Unverschuldet ohne Arbeit

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Ausverkauf an der Bahnhofstraße: In der kommenden Woche schließt der Drogeriemarkt Schlecker. Die vier Mitarbeiter des Unternehmens verlieren ihren Job – noch keine Mitarbeiterin hat eine neue Stelle gefunden. ▪

SCHALKSMÜHLE ▪ Bis Weihnachten war die Welt noch in Ordnung. Doch als statt schöner Weihnachtsdeko nur Hinhalteparolen aus der Zentrale kamen, wussten die Mitarbeiter „da stimmt was nicht“. Ein halbes Jahr später ist es Gewissheit: Schlecker ist Pleite – der Arbeitsplatz weg.

Mit jedem Artikel, den sie über den Scanner der Kasse zieht, rückt es näher – das Ende von Schlecker in Schalksmühle. „Für unsere Familie bricht ein ganzes Einkommen weg. Wir wissen noch nicht, wie es weitergeht“, sagt die Kassiererin, die ihren Namen lieber nicht in der Zeitung lesen will. 13 Jahre hat sie dem Unternehmen die Treue gehalten. Jetzt ist für sie und die anderen drei Schlecker-Angestellten Schluss. Unverschuldet. Die 48-Jährige ist verheiratet, hat zwei Kinder. „Da wird es schwer, ohne das monatliche Geld.“

Im Minutentakt kommen Kunden in das Ladenlokal – auf der Suche nach Schnäppchen. „Wir schließen am 29.06.2012. Vielen Dank für Ihre langjährige Treue“, steht in großen Lettern an den Schaufenstern. Darunter wird der Abverkauf beworben.

„Wie ich von der Kündigung erfahren hab?“, wiederholt die Schlecker-Angestellte die Frage: „Aus dem Radio.“ „Mich hat eine Kundin angesprochen“, sagt eine andere Beschäftigte des Drogeriemarktes. Für die 47-Jährige ist die Entlassung ein Schlag ins Gesicht. „Ich bin alleinerziehend und habe zwei Kinder.“ Auch sie weiß nicht, wie es beruflich mit ihr weiter geht. Die Angestellten der Insolventen-Konzerns haben sich nun an die Gemeinde und das Stadtmarketing gewendet – in der Hoffnung, dass eventuell ein anderer Drogeriemarkt nach Schalksmühle kommt.

„Der Jobverlust ist ein sehr schwerer persönlicher Schicksalsschlag“, sagt Bürgermeister Jörg Schönenberg. Der derzeit „hinter den Kulissen“ Gespräche in „verschiedene Richtungen“ führt. „Das Interesse ist natürlich groß, dass wir die Lücke in der Versorgung wieder schließen. Wir müssen allerdings sehen, was die Gespräche ergeben.“ Unter anderem müsse mit dem Eigentümer der Immobilie an der Bahnhofstraße gesprochen werden.

Auch der Stadtmarketingverein hofft darauf, dass sich ein Nachmieter findet. „Es gab ja schon ein großes Angebot, das nun in dem Maße nicht mehr erhältlich ist, daher wäre schön, wieder einen Drogeriemarkt zu bekommen“, sagt Maren Monsonis, Geschäftsführerin des Stadtmarketingvereins. „Wir schreiben Unternehmen an und würden dann auch Kontakt zu den jetzigen Mitarbeitern herstellen – für ein Unternehmen gäbe es doch nichts besseres, als direkt qualifiziertes Personal zu bekommen.“ Die Gemeinde und die Verwaltung hofft, dass so das Angebot aufrechterhalten bleiben kann und die jetzigen Schlecker-Angestellten wieder eine Stelle finden – damit das nächste Weihnachtsfest schöner wird. Ohne böse Vorahnungen. ▪ Matthias Clever

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