Baumrettung

Happy-End für Hainbuche - neuer Standort funktioniert bisher

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Die grünen Blätter machen Hoffnung, dass die Hainbuche am neuen Standort anwächst, entscheidend wird aber das nächste Frühjahr.

Heedfeld - Die geschätzt 150 Jahre alte Hainbuche, die vor fünf Monaten in einer aufwendigen Aktion aus dem Heedfelder Gewerbegebiet auf einen Hang in Lauenscheid verpflanzt wurde, hat den Umzug bisher gut weggesteckt. Bis hinauf in die Krone sprießt das Grün.

„Die Blätter sind erst vor Kurzem aufgegangen“, sagt Linda Froese, die sich gemeinsam mit ihrer Familie und weiteren Mitstreitern für den Erhalt und Umzug des Baums Ende November eingesetzt hatte. Die Gemeinde hatte die Verpflanzung nach einer kontroversen Debatte möglich gemacht, trotz der damit verbundenen Kosten und der unsicheren Erfolgsaussichten einer solchen Aktion. 

Dass die Hainbuche nun Blätter trägt, stimmt die, die sich für den Baum eingesetzt haben und sich um ihn kümmern, zuversichtlich. „Wir freuen uns sehr, dass es ihm scheinbar wirklich gut geht“, sagt Froese. Noch klingt der Optimismus, dass die Hainbuche tatsächlich anwächst, etwas verhalten. 

Sicherheit erst im zweiten Jahr

Dass der Baum in diesem Frühjahr austreibe, sei nämlich aufgrund seiner noch gespeicherten Reserven gar nicht so ungewöhnlich, sagt Froese. Um sicherzugehen, dass der Baum den Umzug verkraftet und am neuen Standort Wurzeln geschlagen hat, müsse man allerdings noch ein zweites Jahr abwarten, sagt Froese: „Wenn der Baum nächstes Jahr im Frühjahr wieder austreibt, können wir uns alle sicher sein.“ Dafür wird Einiges getan. 

Vor allem muss die Hainbuche genügend gewässert werden, denn der wenige Regen dringt gar nicht bis zum tieferen Wurzelwerk vor. Mit einem Trecker wird ein 1000-Liter-Tank zur Hainbuche geschleppt und über eine Plane vom Anhänger zum Baum geleitet. Einen genauen Rhythmus gibt es dabei nicht. „Man muss das nach Gefühl machen“, sagt Froese. Aber jetzt beim Austreiben brauche der Baum gerade viel Wasser. „Je mehr Blätter es sind, desto mehr Photosynthese betreibt der Baum und auch die Verdunstung ist höher – dann wird die Wassermenge noch mal steigen“, erklärt Froese.

1000 Liter für die Hainbuche: Linda Froese, Marco Matyszczak und Anja Froese (von links) bereiten die Wässerung vor.

Auch steigende Temperaturen und eventuelle Trockenheit werden den Wasserverbrauch im Laufe des Sommers erhöhen. Auch in den fünf Monaten seit dem Umzug gab es durchaus Anlass zur Sorge, allerdings nicht wegen Hitze und Trockenheit, sondern wegen des starken Windes. „Das Schlimmste sind die Stürme gewesen“, sagt Froese. Sie habe befürchtet, der Baum könnte den starken Winden, die dann über die Hügelkuppe wehen, nicht standhalten. „Ich bin nachts aufgewacht bei Sturm und habe zuerst an den Baum gedacht.“ 

Tatsächlich hat die Hainbuche bisher alle Stürme überstanden, den ersten sogar noch ohne die Bänder, die den Stand des Baums sichern und ihm bei starkem Wind Halt geben sollen. „Stehen tut er von alleine“, stellt Linda Froese allerdings klar. 

Unterstützung während des Anwachsens

Die Bänder dienen lediglich der Sicherheit des Baums während des Anwachsens, geben ihm allerdings genug Spielraum. Würde man die Hainbuche zu fest anbinden und sie unter diesen Bedingungen Feinwurzeln bilden, könnten diese den Belastungen durch den Wind nicht so gut standhalten. „Wenn ich den Baum dann losmache, reißen sie sofort“, erklärt Froese. „Der Baum soll ein dynamisches Wurzelwerk bilden.“ 

Durch die exponierte Lage sei er starkem Wind ausgesetzt. „Wenn er ein Kronendach bildet, braucht er erst recht starke Wurzeln.“ Um tief nach unten zu wurzeln, ist allerdings nicht viel Platz, denn schon beim Ausbaggern der neuen Pflanzgrube stieß man in geringer Tiefe auf Felsgestein. Damit Wasser nicht hangabwärts daran abfließt, wurde deswegen eine sogenannte Wassertasche im Fels gebaggert, in der sich Wasser für den Baum sammeln kann, erklärt Froese: „Es ist ein kleines Wasserreservoir.“ 

Wiesenmischung angesät

Vor ein paar Wochen wurde außerdem rund um den Baum eingesät, und zwar eine heimische Wiesenmischung, die zum umliegenden Weideland des Landwirts passt, der den Platz für die Hainbuche für die Umpflanzung zur Verfügung gestellt hat. Damit die Saat gut aufgehen kann und nicht zertrampelt wird, ist rund um den Baumbereich ein Band gespannt. Schließlich kommen immer wieder Besucher zum Baum, darunter offenbar auch einstige Umzugsgegner. „Die haben damals gesagt: Was soll der Aufwand?“, berichtet Jürgen Froese. 

Nun würden selbst die sich über den umgepflanzten Baum freuen und hoffen, dass er auch anwachse. „Die Hainbuche hat viele Fans“, sagt Linda Froese. Auch in den sozialen Medien werde immer mal wieder über die Hainbuche geschrieben. „Es ist ein regelrechter Hype. Sie ist zu einem Symbol des Naturschutzes geworden und dafür, dass es nicht immer nur um die Wirtschaft geht.“ 

Da die Hainbuche wegen einer Erweiterung im Gewerbegebiet an der Heedfelder Straße weichen musste, wäre es für alle Beteiligten und auch die Hainbuchen-Fans ein großer symbolischer Erfolg, wenn sie in Lauenscheid dauerhaft Wurzeln schlägt. Linda Froese verspricht: „Wenn der Baum auch im nächsten Jahr angeht, feiern wir ein Fest.“

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