Tschernobyl-Hilfsverein Medigom löst sich auf

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Igor Kovaljew, Dr. Sergej Biritsch, Iris Wiese, Pavel Belski und die im Dezember 2009 verstorbene Angelika Fratz (v.l.n.r.) engagierten sich für den Verein Medigom und das Infektionskrankenhaus in Gomel. ▪

DAHLERBRÜCK ▪ Die Errichtung eines Infektionskrankenhauses hatte sie sich zum Ziel gesetzt und beharrlich und mit ihrer ganzen Energie an der Verwirklichung gearbeitet. Angelika Fratz. Dazu hatte die Dahlerbrückerin den Verein Medigom (Medizinische Hilfe für Gomel) nach der Tschernobyl-Katastrophe gegründet.

Rund ein Jahr nach dem Tod der Vorsitzenden löst sich der Verein jetzt auf. „Angelika Fratz hat eine unbeschreibliche Arbeit geleistet. Sie hatte die Kontakte nach Weißrussland und hat alles federführend organisiert“, sagte Andrea Putz auf Anfrage unserer Zeitung. Die Schatzmeisterin erklärte, dass diese Lücke kein Vereinsmitglied füllen könnte und daher eine Liquidierung des Vereins der Freunde der Tschernobyl-Opfer unumgänglich sei.

Iris Wiese hatte als stellvertretende Vorsitzende die Geschicke des Vereins geleitet – das Amt der ersten Vorsitzenden wollte sie jedoch nicht übernehmen.

„Die Entscheidung tut uns sehr leid und geht allen ans Herz“, führte Putz aus. Sie unterstrich, dass ohne Angelika Fratz die Klinik vermutlich nicht fertiggestellt worden wäre.

Rückblick: In der durch die Strahlen verseuchten Großstadt Gomel fehlte es nach der Tschernobyl-Katastrophe im April 1986 an allem. Weißrussland war nicht in der Lage, ein Infektionskrankenhaus für die immungeschwächte Bevölkerung zu errichten. Mit Angelika Fratz kam die Wende. Deutschlandweit sammelte sie Spenden, organisierte Sachspenden wie Baumaterial und medizinisches Gerät – unzählige Hilfstransporte rollten nach Osteuropa. Die Eröffnung der Klinik folgte mit einem Medienereignis. Das brachte Fratz überregional große Anerkennung und Respekt ein. Ihr Engagement ist mit Bundesverdienstkreuz ausgezeichnet worden. Ein Engagement, dass die jetzigen Vereinsmitglieder nicht leisten können: „Wir sind berufstätig. Da können wir so was nicht leisten“, sagte Putz. Daher soll nun die Auflösung erfolgen. ▪ mc

Die außerordentliche Mitgliederversammlung findet am Donnerstag, 10. Februar, ab 20 Uhr in der Gaststätte „Zum Nöckel“ statt.

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