verantwortliche in den Senioreneinrichtungen blicken zurück

Corona, Senioreneinrichtungen, Infektionsschutz
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Der Infektionsschutz der Bewohner und der Mitarbeiter stellte die Verantwortlichen in den Einrichtungen in der Gemeinde seit Februar fast täglich vor neue Herausforderungen.

Wie in vielen anderen Bereichen hat die Corona-Pandemie in 2020 auch das Leben in den Senioreneinrichtungen in der Gemeinde stark bestimmt – und so geht es erst einmal weiter. Trotz aller Ängste, Risiken und Einschränkungen ziehen die Verantwortlichen sowie die Bewohner auch Positives aus der Krise.

Schalksmühle - „Im Februar ging es richtig los“, blickt Steffen Mischnick, Leiter des Seniorenparks Reeswinkel, zurück. Ab diesem Zeitpunkt standen er und seine Mitarbeiter vor vielen „herausfordernden Situationen“, die ihnen viel Kreativität abverlangten. Der Kernpunkt ihres Handelns sei immer der Schutz der Bewohner und der Mitarbeiter gewesen.

„Durch die schockierenden Medienberichten von den Todesfällen unter anderem in der Einrichtung in Würzburg wurde uns der Ernst der Lage vor Augen geführt“, sagt Steffen Mischnick, der glücklich darüber ist, dass es in seinem Haus – anders als in der näheren Umgebung – keine Coronafälle gab. Ähnlich empfindet dies auch Hendrik Gräff, Leiter im Seniorenhaus Muhle: „Für uns alle war und ist es eine wahnsinnig schwierige Zeit. Wir haben bisher wirklich Glück gehabt.“

Besonders negativ bleiben Steffen Mischnick die verletztenden Vorwürfe, die über alle Kanäle publiziert wurden, in Erinnerung. „Man warf den Pflegeheimen während des ersten Lockdowns vor, dass wir die Einrichtungen absperren und die Bewohner sich selbst überlassen würden. Dabei steht das Wohlbefinden der Bewohner bei uns stets im Vordergrund. Wir sind ein offenes Haus und haben immer versucht, Besuche möglich zu machen.“

Das Corona-Jahr beeinflusste jede Aktivität in den Einrichtungen.

Gerade für die Verantwortlichen und das Personal in den Heimen bedeutete das zurückliegende Jahr, dass viele Hürden gemeistert wurden. Entlastet wurden sie in Reeswinkel zu Beginn der Pandemie etwa durch verkürzte Arbeitszeiten. „Wir haben unseren Mitarbeitern bei vollem Lohn 2300 Arbeitsstunden geschenkt. Dies war durch Umstrukturierungen in der Organisation möglich“, erklärt Steffen Mischnick. Die Beschäftigten sollten sich so besser auf die Bewohner fokussieren können. Ihre fehlenden sozialen Kontakte hätten die Mitarbeiter, besonders im sozialen Dienst, vor besondere Herausforderungen gestellt. Es seien aber so viele Freizeitangebote im Seniorenpark für die Menschen gemacht worden, um die zwischenmenschliche Lücke zu schließen, erklärt Steffen Mischnick.

Kreativität bewiesen auch die Verantwortlichen nach eigenen Angaben in Muhle. Sie stellten fest, dass die gemeinsame Zeitgestaltung auch ohne „Remmidemmi und Besuchern“ möglich ist und hätten das „Beste aus der Situation herausgeholt“. So stießen etwa Aktionen wie Canapé-Abende auf großen Zuspruch bei den Bewohnern.

