Unfehlbares Erfolgsrezept und eine Uraufführung

+
Unter der Leitung von Felicitas Stephan überzeugten „Die 12 Hellweger Cellisten“ mit Spielfreude und brillanter Technik das Publikum in der voll besetzten Kreuzkirche.

Schalksmühle - Auf 48 schwingenden, klingenden Saiten spielten sich „Die 12 Hellweger Cellisten“ am Sonntag in der Kreuzkirche Am Mathagen in die Gunst des Publikums. Zum fünften Mal waren die zwölf Virtuosen aus Duisburg, Essen, Bochum, Dortmund, Witten, Unna und Werl in Schalksmühle zu Gast.

Von Monika Salzmann

Unter der Leitung von Felicitas Stephan, die gleichzeitig Leiterin des Festivals „Celloherbst am Hellweg“ ist, brachte das Ensemble klangschöne, unmittelbar ansprechende und berührende Stücke aus unterschiedlichen Ländern und Epochen zu Gehör.

Zwölf Interpreten und zwölf Komponisten, mitreißende Spielfreude und brillante Technik in allen Lagen, dazu dann und wann ein strahlender Sopran: So lautete das schlichte, unfehlbare Erfolgsrezept. Staccato, Legato, Tenuno, Pizzicato und mehr – bis zur Neige kostete das multikulturelle Ensemble, das seine Stücke reihum anmoderierte, die spieltechnischen Möglichkeiten, den Tonumfang und die Stimmungen des Cellos aus. Bearbeitungen, aber auch Originalwerke für die zwölfköpfige Besetzung wie der „Hymnus“ von Julius Klengel waren zu hören.

Den Gesangspart meisterte Sabine Brunke (Aalto Theater Essen) gleichsam als Zünglein an der Waage mit Bravour. Mit ihrer klaren, strahlenden Sopranstimme machte Sabine Brunke ihre Partien, in denen das Ensemble in der Rolle des einfühlsamen Begleiters glänzte, zum Hörgenuss. Innerste Saiten brachte sie mit der berührenden Klage „Pie Jesu“ aus der Totenmesse, die Andrew Lloyd-Webber 1984 für seinen Vater schrieb, zum Klingen. Mit Purcell (Dido und Aeneas) beklagte sie zu Tode betrübt das Leid verratener Liebe. Mit Bernstein (Westsidestory) und „Somewhere“ ließ sie gefühlvoll von einer besseren Zukunft ohne Feindschaft und Rivalität träumen.

Nicht genug konnten die Zuhörer in der voll besetzten Kirche von den sympathischen Musikern, die einmal mehr preisgekrönten Nachwuchs in eigenen Reihen hatten, hören. Sehr zur Freude des Publikums ließen sie sich nach dem zweistündigem Programm noch zu zwei Zugaben „überreden“. Dass sie auch Pop können, bewiesen die Zwölf dabei mit dem bekannten Beatles-Song „Yesterday“.

Ausgesprochen klangschönen Werken wie Händels „Passacaglia“ oder Dvoraks „Slawischem Tanz“ widmete sich das Ensemble, das mittlerweile seit zehn Jahren besteht, in seinem diesjährigen Programm. Der hohe Norden mitsamt seiner Märchen- und Sagenwelt war in Griegs Kompositionen – unter anderem „Solveigs Lied“ aus Peer Gynt – zugegen.

Dem Zauber der spanischen Gitarre zeigten sich die Virtuosen in Isaac Albeniz „Asturias“ erlegen. „Wir haben uns gedacht: „Was sechs Saiten können, können 48 allemal“, meinten sie verschmitzt. Von Vivaldi zu Ernesto Nazareth und seinem „Bregeiro“ (Lausebengel), dessen unbekümmerte Streiche bildhaft vor Augen standen, machten die Cellisten weite Sprünge.

Ein Highlight: Die Uraufführung von Jaime Zenamons „Saudades“ (übersetzt Sehnsucht oder sanfte Melancholie), bei der das Ensemble traurige Stimmung typisch brasilianisch mit Anleihen an Jazz und Volksmusik förmlich hinweg spielte.

Kommentare

Unsere Kommentarfunktion wird über den Anbieter DISQUS gesteuert. Nutzer, die diesen Dienst nicht verwenden, können sich hier über das Login-Formular anmelden.
Netiquette
Hinweis: Kommentieren Sie fair und sachlich! Rassistische, pornografische, menschenverachtende, beleidigende oder gegen die guten Sitten verstoßende Äußerungen sind verboten und werden gelöscht.

Kommentare