Das mysteriöse Gemälde von der Hälverstraße

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Dieses Bild wirft viele Fragen auf.

Schalksmühle - Alte Häuser bergen bekanntlich ihre Geheimnisse und Geschichten. Wer in ein altes Haus einzieht, entdeckt häufig Überraschendes. Das können alte Erinnerungsstücke sein, eine verborgene Tür oder ein übermaltes Gemälde. Meist geben die Häuser erst bei Sanierungsarbeiten ihre Schätze preis. So auch in der Bücherei Schalksmühle KöB an der Hälverstraße 3, wo vor Jahren bei Renovierungsarbeiten ein Wandgemälde zum Vorschein kam, dessen Existenz Rätsel aufgibt.

Im Eingangsbereich der Bücherei kündet das kleine Gemälde vom Leben in längst vergangener Zeit. War es Teil eines größeren Bildes, Ausschnitt aus einem umlaufenden Fries? Niemand weiß Näheres. Alles bewegt sich im Bereich der Vermutung und Spekulation. Weder das Team der Bücherei noch der Verein für Geschichte und Heimatpflege, nicht einmal ehemalige Bewohnerund Nachkommen des Erbauers, die selbst in dem Haus gewohnt haben, können zu der Wandmalerei etwas sagen. 

Viele Fragen bleiben unbeantwortet

In den 1960/70er-Jahren, als das Haus noch im Besitz der Familie Gödersmann war, muss von dem Bild schon lange nichts mehr zu sehen gewesen sein. Der Maler? Unbekannt. Nirgendwo gibt es eine Signatur, die Anhaltspunkte gibt. Der Auftraggeber? Vermutlich der Zimmermeister Ernst Gödersmann, der im November 1887 die Baugenehmigung erhielt, an der Hälverstraße ein Wohnhaus zu erbauen. Als Fachwerkhaus ließ er das stattliche Haus, in dem heute die Bücherei untergebracht ist, errichten. 

Äußerlich ist mittlerweile vom Fachwerk nichts mehr zu erkennen. Das Fachwerk ist einem weißen Anstrich gewichen. Ähnlich erging es der Wandmalerei, die im Laufe der Zeit gleichfalls hinter Farbe und Tapete verschwand und durch Zufall bei Renovierungsarbeiten wieder zum Vorschein kam. 

Kratzer künden vom Zahn der Zeit

Aufgetragen ist das Bild auf der nackten Wand. Es zeigt ein kleines Kind, das ins Spiel mit einem Kirchenmodell vertieft ist. Konzentriert versucht es, die Kirchturmspitze auf den Turm aufzusetzen. Sowohl die dicken Pausbacken als auch die Speckpölsterchen an Armen und Beinen verweisen auf ein sehr kleines Kind, das kaum dem Babyalter entwachsen ist. Gekleidet ist das Pummelchen in einen ärmellosen Einteiler. 

Kratzer, Ritzen und schadhafte Stellen künden vom Zahn der Zeit, der an der Malerei nicht spurlos vorbeigegangen ist. Vieles an dem Gemälde ist unvollständig, nicht zu Ende gemalt oder für immer verloren: Der kindliche Lockenkopf ist „abgeschnitten“, die Kirche mitsamt vorgelagerter Mauer, Eingangstor und Bäumen nicht vollständig zu sehen. 

Striche am oberen linken Rand deuten an, dass das Gemälde ursprünglich deutlich größer war. Wie es ausgesehen hat, lässt sich nicht mehr rekonstruieren. Irgendwann musste es anderer Wandgestaltung weichen.

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