Hainbuche einfach gefällt

Tod eines gesunden Baums im MK - Missverständnis führt zur Fällung 

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Einfach gefällt: eine gesunde Hainbuche.

Hinter den vielen Baumfällungen heutzutage stecken Borkenkäfer und der Klimawandel. Im MK wurde nun jedoch eine kerngesunde Buche gefällt.

Schalksmühle – Dass dieser Tage so viele Bäume sterben, lässt dem Betrachter bei so manchem Spaziergang das Herz bluten. Der Borkenkäfer und der Klimawandel sind als Schuldige lange ausgemacht. Der Tod einer mutmaßlich kerngesunden Hainbuche am Mathagen in Schalksmühle hat indes wohl nichts mit dem Klimawandel und dem Borkenkäfer zu tun. Womit aber dann?

BaumartHainbuche
FamilieBirkengewächse
ArealMitteleuropa, Nordanatolien, Kaukasus

Tod eines gesunden Baums in Schalksmühle: Buche älter als ein halbes Jahrhundert

Die Geschichte ist eine, die ein böser Traum für jeden Hausbesitzer wäre: Als Martin Werthmann am Dienstag der vergangenen Woche von der Arbeit nach Hause kam, lag die Hainbuche da, in des Nachbarn Garten. Einfach gefällt. „Ein bisschen dilettantisch sogar“, sagt Werthmann. Ein mehr als ein halbes Jahrhundert alter Baum. Gewachsen aus einer Hainbuchenhecke, die schon dort gestanden hatte, als es das Gros der anliegenden Häuser noch nicht gab. Ein Bild belegt es. Ein prächtiger Baum, in dem die Eichhörnchen und Vögel wohnten. Im Sommer ein Schattenspender, unter dem Werthmann gerne gegrillt hat. Ein Sichtschutz zum Nachbarn zudem. Der Stolz des Gartens.

Auf dem direkten Nachbargrundstück steht ein Mehrfamilienhaus der Wohnungsgesellschaft Halver-Schalksmühle. Der Gärtnerregiebetrieb der Gesellschaft war angerückt und hatte die Hainbuche erlegt, hatte sie mit einem Trecker auf die Seite des WHS-Grundstücks gezogen. Aber warum?

Tod eines gesunden Baums in Schalksmühle: Besitzer vermutet eine Verwechslung

„Ich nehme an, dass man den Baum verwechselt hat“, sagt Martin Werthmann, der natürlich direkt Kontakt zur WHS aufgenommen hat in der vergangenen Woche. Neben der Hainbuche stehen in gebührendem Abstand zwei alte Eichen, gepflanzt von Werthmanns Großvater. Beide eindeutig im Garten des Mehrfamilienhauses, beide mit trockenem Geäst in beachtlichen Höhen, dem sogenannten Totholz.

Der Zaun der WHS zum Nachbargrundstück: morsch und deshalb nur noch in Teilen vorhanden. Mit Zaun wäre die Fällung womöglich nicht passiert.

Auf der einen Seite über den Parkplatz des Hauses ragend, sodass das Totholz zum Ärger der Anwohner schon mal auf Autos gefallen ist. Auf der anderen Seite sich im Sommer fast in den Giebel eines anderen Nachbarhauses ausbreitend, weshalb sich eine Nachbarin beschwert hatte im vergangenen Jahr. Bäume, bei denen zumindest die Entfernung des Totholzes angedacht gewesen war. „Eventuell hat es da ein Missverständnis gegeben“, sagt Hartmut Römer, Leiter des Gärtnerregiebetriebs der WHS, „wenn das so ist, entschuldigen wir uns. Es handelt sich bei der Hainbuche um einen Grenzbaum. Wir haben einen Vermesser eingeschaltet, um zu prüfen, zu welchem Grundstück der Baum gehört, wem der Baum gehört.“

Hecke als natürliche Grenze

Martin Werthmann hat sich den stattlichen Baumstumpf angeschaut inmitten der Lebensbaumhecke, die er vor Jahren an der Stelle der alten Hainbuchenhecke gepflanzt hat und die eine natürliche Grenze zum Nachbarn ist. Dahinter hat einmal auf Seite der WHS ein Holzzaun gestanden, der aber morsch geworden ist. Nur noch ein Teil des Zauns steht. Werthmann zeichnet den Verlauf nach, die Hainbuche stand eindeutig außerhalb dieses Zauns. Vielleicht rage sie in ihrer Breite zwei, drei Zentimeter aufs Nachbargrundstück, sagt er.

Für mich hat der Baum vor allem einen emotionalen Wert.

Martin Werthmann

„Aber selbst dann müsste man doch darüber sprechen, wenn man einen Baum fällen will. Das geht doch nicht ohne den Nachbarn“, sagt er. Dazu bleibt die Frage, weshalb die Hainbuche sterben musste. „Nach Aussagen meiner Kollegen hatte der Baum im Herbst kein Laub mehr und viele trockene Äste“, erklärt Hartmut Römer, „die Fällung hatte seinen Grund, weil Totholz vorlag. Als Eigentümer sind wir verpflichtet, etwas zu tun, wenn Gefahr im Verzug ist.“

Landschaftsgärtner schaut sich den Baum an

Dass Gefahr im Verzug war, zweifelt Martin Werthmann fernab der Eigentumsfrage allerdings an. Er hat Anzeige bei der Polizei erstattet, um den Sachverhalt offiziell zu klären und so auch einen Abtransport des Baumes als Beweisstück verhindert. Dazu hat er einen Landschaftsgärtner hinzugezogen, der sich den Baum angeschaut hat. Dessen Urteil: kein Totholz, ein kerngesunder Baum, bis zum Dienstag vergangener Woche jedenfalls.

„Für mich hat der Baum vor allem einen emotionalen Wert“, sagt Martin Werthmann. Die Hainbuche des 55-Jährigen dürfte in etwa so alt wie er selbst gewesen sein. „Der Gutachter hat mir erklärt, dass die Hainbuche im allerbesten Alter war, noch gut 100 Jahre hätte leben können“, sagt Werthmann, „sie hatte einen gestalterischen Charakter für das Grundstück. Er hat den Wert des Baumes nach der Methode Koch für Baumgutachten so unter Berücksichtigung aller Faktoren auf etwa 15 000 Euro geschätzt.“

Martin Werthmann mit der gefällten Hainbuche auf dem Nachbargrundstück der WHS.

Werthmann hat einen kleinen Wächter auf den verbliebenen Baumstumpf gestellt. Ein trauriger Wächter – der Baum kommt nicht wieder. Was bleibt, ist die Enttäuschung über den Verlust und darüber, wie die WHS damit umgeht. „Es kränkt mich, dass man einfach so übergangen wird. Und jetzt wird um Zentimeter gestritten, ob es vielleicht doch ein Grenzbaum ist und man sich so vielleicht rausreden kann“, sagt Werthmann, „so kann man doch nicht mit seinen Nachbarn umgehen…“

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