Bandenbetrug mit falschen Polizisten

Urteil für falsche Polizisten - nur der Jüngste muss ins Gefängnis

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Schalksmühle/Hagen - Nach sechs Verhandlungstagen im Landgericht Hagen gibt es ein Urteil im Prozess gegen die falschen Polizisten. Unter ihren Opfern befand sich auch ein Mann aus Schalksmühle

Nur der jüngste Angeklagte im „Falsche-Polizisten-Prozess“ muss ins Gefängnis: Die 2. große Jugendkammer des Landgerichts Hagen verurteilte den 19-Jährigen zu einer Jugendstrafe von zwei Jahren und sechs Monaten. „Das ist immer noch wenig“, erklärte der Vorsitzende Richter Marcus Teich dem Angeklagten mit Blick auf die drei Bewährungsstrafen für die Mitangeklagten. 

Der Jüngste in der Riege hatte mehrere Gründe für eine vollstreckbare Haftstrafe geliefert: Er war nicht nur an Fahrten zu betrogenen Senioren beteiligt, sondern er hatte sich innerhalb der Gruppenstruktur auch nach oben gearbeitet. In zwei Fällen hatte er telefonisch Kontakt zu Mittätern auf dem Weg zu Tatorten gehalten – in einem Fall sogar von der Türkei aus. 

Nach einer ersten Festnahme durch die Polizei war er wieder freigelassen worden, was er zu weiteren Taten nutzte. Die Begründung des Angeklagten, dass er sich von den Hintermännern der Betrügereien bedroht und unter Druck gesetzt fühlte, wies der Vorsitzende zurück: „Das ist der Preis, wenn man sich solchen Gruppierungen anschließt.“  Im Übrigen habe es im Laufe des Strafverfahrens keine konkreten Angaben über solche Bedrohungen gegeben. 

Schadenssummen kommen hinzu

Ihre jungen Mandanten sollten nicht über Gebühr mit Rückforderungen der erbeuteten Beträge konfrontiert sein, hatten die Anwälte argumentiert. Die Kammer vertrat hierzu eine klare Position: Da der allergrößte Teil des Geldes an die Hintermänner in der Türkei weitergeleitet wurde, gebe es keinen Anlass, den Angeklagten die gesamte Schadenssumme in Höhe von rund 280 000 Euro aufzubrummen. Sie sollten aber auch keinen Vorteil aus den Straftaten ziehen: „Abgeschöpft werden soll das Geld, das von den Angeklagten eingenommen wurde.“ Im Fall des 19-Jährigen waren das 7500 Euro. 

Sein 22-jähriger Mitangeklagter muss 4500 Euro zahlen. Er hatte sich nachdrücklich von seinen Taten distanziert, den Drogen abgeschworen und sich im Spielcasino sperren lassen. Seine zweijährige Haftstrafe setzten die Richter zur Bewährung aus. Die Entscheidung zu seinen Gunsten sei gerade noch zu verantworten, erklärte der Vorsitzende. 18 Monate auf Bewährung gab es für den 20-jährigen Angeklagten, der bereits 5000 Euro zur begrenzten Schadenswiedergutmachung gezahlt hatte. Auch er hatte nach einer ersten Festnahme weitergemacht, war aber mit drei von vier Fehlversuchen nicht besonders erfolgreich gewesen. 

Bewährungsstrafen für Mittäter

Der Älteste in der Riege kam ebenfalls mit einer zweijährigen Bewährungsstrafe davon: Er war als Fahrer tätig gewesen und hatte erbeutetes Geld innerhalb Deutschlands weitergegeben. Richter Marcus Teich kam auf die Opfer der Betrugstaten zurück: „Das waren Leute, die ihr Leben lang gespart und in diesem Zusammenhang ihre ganzen Ersparnisse verloren haben.“ 

Die vier Angeklagten seien zwar nur die Fahrer und „Läufer“ ihrer Hintermänner gewesen, man dürfe ihren Beitrag aber nicht kleinreden: „Ohne die Teams hätten diese Taten nicht begangen werden können.“ Nach den milden Urteilen gab es deshalb eine dringende Ermahnung an die Angeklagten: „Behalten Sie in Erinnerung, was hier passiert ist. Beim nächsten Mal geht es nicht so glimpflich aus.“

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