Hohe Belastung für Pflegepersonal

Auch auf anderen Ebenen habe man sich der Situation anpassen müssen, berichtet Hendrik Gräff. Neben der privaten Belastung durch die Sorge um die Familie und die Kinder sowie dem Fehlen sozialer Interaktionen mit den Kollegen durch den Wegfall von Team-Meetings, gemeinsamen Grillabenden oder Kanufahrten, hätten seine Mitarbeiter täglich neue Informationen verarbeiten und zusätzliche Aufgaben übernommen müssen. „Es ist schon irre, was die Pflege an Zusatzpaketen weggearbeitet hat. Die neuen Verordnungen waren manchmal ein starkes Stück“, sagt Hendrik Gräff. Als es etwa hieß, dass zur Weihnachtszeit Bewohner zweimal pro Tag zwei Besucher auch ohne vorherigen Test empfangen dürfen, habe er sich geweigert, dies umzusetzen. Unverständnis zeigte der Heimleiter für die Durchführung einer Überprüfung des Medizinischen Dienstes der Krankenversicherungen (MDK). „Doch auch diese haben wir ohne Beanstandung geschafft.“

Die Erfüllung der gesetzlichen Ansprüche war „wechselhaft und oft auch missverständlich“, so drückt es Steffen Mischnick aus. „Wir haben zum Teil mit dem Kopf schütteln müssen, am Ende hat es aber funktioniert und wir haben unseren Weg gefunden.“

Die Corona-Pandemie hatte in 2020 auch das Leben in den Senioreneinrichtungen im Griff und so geht es weiter. Während Testungen schnell zum Alltag wurden, rückten gemeinsame Feiern mit Besuchern in den Hintergrund, bis sie überhaupt nicht mehr möglich wurden.

Wie dieser aussieht, kann Steffen Mischnick an wenigen Beispielen festmachen. In den ruhigeren Sommermonaten hat der Seniorenpark einen Außenbereich hinzu bekommen, wo die Angehörigen an der frischen Luft ihre Liebsten besuchen konnten. Zudem habe man, als es später möglich wurde, zügig Schnelltests durchgeführt. „Ohne diese hätten wir die Einrichtung gar nicht offen gelassen. Wir haben zudem unser seelsorgerisches Konzept nach vorne gestellt und mit den Bewohnern vermehrt Gespräche über ihre Ängste, aber auch über alltägliche Dinge geführt und sie über die aktuellen Entwicklungen aufgeklärt.“

Genauso wie in Reeswinkel, wo die Bewohner die Möglichkeit haben, etwa an Video-Sprechstunden mit einer Fachärztin für Psychiatrie und Psychotherapie teilzunehmen, hat auch in Muhle das Digitale den Alltag der Bewohner weiter vereinfacht. „Das Jahr hat uns auch Impulse gegeben“, betont Hendrik Gräff, der zusammen mit seinen Mitarbeitern Tablets zur Video-Telefonie eingeführt hat. „Auch eine Mitte-90-Jährige ist damit klargekommen. Die Senioren sind über sich hinausgewachsen.“ So habe mancher Bewohner sich auch aktiver am Zusammenleben im Haus beteiligt und sich für die Mitmenschen dort engagiert. „Es ist schön zu sehen, dass die Menschen gefordert sind.“

Dankbarkeit und Zuversicht

Was an allen Stellen bleibt, ist die Dankbarkeit, die schwierige Zeit gut überstanden zu haben. „Wir sind dankbar, dass wir es geschafft haben, Bewohner und Personal zu schützen. Als christliches Haus haben wir im Glauben ein Fundament gefunden, das uns Mut, Hoffnung und Halt gegeben hat“, sagt Steffen Mischnick. Man sei durchweg optimistisch gewesen. Mit dem zweiten Impftermin werde ein wichtiger Schritt in Richtung Normalität gemacht. Positiv empfindet Hendrik Gräff, dass die Pandemie die Menschen entschleunigt und ihnen einen Dämpfer gegeben hat. „Wir werden auch Gutes aus der Krise ziehen. Die Angst wird auch nach den Impfungen bleiben und das erste Halbjahr 2021 wird schaukelig – vor allem für junge Familien mit Blick etwa auf Betreuungszeiten. Doch unsere derzeitige Zurückhaltung, zum Beispiel bei der Hygiene – Stichwort Händeschütteln – oder der Präsenz auf der Arbeit, wird sicher bleiben.“

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