Tierische Spürnase unterwegs

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Martin und Bianca Hebig mit dem zweijährigen Schäferhund Jerry. Der Rüde eignet sich aufgrund seiner Neugierde und seines Spieltriebes gut als Spürhund. Seine Ausbildung dauerte ein Jahr.

Schalksmühle - Wenn Jerry sein Arbeitsgeschirr angezogen bekommt, ist der zweijährige Schäferhund gleich ganz aufmerksam. Zückt sein Frauchen Bianca Hebig dann noch die Tüte mit den besonderen Proben, weiß Jerry Bescheid, was als Nächstes kommt. Denn Jerry ist ein Schimmelspürhund und erschnüffelt in Wohnräumen die gefährlichen Sporen.

Von Alisa Kannapin

Seit zwei Jahren setzen Martin und Bianca Hebig, Inhaber des gleichnamigen Baugeschäfts, ihren Hund als besondere Spürnase ein. „Ein besseres Messgerät gibt es nicht“, sagt Martin Hebig. Der 49-Jährige las in einer Fachzeitschrift davon, dass sich Hunde nicht nur dazu eignen, Drogen aufzuspüren, sondern auch Schimmelsporen. Mit ihren 220 Millionen Riechzellen sind sie in der Lage, Sporen im Gebälk oder hinter Wänden auch dann zu erschnüffeln, wenn mit dem bloßen Auge noch nichts zu erkennen ist.

Als Jerry vier Monate alt war, ließen ihn Hebigs von einem speziellen Trainer ausbilden. Dass sich ihr Tier als Spürhund eignet, ließ das Ehepaar im Vorfeld durch einen Test feststellen. „Der Hund muss einen großen Spieltrieb haben und lernfähig sein. Für das Tier ist das Aufspüren des Schimmels wie ein Suchspiel, für das er im Anschluss eine Belohnung erhält“, erklärt Martin Hebig. Ein Jahr lang dauerte die Ausbildung, die rund 12 000 Euro kostete. Dann war Jerry fit für seine ersten Einsätze.

Heute wird der Schäferhund je nach Auftragslage mehrmals in der Woche eingesetzt. Hebigs achten aber darauf, dass Jerry nicht zu lange am Stück mit einer Suche beschäftigt ist. „Das ist sehr anstrengend für den Hund, weil er stark konzentriert arbeitet. Nach einem Einsatz ist Jerry immer total platt“, sagt Bianca Hebig, die zu Hause jeden Tag mit dem Rüden trainiert. So wurde ein Einsatz, bei dem ein komplettes Haus durchsucht werden sollte, auf zwei Untersuchungen aufgeteilt.

Jerrys Trefferquote liegt laut Martin Hebig bei 99,9 Prozent, und wenn er fündig wird, kratzt er nicht, sondern bellt und zeigt so punktgenau die Stelle an, an der sich der Schimmel befindet. „Früher haben wir oft auf gut Glück Wände aufgemacht, weil dahinter Schimmel vermutet wurde. Heute kann ich dank Jerry auf einen halben bis ganzen Meter genau eingrenzen, wo der Schimmelherd sitzt“, sagt Martin Hebig, der mit Jerry in ganz NRW und in Norddeutschland unterwegs ist.

Jerry ist vor allem dann nützlich, wenn nicht klar ist, wo der Schimmelbefall genau ist. Wie bei einem Fall vor einigen Wochen, bei dem ein Kind an gesundheitlichen Problemen litt, aber nicht klar war, woher sie kamen. Die Eltern vermuteten Schimmel im Kinderzimmer und zogen Martin Hebig zurate. Der Schalksmühler reiste mit Jerry an, der sofort an einer Rigipswand anschlug. „Von außen war nichts zu erkennen, doch als wir die Wand aufmachten, war sie von hinten komplett verschimmelt“, berichtet Hebig. Mit Messgeräten allein wäre das nicht herauszufinden gewesen.

In der Herbst-/Wintersaison beginnt für Jerry die heiße Phase. „Er wird gezielt von den Kunden gebucht, auch wenn viele noch überrascht sind, dass es solche Schimmelspürhunde wirklich gibt“, erzählt Hebig, für den sich die Ausbildung seines Schäferhundes bereits ausgezahlt hat. Wie lange Jerry Schimmelbefälle aufspüren kann, kann niemand sagen. „Hier kommt es auf seine Gesundheit an und ob es ihm weiterhin Spaß macht.“

Weitere Informationen gibt es unter Tel. 0 23 55 / 40 09 55.

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