Plötzliches Prozessende im Landgericht

Überraschende Wende im Brandstifterprozess: Angeklagter bekommt Haftstrafe

Gericht Landgericht Haft Haftstrafe Angeklagter
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Haftstrafe für den 28-jährigen Angeklagten aus Schalksmühle

Überraschende Wende im Brandstiftungsprozess: Nach dem Geständnis des Angeklagten, der sich für eine Brandstiftung am Linscheider Berg in Schalksmühle verantworten musste, ist der Prozess am Freitag kurzfristig zuende gegangen.

Schalksmühle/Hagen – Die Schwurgerichtskammer des Landgerichts verurteilte den 28-Jährigen wegen versuchten Mordes, gefährlicher Körperverletzung und schwerer Brandstiftung zu einer Haftstrafe von fünf Jahren.

Das Gutachten des Psychiatrischen Sachverständigen Dr. Nikolaus Grünherz ebnete dem Angeklagten den Weg in eine Entziehungsanstalt. Er attestierte ihm eine starke Enthemmung und eine erheblich verminderte Steuerungsfähigkeit aufgrund des vor der Tat konsumierten Alkohols. Er hielt es für möglich, dass das Valium, das der Angeklagte ebenfalls vor der Tat eingenommen hatte, keine beruhigende, sondern eine aufputschende Wirkung hatte.

Verminderte Steuerungsfähigkeit durch Drogen

Entsprechend gingen auch die Richter von einer erheblich verminderten Steuerungsfähigkeit des Angeklagten aus. Trotz seiner Abhängigkeit von vielen verschiedenen Drogen sahen die Richter gewisse Heilungschancen aufgrund der durch die Untersuchungshaft erzwungenen Abstinenz: „Sie sind entgiftet und können jetzt anfangen, an sich zu arbeiten“, wandte sich die Vorsitzende an den 28-Jährigen. „Sie sind zu jung für ein solches Leben, wie Sie es vor der Tat gelebt haben!“

Positiv werteten die Richter das (späte) Geständnis des Angeklagten. Glücklicherweise hatte das Opfer keine bleibenden Schäden davongetragen. Der Vermieter erlitt bei dem Brand eine Rauchgasvergiftung und musste einen Tag lang auf der Intensivstation bleiben. Die Strafverfahren wegen zweier weiterer Brandstiftungen, bei denen niemand zu Schaden gekommen war, stellte das Schwurgericht ein. Das Geständnis des Angeklagten bestätigte die Aussagen der Zeugen, die schon am Tatabend ein Geständnis von ihm gehört hatten.

Die Vorsitzende Richterin Heike Hartmann-Garschagen fasste das Geschehen noch einmal zusammen: Vor der Tat habe der Angeklagte mit Gleichgesinnten in den Tag hinein gelebt. Aus Verärgerung über die daraus resultierende Kündigung durch seinen Vermieter habe er „Rache“ geschworen.

Wodka und Valium am Tatabend

Wodka und Valium taten dann am Tatabend das Ihrige: Der Angeklagte und sein Mittäter bewaffneten sich mit Grillanzündern und begaben sich zur Doppelhaushälfte des Vermieters. Dort entzündeten sie die Brandbeschleuniger und warfen sie durch ein Fenster in den Keller. Von dort aus verbreitete sich das Feuer im Keller, und der Rauch zog durch das Treppenhaus nach oben. Vor den Plädoyers und dem Urteil hatte es ein Rechtsgespräch zwischen Richtern, Staatsanwalt und Verteidiger gegeben.

Dabei war dem Angeklagten für den Fall eines Geständnisses eine relativ milde Haftstrafe zwischen viereinhalb und fünfeinhalb Jahren in Aussicht gestellt worden. Die Einweisung in eine Entziehungsanstalt gibt ihm die Chance, nach zwei Jahren erfolgreicher Therapie auf Bewährung entlassen zu werden.

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