Tierheim Dornbusch fordert mehr Geld von Kommunen

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Augen zu und durch: Der Bestand der Katzen ist durch Abgaben von 100 auf 75 Katzen reduziert worden – maximal 60 sollen künftig in der Einrichtung Leben. Hier die Leiterin des Tierheimes Dornbusch Anna-Lena Pieper im Katzenhaus. ▪

SCHALKSMÜHLE ▪ Die Zahl der abgegebenen Tiere und die Ausgaben steigen, die Einnahmen sinken: Nun zieht das Tierheim Dornbusch Konsequenzen und nimmt keine Abgabetiere mehr auf. Außerdem drohten die Tierschützer am Mittwoch damit, die Verträge mit Lüdenscheid und Schalksmühle zu kündigen und keine Fundtiere mehr aufzunehmen, falls die Kommunen nicht mehr Geld bezahlen.

„Wir müssen zu drastisch Mitteln greifen, um das Tierheim zu retten“, sagte Manfred Hardy. Der Vorsitzende des Tierschutzvereins Lüdenscheid und Umgebung – der die Einrichtung Dornbusch betreibt – erklärte, dass in diesem Jahr Spenden von mehr als 40 000 Euro fehlen. „Dieser erschreckende Rückgang kann vom Tierschutzverein Lüdenscheid nicht aufgefangen werden und das Tierheim ist unter diesen Bedingungen nicht mehr kostendeckend zu führen.“

Aufgelaufene Rechnungen insbesondere für Heizöl, Gas und Strom sowie tierärztliche Versorgung könnten nicht mehr beglichen werden.

Diverse Maßnahmen zur Kostendämpfung seinen in den vergangenen Monaten bereits umgesetzt worden, meinte Hardy und verwies auf eine neue Heizungsanlage und die Stilllegung des Kleintierhauses. „Da fallen jetzt keine Kosten mehr an.“

Die finanzielle Lage habe den Vorstand zu einer „befristeten Teilschließung“ gezwungen. Das Tierheim nimmt keine Abgabetiere mehr auf. Zudem wird im Bereich der Katzenversorgung die Aufnahmekapazität auf 60 Tiere begrenzt. Noch vor wenigen Wochen seien mehr als 100 Katzen betreut worden. Aktuell sind es noch 75 Vierbeiner – dazu kommen 25 Hunde, diese Zahl soll auf 20 reduziert werden. Außerdem sind Kleintiere wie Chinchillas und Vögel untergebracht. Auch hier soll die Zahl minimiert werden. Dadurch soll in den Bereichen Heiz-, Futter-, und Tierarztkosten eingespart werden.

Neben dem Sparen setzt der Verein auf höhere Einnahmen. Einerseits hofft Manfred Hardy auf Spenden – andererseits fordert er mehr Geld von den Kommunen. Vor allem Lüdenscheid und Schalksmühle müssten mehr bezahlen. Hardy zitiert den deutschen Tierschutzbund, der die kostendeckende Betriebsführung eines Tierheimes einen Finanzbedarf von circa 0,75 bis 0,85 Euro je Einwohner einer Kommune errechnet hätte. Von der Stadt Lüdenscheid bekomme der der Verein umgerechnet 0,3125 Euro je Einwohner und Jahr. „Das ist eindeutig zu wenig“, sagte Hardy.

Zurzeit bekommt der Verein aus der Bergstadt 25 000 Euro pro Jahr überwiesen. Dies ist in einem Vertrag geregelt. Im Gegenzug ist der Tierschutzverein für die Aufnahme der Fundtiere verpflichtet. Ein ähnliches Abkommen gibt es mit Schalksmühler – die Volmegemeinde bezahlt derzeit rund 1000 Euro pro Jahr für die Unterbringung der Tiere.

Hardy fordert nun eine drastische Erhöhung der Mittel. Aus Lüdenscheid erwartet er „mindestens 50, eher 60 000 Euro“ und aus Schalksmühle „mindestens 5000, eher 9000 Euro“. Diese Zahlen leitet er aus der Empfehlung des Tierschutzbundes zurück.

„Der Betrieb eines Tierheimes ist Aufgabe der Kommunen, daher sollten sie auch für die laufenden Kosten aufkommen und die Spenden sollten eigentlich für die Verbesserung der Infrastruktur, Unterhalt der Gebäude et cetera verwendet werden“, sagte Manfred Hardy. Falls die Kommunen nicht bereit seien, werde der Tierschutzverein die Verträge mit den Kommunen kündigen. Das sei zum Ende des kommenden Jahres möglich. Das Tierheim werde dann allerdings nicht geschlossen, sondern stelle sein Programm um. Hardy: „Dann werden wir Pensionstiere aufnehmen, Abgabetiere gegen Gebühr und eine Art Gnadenhof werden.“

Den Vorstoß Manfred Hardys kommentierte Wolfgang Padur, Fachdienstleiter Bürgeramt in Lüdenscheid, mit den Worten: „Es gibt auch andere Tierschutzvereine oder private Dienstleister, die die Fundtiere aufnehmen könnten. Falls der Vertrag gekündigt wird, werden wir in verschiedene Richtungen verhandeln.“ Padur erfuhr ebenso wie Anja Wolf von der Gemeinde Schalksmühle durch unsere Zeitung von den Forderungen des Tierschutzvereines. Wolf: „In Schalksmühle gibt es nur wenig Fundtiere und werden jetzt die Forderungen abwarten.“ ▪ Matthias Clever

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