Schalksmühler wirft ungebetene Gäste raus - Geldstrafe

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Tumult im Hausflur.

Schalksmühle/ Lüdenscheid - Abgeschlossene Wohnräume mit einer geschlossenen Eingangstür und einer Klingel bieten große Vorteile: Dies wurde im Zuge einer Verhandlung im Amtsgericht Lüdenscheid deutlich.

Dort hatte sich der 48-jährige Bewohner einer nicht hinreichend vor unerwünschtem Besuch gesicherten Wohnung in Schalksmühle wegen einer gefährlichen Körperverletzung zu verantworten.

Am 14. März vergangenen Jahres hatte sich der Mann mit seiner Lebensgefährtin in seine unverschlossenen Räume im Untergeschoss zurückgezogen, weil er mit ihr „laute Musik“ hören wollte und in ihrer Wohnung im selben Haus ein Kind schlief. Die Zeit war fortgeschritten – zwischen 22 und 23 Uhr ergänzten die beiden den zuvor „in Maßen“ getrunkenen Alkohol durch weitere Getränke.

Die Party strahlte aus und zog zwei Nachbarinnen an. „Plötzlich waren die da und setzten sich bei mir auf die Couch“, erinnerte sich der Angeklagte an eine Situation, die der offenen Zugänglichkeit seiner Wohnung geschuldet war. Der Besuch erzürnte ihn: „Die waren richtig betrunken.“

Frontalangriff auf 50-Jährige Nachbarin

So ging er frontal auf eine 50-jährige Nachbarin los. Zeugen erinnerten sich, dass er dabei in ganz übler Weise ihre Körperformen thematisierte und mit Totschlag drohte. Sie erinnerte sich daran, instinktiv die Hände vor den Kopf gehalten zu haben. Ob der Angeklagte tatsächlich die Fäuste erhoben hatte, blieb im Gerichtssaal jedoch ungeklärt.

Ebenso wie die Frage, wie es zu einer erheblichen Verletzung eines Fingers der Geschädigten kam. „Es kann sein, dass ich da draufgetreten habe, aber das war keine Absicht“, versicherte der Angeklagte und verwies auf einen Tumult im Hausflur, als er die unerwünschte Besucherin hinausführte. Dabei sei sie gestürzt.

Dass der 48-Jährige mit seinen Cowboystiefeln absichtlich zugetreten hatte, konnte auch die Zeugin nicht mehr sicher sagen. „Woraus folgern Sie, dass der Angeklagte Sie absichtlich getreten hat?“, wollte Richter Thomas Kabus wissen. „Weil er den Spruch abgesondert hat, dass er mich hassen würde“, erwiderte die Zeugin.

Schmerzhafte und langwierige Folgen für Geschädigte

Sehr schmerzhaft und langwierig waren für sie die Folgen des Tritts: Ein Finger war gebrochen, die Wunde offen und bei der Erstversorgung im Krankenhaus wurde ihr sogar ein Termin in der Abteilung für plastische Handchirurgie empfohlen. „Es spricht einiges dafür, dass der Angeklagte die Zeugin mit Gewalt aus der Wohnung entfernen wollte“, fasste Oberamtsanwalt Lehmann das Geschehen zusammen.

„Das kann nicht sein, dass eine betrunkene Frau auf dem Sofa sitzt und nicht gehen will“, billigte Strafverteidiger Andreas Trode seinem Mandanten sogar leichte handgreifliche Mittel zur Entfernung der Unerwünschten zu. Einig waren sich beide mit Richter Kabus, dass dem Angeklagten nicht nachzuweisen sei, dass er die Frau absichtlich getreten hatte.

So endete das Verfahren mit einer Verurteilung wegen fahrlässiger Körperverletzung: 20 Tagessätze zu je 35 Euro muss der Angeklagte für die „Verletzung seiner Sorgfaltspflicht“ bezahlen.

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