Schalksmühle

Veränderte Schwerpunkte in der Flüchtlingshilfe

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Viele Flüchtlinge treffen sich regelmäßig im Begegnungszentrum Westfälischer Hof.

Schalksmühle - „Unsere Arbeit ist anders als vor zwölf Monaten.“ Die Gemeinde Schalksmühle bekam durch die Bezirksregierung Arnsberg 2016 zwar keine neuen Flüchtlinge zugewiesen, dennoch blickt Irmtraud Quenzel vom Netzwerk Flüchtlingshilfe in der Volmegemeinde auf ein arbeitsreiches und intensives Jahr zurück.

Nachdem in Schalksmühle Ende vergangenen Jahres zur Hochzeit der Flüchtlingswelle fast wöchentlich Asylsuchende an der Volme eintrafen und sich die ehrenamtlichen Helfer des Netzwerks gemeinsam mit der Gemeinde um eine Erstunterbringung, -versorgung und -betreuung der Menschen, die während ihrer langen Flucht oft Schlimmes erlebt hatten, kümmern mussten, haben sich die Schwerpunkte der Arbeit verschoben, der Aufwand ist aber unverändert hoch. „Wir kümmern uns weiterhin um einen Kreis von etwa 200 Personen“, sagt Quenzel und bemüht dazu einen Vergleich aus der Kindesentwicklung: „Im vergangenen Jahr sind die Babys hier in Schalksmühle ganz neu auf die Welt gekommen. Mittlerweile haben viele ein jugendliches Alter erreicht. Damit werden die Bedürfnisse und Probleme anders – und damit auch unsere Arbeit.“

Mike Dulas, Koordinator Flüchtlingshilfe der Gemeindeverwaltung, bezeichnet diesen Zeitraum als „Einführungsphase“, die mittlerweile abgeschlossen sei. Dank der starken Hilfe der vielen Ehrenamtlichen: „Dort wird großartige Arbeit geleistet. Ohne diese Unterstützung wäre vieles in dieser Form nicht möglich gewesen und auf die Gemeinde wäre finanziell eine ganz andere Belastung zugekommen.“

Zunächst halfen die Ehrenamtlichen beispielsweise beim Bezug und Renovieren von Wohnungen, der Erstausstattung der Flüchtlinge und boten erste Sprachkurse an. Mittlerweile begleiten sie die Flüchtlinge verstärkt zu Behörden und halfen beim Stellen der Asylanträge. „Ab Ende Juli konnten auch die letzten 120 der in Schalksmühle lebenden Flüchtlinge einen Antrag stellen, ab September wurden beim Bundesamt für Migration und Flüchtlinge endlich die Entscheidungen getroffen. Weil zu uns viele Syrer gekommen sind, durften die meisten bleiben“, sagt Quenzel. Zumindest vorerst, für ein Jahr, allerdings mit der Aussicht auf Verlängerung.

„Eigentliche Arbeit beginnt erst jetzt“

„Damit beginnt die eigentliche Arbeit, die Integration, erst jetzt“, sagt Quenzel. Und Dulas ergänzt mit Blick auf die mittlerweile geltende Wohnsitzauflage: „Diese Menschen werden für längere Zeit bei uns in Schalksmühle bleiben.“

Von großer Bedeutung für die Integration ist das Begegnungszentrum Komm-an-NRW Westfälischer Hof, wie die Einrichtung an der Hälverstraße mittlerweile heißt. „Die Besucherzahlen sind gut, der Westfälische Hof wird angenommen“, sagt Quenzel erfreut.

Dort finden jeden Vormittag Sprachangebote statt, es gibt Koch-, Bastel- und Strickkurse, ein gemeinsames Kaffeetrinken oder die Flüchtlinge nutzen einfach nur die Computer-Arbeitsplätze sowie das W-Lan-Angebot. „Das ist wirklich ein Ort der Begegnung geworden. Zudem sind wir immer darauf aus, hier ausschließlich Deutsch zu sprechen“, erklärt Quenzel. Auch zukünftig werde die Flüchtlingshilfe bemüht sein, stets neue Angebote zu unterbreiten. „Wir entwickeln uns mit den sich verändernden Bedürfnissen der Flüchtlinge“, sagt Dulas.

Unterstützung erhalten die Ehrenamtlichen durch vier Schüler der Primusschule, die im Rahmen eines Projekts wöchentlich in den Westfälischen Hof kommen und sich unter anderem verstärkt um die Flüchtlingskinder kümmern.

Ab 2017 stellt man sich in der Einrichtung auch wieder auf neue Gäste ein, denn Dulas erwartet schon im ersten Quartal 2017 die Wiederaufnahme der Flüchtlingszuweisungen. So sollen laut dem Koordinator Flüchtlingshilfe die 44 000 Personen, die sich derzeit in Erstaufnahmeeinrichtungen des Landes befinden, den ländlichen Regionen zugewiesen werden. „Damit kommen neue Herausforderungen auf uns zu. Bisher kennen diese Menschen in Deutschland meist nur Großstädte“, sagt Dulas.

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