Gastronomie

Traditionshotel „Zur Post“: Im Ortskern endet eine Ära

Altes Hotel im Schalksmühler Ortskern
+
Monopolstellung im Ortskern zwischen Volme und neuem Bahnhofsvorplatz: Das „Hotel zur Post“ an der Bahnhofstraße. Weil Inhaberin Marina Kinold aus Altersgründen aufhören möchte, steht das Hotel zum Verkauf.

Das „Hotel zur Post“ gehört zum Schalksmühler Ortskern wie das Kiepenlisettken und die Volme. Nun steht das Gebäude aus dem Jahr 1900 zum Verkauf.

Schalksmühle – Im Ortskern kündigt sich in der Volmegemeinde Schalksmühle das Ende einer Ära an: Das „Hotel zur Post“ steht zum Verkauf. „Aus Altersgründen“, sagt Inhaberin Marina Kinold, „es hat nichts mit der Corona-Situation zu tun.“

Seit 1996 führen Marina Kinold und ihr Mann Wilfried das Hotel an der Bahnhofstraße. „Wir stammen ursprünglich aus Kierspe, lebten damals im Rheinland und wollten zurück in diese Region“, erinnert sich Kinold – so fanden sie den Weg in die Volmegemeinde.

Nun soll es in den wohlverdienten Ruhestand gehen. „Mein Mann ist 78 Jahre alt“, sagt die 66-jährige Marina Kinold, „alleine schaffen wir das nicht mehr.“ Personal sei in einer Gemeinde wie Schalksmühle schwerer zu bekommen als zum Beispiel an Universitätsstandorten. Dazu sei das Geschäft gerade mit großen Feierlichkeiten nicht mehr dasselbe wie in der Vergangenheit. „Es müssen dafür heutzutage ganz besondere Locations sein“, sagt Kinold, „wir haben auch für uns darüber nachgedacht, das Hotel nur noch als Hotel Garni anzubieten, uns aber dagegen entschieden. Wir haben auch viele Gruppen, die über Jahre gekommen sind. Die will man ja auch weiter bewirten.“

Traditionshotel „Zur Post“: Im Ortskern endet eine Ära

Auf jeden Fall bietet die Seite immobilienscout24.de nun im Internet ein „etabliertes, gepflegtes Hotel mit Kundenstamm“ für 539 000 Euro an. Die Eckdaten: 568 Quadratmeter Gesamtfläche, davon 244 Quadratmeter Gastraumfläche. 13 Betten auf drei Etagen verteilt, 50 Plätze im Gastraum. Ein Saal, in dem schon so manches rauschende Hochzeitsfest gefeiert worden ist. Eine Kegelbahn und eine Außengastronomie.

Bereits zum 1. Juni hätten die Kinolds das Hotel an einen Käufer abgegeben. „Das klappt natürlich nun nicht mehr, aber es ist alles sehr flexibel machbar, es gibt zum Beispiel keine feste Bindung an einen Brauerei-Vertrag mehr“, sagt die Inhaberin und hofft auf Interessenten. Auch der Gemeinde habe man das Hotel angeboten. Im Moment ist aber noch keine Nachfolgelösung in Sicht.

Mein Mann ist 78 Jahre alt, alleine schaffen wir das nicht mehr!

Marina Kinold (Inhaberin „Hotel zur Post“)

Das Gebäude ist im Jahr 1900 erbaut worden, die letzte Modernisierung fand 2019 statt. Durch das Fassadenprogramm der Gemeinde, in dessen Rahmen auch das Hotel äußerlich verschönert wurde, ist das historische Hotel ein echter Hingucker, direkt gegenüber ist gerade erst der neue Bahnhofsvorplatz fertig geworden. Zwischen diesem Platz und der direkt angrenzenden Volme hat das Hotel eigentlich ein großes Potenzial. Mit einem Abriss der Kegelbahn wäre sogar ein großer Biergarten direkt an der Volme denkbar. Oder vielleicht ein größerer Biergarten auf dem gegenüberliegenden Platz. Nichts scheint unmöglich...

Für die Gemeinde Schalksmühle ist die Nachfolge-Frage im „Hotel zur Post“ durchaus wesentlich. Im Ortskern, in dem es früher einmal den „Schinderhannes“, den „Westfälischen Hof“ und zwischenzeitlich auch einige erfolgreiche Bierkneipen gab, sind die Gastronomie-Angebote deutlich weniger geworden. Die Pandemie hat dies noch verstärkt – direkt neben dem „Hotel zur Post“ ruht auch der Betrieb im „Holzwurm“ seit einem Jahr komplett. Auch wenn an der Bahnhofstraße nun ein neues Kulturcafé eröffnen soll, bleibt das Angebot karg.

Bis zum Verkauf geht es weiter: Öffnung der Außengastronomie

Auch ein Übernachtungsangebot im Ortskern in einem Hotel ist wesentlich. In der Corona-Pandemie ist der Hotel-Bereich derzeit durch Monteure belegt. Ansonsten ruht der Gastronomie-Bereich noch. Zwar wäre eine Öffnung für die Außengastronomie möglich – „aber bei dem Wetter…“, sagt Marina Kinold und schaut in den wolkenverhangenen Himmel. „In der nächsten Woche, wenn es wärmer wird, werden wir draußen auch wieder öffnen.“ Noch geht es also weiter mit den Kinolds im „Hotel zur Post“ – bis ein Nachfolger gefunden ist, der bereit ist, das Traditionshotel in die nächste Ära zu führen.

Das könnte Sie auch interessieren

Kommentare

Hinweise zum Kommentieren: Auf come-on.de können Sie Ihre Meinung zu einem Artikel äußern. Im Interesse aller Nutzer behält sich die Redaktion vor, Beiträge zu prüfen und gegebenenfalls abzulehnen. Halten Sie sich beim Kommentieren bitte an unsere Richtlinien: Bleiben Sie fair und sachlich - keine Beleidigungen, keine rassistischen, rufschädigenden und gegen die guten Sitten verstoßenden Beiträge. Kommentare, die gegen diese Regeln verstoßen, werden von der Redaktion kommentarlos gelöscht. Bitte halten Sie sich bei Ihren Beiträgen an das Thema des Artikels. Lesen Sie hier unsere kompletten Nutzungsbedingungen.


Bitte beachten Sie: Die Kommentarfunktion unter einem Artikel wird automatisch nach drei Tagen geschlossen.

Netiquette
Hinweis: Kommentieren Sie fair und sachlich! Rassistische, pornografische, menschenverachtende, beleidigende oder gegen die guten Sitten verstoßende Äußerungen sind verboten und werden gelöscht.

Kommentare