Tierheim Dornbusch

Tauben brauchen Freunde: Tierheim auf der Suche nach Helfern

Tierheim Dornbusch, Yvonne Frings, Tauben
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Tierheim Dornbusch: Die Taubenfreunde um Yvonne Frings suchen dringend weitere Unterstützung.

Der Vogel des Jahres 2020 kommt meist unscheinbar daher in seinem durch und durch grauen Gefieder. Nur selten erstrahlt er in lupenreinem Weiß. In den Städten ist die Taube meist nicht gern gesehen und ihr Lebensraum, den sie als ausgewildertes Haustier dem Menschen zu verdanken hat, wird ihr genommen. In Schalksmühle finden sie Zuflucht.

Schalksmühle/Lüdenscheid – Die Taubenhilfe Lüdenscheid kümmert sich seit zehn Jahren um die Tiere. Nachdem zu Beginn der Initiative Gespräche mit der Stadtverwaltung Lüdenscheid in Bezug auf Nistplätze für die Vögel scheiterten, und die Verantwortliche im Rathaus laut Tierfreund Thomas Höllmann auch signalisierten, dass man Tauben nicht haben wolle und ihren Bestand kleinhalten möchte, wandte man sich an das Tierheim Dornbusch. Dort fand man einen Platz. Ansonsten waren die Engagierten auch dort auf sich gestellt.

Doch mittlerweile ergehe es dem Verein wie vielen anderen auch, bedauert Thomas Höllmann. „Die Hilfen werden immer weniger. Jetzt kümmern sich nur noch zwei bis drei Leute um die Tauben in der großen Voliere am Dornbusch.“ Nachdem auch das letzte Gründungsmitglied seinen Rückzug angekündigt hatte, nahm man unter anderem Kontakt zur Taubenhilfe NRW auf, wo man anfänglich den Willen zur Übernahme zeigte. „Der Verein hat sich nun aufgelöst.“

Der bauliche Zustand der Voliere ist schlecht.

Übrig geblieben ist nur noch Yvonne Frings. Die Bonnerin nimmt an mehreren Tagen in der Woche die Fahrt aus dem Rheinland auf sich und kümmert sich um die geschätzt 250 Tauben in Schalksmühle, die krank oder verletzt ankommen und dann auf Dauer bleiben. Zwar kann sie auf die Unterstützung von ein paar Helfern setzen, doch es bedarf noch weiterer engagierter Tierfreunde, die ein- bis zweimal pro Woche zum Füttern und Saubermachen vorbei kommen können.

Den Zustand der Voliere und auch teilweise der Tiere bezeichnet sie als schlecht. Es habe einige tote Tiere gegeben und die baulichen Mängel seien gravierend. Die Kapazitätsgrenzen seien erreicht, betont Thomas Höllmann. Yvonne Frings hat aus diesem Grund den Tierschutzverein Lüdenscheid und auch das Tierheim, das unter seiner Schirmherrschaft steht, um Hilfe gebeten. Gemeinsam rufen die Verantwortlichen nun auf, sich für die Tauben am Dornbusch einzusetzen. Trotz einiger Einträge auf der Internetseite des Tierheims und auf Facebook habe es bislang „null Resonanz“ gegeben, beklagt Thomas Höllmann, der dennoch weiter Menschen aus dem Umfeld ansprechen möchte.

Tierschutz fängt vor der eigenen Haustür an.

Thomas Höllmann Tierschutzverein Lüdenscheid

„Mit zwei bis drei Stunden pro Woche ist uns schon geholfen.“ Auch bauwerkliche Tatkraft bei der Sanierung der Voliere, finanzielle Hilfe und Sachspenden seien gerne gesehen. Interessierte können sich zunächst an das Tierheim Dornbusch unter Tel. 0 23 55/63 16 (Montag, Dienstag, Donnerstag, Freitag und Samstag von 9 bis 10 Uhr sowie täglich von 14 bis 17 Uhr) oder per E-Mail an info@tierheim-dornbusch.de wenden. Die Ansprechpartner dort vermitteln dann den weiteren Kontakt zu Yvonne Frings. „Wir hoffen, so die Taubenhilfe weiter aufrecht halten und auch ausbauen zu können“, sagt Thomas Höllmann. Oft hätten die Menschen laut Yvonne Frings viele Vorurteilen gegenüber Tauben, doch das Engagement für die Tiere lohne sich auf jeden Fall. „Tauben sind so unfassbar gutmütige Tiere. Man tut ihnen Unrecht.“

Geschätzt 250 Tauben wohnen am Dornbusch.

Oft werde das Grau der Stadttauben, von denen es in der Voliere am Dornbusch neben Hochzeits-, Zier- und Zuchttauben am meisten gibt, gleichgesetzt mit den tristen Farben einer Stadt. „Tauben übertragen auch keine Krankheiten, das sitzt in den Köpfen der Menschen, sie haben ein völlig falsches Bild von ihnen.“ Der verhasste schwarz-weiße Taubendreck etwa sei Hungerkot, der auf eine Mangelernährung zurück zu führen sei. Bei ausreichendem und gesundem Futter würden Tauben kleine dunkle Häufchen hinterlassen. Auch das Vorurteil, dass sie sich bei Futterüberschuss stärker vermehren würden, sei schlichtweg falsch. „Die Tiere brüten das ganze Jahr über.“

Aus ihrer Erfahrung, – Yvonne Frings kümmert sich auch in Bonn um Tauben und hat selbst zuhause 23 Tiere aufgepäppelt – , weiß sie, dass die Probleme in den Städten nur verschoben werden. „Liebe zu den Tauben ist nicht immer vorhanden“, sagt auch Thomas Höllmann. „Stadttauben werden bei uns wie Straßenhunde behandelt.“ Dabei sei der richtige Umgang mit ihnen einfach. Durch das Aufstellen von Volieren und den Zugriff auf die Eier könne man etwa den Bestand kontrollieren. Sein Appell: „Tierschutz fängt vor der eigenen Haustür an.“

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