Geld angeblich in Gefahr

30.000 Euro ergaunert: 87-Jähriger verliert  Ersparnisse an Trickbetrüger

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Symbolbild

Als Komplizen von Drahtziehern in der Türkei haben vier Angeklagte im Alter von 19 bis 40 Jahren ältere Mitbürger um ihre Ersparnisse gebracht. Auch ein 87-jähriger Schalksmühler verlor auf diese Weise seine Ersparnisse von 30 000 Euro. 

Anrufer hatten den Senioren vorgegaukelt, dass ihr Geld in Gefahr sei und sie so veranlasst, den angeblichen Polizisten an der Haustür Beträge zwischen 18 000 und 162 000 Euro zu übergeben.

Nach den Geständnissen der Angeklagten könnte das Strafverfahren im Landgericht früher als geplant– nach derzeitigem Stand am 9. Dezember – zu Ende gehen. Ein internes Rechtsgespräch zwischen Strafkammer, Staatsanwalt und Verteidigern erbrachte noch keine Absprache über mögliche Strafobergrenzen: „Eine Verständigung wurde nicht erreicht“, verkündete der Vorsitzende Richter Marcus Teich nach der Beratung. 

Es wurde allerdings deutlich klar, dass die Kammer bei mindestens zwei Angeklagten wenig Spielraum für eine Bewährungsstrafe sieht: Nach derzeitigem Stand spreche einiges für eine Jugendstrafe des mit 19 Jahren jüngsten Angeklagten, erklärte der Richter. Aufgrund der Vielzahl der Taten und der Höhe des Schadens sei aber eher nicht mit einer Bewährungsstrafe zu rechnen. Ausgerechnet der Jüngste in der Runde hatte in der Schwerter Schaltstelle der Bande offenbar die Kontakte in die Türkei gepflegt. Ins Gefängnis muss voraussichtlich auch der 22-jährige Angeklagte, dem eine Vielzahl von Taten und eine große Schadenssumme zur Last gelegt werden. Auch in seinem Fall sei „eher nicht damit zu rechnen, dass eine Bewährungsstrafe verhängt wird“. 

Eine Bewährungsstrafe komme aus seiner Sicht nur für den mit 40 Jahren ältesten Angeklagten in Betracht, erklärte Staatsanwalt Axel Nölle. Dem Mann wird vorgeworfen, dass er erbeutete Beträge in die Türkei transferiert hat. 

Die Verteidiger betonten erneut die untergeordnete Rolle ihrer Mandanten: Von den Hintermännern sei eine „erhebliche Drohkulisse aufgebaut worden“, damit niemand abspringe. Die tatsächliche Höhe der Tatbeute sei den Angeklagten nicht bekannt gewesen, da sie nicht gewusst hätten, was sich in den abgeholten Beuteln befand. 

Vieles spricht dafür, dass der größte Teil der Beute tatsächlich zu den Hintermännern in die Türkei gelangte. Die Angeklagten wollen nur zwischen 500 und 1500 Euro je Abholung bekommen haben. Nach der Aushändigung von 162 000 Euro in Hamburg sollen der Abholer und sein Fahrer ausnahmsweise je 5000 Euro bekommen haben. Zwei der Angeklagten bemühten sich auf diesem Hintergrund um eine sehr begrenzte Schadenswiedergutmachung: Sie boten Zahlungen von je 5000 Euro an. Der gesamte Schaden soll allerdings bei 260 000 Euro gelegen haben.

Der Prozess soll am 2. Dezember im Landgericht Hagen fortgesetzt werden.

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