Prozess-Ende

Urteil nach Tankstellen-Überfall: Das erwartet den 22-jährigen Angeklagten

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Im Oktober 2018 überfiel der 22-Jährige diese Tankstelle – mit großen Konsequenzen.

Schalksmühle/Hagen - Nach mehreren Verhandlungstagen und einem Geständnis gibt es nun ein Urteil im Prozess zum Tankstellen-Überfall in Schalksmühle.

Zu einer Haftstrafe von sechs Jahren und vier Monaten hat die 6. große Strafkammer am Freitag den 22-jährigen Angeklagten im Landgericht Hagen verurteilt, der am 7. Oktober die Total-Tankstelle in Schalksmühle überfallen hatte. 

Allerdings bekommt er durch die Einweisung in eine Entziehungsanstalt die Chance, seine Abhängigkeit von Marihuana und Haschisch in den Griff zu bekommen. Sollten diese Bemühungen erfolgreich verlaufen, bekäme er die Chance, nach der Hälfte der verhängten Strafdauer auf Bewährung entlassen zu werden.

Seit Oktober in Untersuchungshaft

Das wäre drei Jahre und zwei Monate nach dem Überfall am 7. Oktober, denn seitdem saß der Angeklagte bereits in Untersuchungshaft. Bevor er in die zunächst auf zwei Jahre angelegte Therapie gehen und danach möglicherweise entlassen werden kann, muss er noch mindestens sieben Monate im Gefängnis bleiben. 

Durch die Verurteilung wegen des besonders schweren Raubes droht dem Angeklagten außerdem noch die Vollstreckung einer achtmonatigen Gefängnisstrafe, die zunächst zur Bewährung ausgesetzt worden war. Während seiner bisher einzigen Inhaftierung hatte er es geschafft, sich Marihuana zu besorgen. 

Obwohl der Angeklagte vor dem Überfall auf die Total-Tankstelle an der Volmestraße noch einen Joint geraucht hatte, ging die 6. große Strafkammer nicht von einem minderschweren Fall aus: „Drogen haben ihn nicht in seiner Steuerungsfähigkeit beeinträchtigt“, schlossen sich die Richter der Einschätzung des psychiatrischen Gutachters an. Damit begann der Strafrahmen mit einer Mindeststrafe von fünf Jahren. 

Fasergutachten als Beweismittel

Die Vorsitzende Richterin Dr. Bettina Wendlandt äußerte Verständnis dafür, dass der Angeklagte zunächst kein Geständnis abgelegt hatte: „Es ist verständlich, dass er darauf spekulierte, ohne Strafe davonzukommen.“ Der Angeklagte hatte durch das Fehlen entscheidender Beweismittel zu Beginn des Prozesses allerdings nicht die Chance, seine letztlich sehr geringen Aussichten auf einen Freispruch realistisch einzuschätzen. Bekannt war lediglich, dass ihn die Kassiererin und ein ehemaliger Mitschüler erkannt haben wollten. Endgültig entscheidend war das verspätet eingetroffene Fasergutachten, durch das ein direkter Kontakt des Kapuzenpullis des Angeklagten mit der Oberbekleidung der Kassiererin nachgewiesen wurde. 

Vom Alibi einer Nachbarin, die den Angeklagten zum Zeitpunkt der Tat am Haus seines Vaters gesehen haben wollte, bis zum Tatnachweis und dem Geständnis hatte der Prozess die gesamte Spannbreite des Möglichen in mehreren Sitzungen durchlaufen. 

Nur kurz verwies die Vorsitzende Richterin noch einmal auf die Zeugenaussage jener Nachbarin, „mit der wir einige Diskussionen über das Fernsehprogramm geführt haben“. Die etwas ältere Zeugin hatte ihr Zeitempfinden zu der Ausstrahlung der von ihr an jenem 7. Oktober angeblich gesehenen Hochzeitskleid-Doku „Zwischen Tüll und Tränen“ in Beziehung gesetzt. Wegen ihrer Aussage war sie vereidigt worden. Es stellte sich aber sehr schnell heraus, dass „Tüll und Tränen“ an jenem Tag gar nicht gesendet worden war.

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