Türkei-Reise: 7000 Kilometer fest im Sattel

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Detlev und Rendel Simon präsentieren ihre Motorrad-Reiseroute auf einer Landkarte der Türkei. ▪

SCHALKSMÜHLE ▪ „Versuchen Sie gar nicht erst, sich Details zu merken, lassen Sie einfach die Eindrücke auf sich wirken.“ Der Vorschlag, den Detlev Simon seinen Zuhörern im voll besetzten Gemeindehaus in Heedfeld machte, war mehr als berechtigt.

Die Eindrücke einer 7000 Kilometer langen Motorradreise, die Simon gemeinsam mit seiner Frau Rendel durch die Türkei zurückgelegt hatte, waren so vielfältig und so reich an Anekdoten und Informationen, dass die Zuhörer unmöglich alles behalten konnten. Auf Einladung des Männerkreises der Evangelischen Kirchengemeinde berichtete das Ehepaar von seinem Abenteuer.

Da das Ehepaar bereits bei früheren Türkei-Reisen – beide erkunden seit 20 Jahren die Türkei und alle umliegenden Länder – mit dem Motorrad Erfahrungen bei der strapaziöseren Anreise mit der Fähre gesammelt hatten, ließen sie diesmal ihre Maschinen per Spedition in die Türkei verfrachten. Danach führte sie der Weg über Iznik/Nicäa, wo im Jahr 325 n. Chr. das 1. Ökumenische Konzil stattfand, nach Ankara und später in den Ort Hatussa, der in der Bronzezeit die Hauptstadt des Hethiterreiches war. „Obwohl das Stadttor aufwändig restauriert und wieder aufgebaut wurde, sind hier viele architektonische Überreste nur für das geschulte Auge erkennbar“, erklärt Detlev Simon.

Zu Beginn schien die Reise zunächst unter keinem guten Stern zu stehen. Rendel Simon stürzte am zweiten Tag mit dem Motorrad und brach sich drei Rippen. „Meine Frau nahm jedoch ein paar Schmerztabletten und fuhr ungerührt weiter“, erinnert sich Detlev Simon.

In Kappadokien besichtigte das Ehepaar dann eine besondere Attraktion. In die weichen Tuffsteinberge der Gegend wurden nicht nur überirdisch Gebäude, Kirchen und Wohnhäuser hineingeschlagen – auch unterirdisch legten die Menschen ganze Städte an, die bis zu 16 Etagen und 55 Meter tief in die Erde reichen. „Diese Anlagen, die mit einem ausgeklügelten Belüftungssystem ausgestattet waren, boten natürlich einen hervorragenden Schutz vor Überfällen, da sie nur kleine, schmale Zugänge enthielten, die bei Bedarf schnell verschlossen werden konnten“, so Detlev Simon.

In Doganbeyli machte das Ehepaar eine besondere Erfahrung, die bei ihnen einen nachhaltigen Eindruck hinterließ. „Wir wurden bei einer Trauerfeier spontan ins Haus der Familie eingeladen“, erinnert sich Rendel Simon. „Eine solche Einladung in einer derart intimen Situation wäre bei uns sicher undenkbar.“ Ganz allgemein stellten Detlev und Rendel Simon die Gastfreundlichkeit heraus, die ihnen auf ihrer Türkei-Reise stets begegnete. „In unseren Unterkünften wurden wir immer in die Familie aufgenommen und nahmen am Leben der Menschen teil“, betont Rendel Simon.

Nach zahlreichen spannenden Erlebnissen – unter anderem die Überquerung des Euphrat mit einem völlig maroden Boot, bei der die beiden Motorräder der Reisenden einzeln übergesetzt werden mussten, endete die Tour schließlich an jenen Touristenorten, die das Paar während seiner fünfwöchigen Reise meist bewusst mied. In Pamukkale, Ephesus und Bergama sogen die Globetrotter noch einmal „Geschichte pur“ in sich auf. ▪ bot

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