Prozess wegen Missbrauchs

Vater missbraucht leibliche Töchter - erschreckendes Ausmaß

+

Schalksmühle/Hagen - Im Missbrauchsprozess gegen einen ehemaligen Schalksmühler hat die psychologische Gutachterin Cornelia Orth dessen Töchtern eine hohe Glaubwürdigkeit attestiert.

Ihre Aussagen wiesen eine „Fülle qualitativer Realkennzeichen und deliktspezifischer Details“ auf, die für den Wahrheitsgehalt der Berichte der 2004 und 2005 geborenen Mädchen sprächen. Ihre Berichte seien in sich und miteinander umfassend verzahnt im Hinblick auf Räume, die häusliche Situation und den Erfahrungshorizont der beiden Mädchen. Dennoch seien ihre Aussagen aus ihrer je persönlichen Sicht unterschiedlich gestaltet und akzentuiert. 

„Die Lügenhypothese kann zurückgewiesen werden“, fasste die Psychologin das Ergebnis ihres Gutachtens zusammen. Ihr detaillierter Bericht verdeutlichte im Gerichtssaal erstmals das erschreckende Ausmaß des mutmaßlichen sexuellen Missbrauchs, nachdem die beiden Belastungszeuginnen unter Ausschluss der Öffentlichkeit vernommen worden waren. Ein breites Spektrum unterschiedlicher Taten sei „über Jahre hinweg“ geschehen und „in den Lebensalltag eingebunden“ gewesen. 

Aussagen haben Konstanz

Das sei auch der Grund, warum die Details in den wiederholten Berichten manchmal etwas durcheinander gingen: „Sie hat im Großen und Ganzen, das was sie anfangs erzählt hat, wiederholt“, äußerte sich die Gutachterin zur Frage der Konstanz der Aussagen eines der Mädchen, das zu verschiedenen Zeitpunkten befragt worden war. Als Argumente für die Glaubwürdigkeit der Aussagen nannte die Gutachterin weitere Aspekte: So hätten die Mädchen auch von Komplikationen, also gescheiterten sexuellen Handlungen, und „Zeiten, in denen überhaupt nichts passiert ist“, berichtet. 

Der Angeklagte soll seine Töchter durch Drohungen und eine quasi „erzieherische Komponente“ gefügig gemacht haben: So habe er unterschiedlichste sexuelle Handlungen als „was Gutes“ verkauft und die beiden gleichzeitig gewarnt, sie dürften „der Mutter nichts erzählen“. Die Geschehnisse im Haushalt des Vaters zerstörten dabei offenbar eine Vertrauensbasis, die den beiden Mädchen und ihrem Bruder eine gewisse Lebenssicherheit hätte vermitteln können. Denn die Mädchen hätten auch über „positive Anteile ihres Verhältnisses zum Vater“ berichtet. Die Jüngere brachte dabei auch zum Ausdruck, „dass sie ihren Vater geliebt habe“. 

Ursprünglich positives Verhältnis

Dieses positive Verhältnis hat der Angeklagte offenbar umfassend zerstört: Die jüngere Tochter habe „die fehlende Freiwilligkeit noch deutlicher formuliert“ als ihre Schwester, fasste die Gutachterin einen Bericht über „Schmerzen, Ekel und Scham“ zusammen. Hintergrund für den Wunsch der drei Geschwister, im Haushalt des Vaters zu leben, war offenbar auch das wilde Getümmel im Haushalt ihrer Mutter, wo eine ganze Schar weiterer Halbgeschwister lebte. „Sie hatten keine Ruhe für Schularbeiten und mussten die kleineren Geschwister hüten“, erklärte die Gutachterin. 

Der Angeklagte und sein Verteidiger bestanden auf der öffentlichen Verlesung eines Berichtes des Jugendamtes über dieses familiäre Chaos im Haushalt der offenbar überforderten Mutter. War das Leben im Haushalt des Vaters unter diesen Umständen das kleinere Übel? Im Gespräch soll die jüngere der beiden Schwestern von Depressionen, Einsamkeitsgefühlen, Konzentrationsschwierigkeiten und Zukunftsangst gesprochen haben. Sie fühle sich „als Baum“, hatte sie mehrfach bekundet. Der Gutachterin erklärte sie die Bedeutung dieser etwas rätselhaften Äußerung: Sie habe zum Ausdruck bringen wollen, dass sie Hilfe brauche.

Der Prozess Der Prozess soll am Dienstag, 31. März, ab 11 Uhr im Landgericht Hagen fortgesetzt werden.

Das könnte Sie auch interessieren

Kommentare

Hinweise zum Kommentieren: Auf come-on.de können Sie Ihre Meinung zu einem Artikel äußern. Im Interesse aller Nutzer behält sich die Redaktion vor, Beiträge zu prüfen und gegebenenfalls abzulehnen. Halten Sie sich beim Kommentieren bitte an unsere Richtlinien: Bleiben Sie fair und sachlich - keine Beleidigungen, keine rassistischen, rufschädigenden und gegen die guten Sitten verstoßenden Beiträge. Kommentare, die gegen diese Regeln verstoßen, werden von der Redaktion kommentarlos gelöscht. Bitte halten Sie sich bei Ihren Beiträgen an das Thema des Artikels. Lesen Sie hier unsere kompletten Nutzungsbedingungen.


Bitte beachten Sie: Die Kommentarfunktion unter einem Artikel wird automatisch nach drei Tagen geschlossen.

Netiquette
Hinweis: Kommentieren Sie fair und sachlich! Rassistische, pornografische, menschenverachtende, beleidigende oder gegen die guten Sitten verstoßende Äußerungen sind verboten und werden gelöscht.

Kommentare