Tiere öffnen die Türen zu den Herzen

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Die Kinder lieben die Tiere. Die tiergestützte Pädagogik in Albringwerde soll den Kindern des SOS-Kinderdorfs helfen.

SCHALKSMÜHLE ▪ Ein Tier kann manchmal mehr erreichen als der beste Pädagoge: Unvoreingenommen gehen sie auf Kinder zu, ihnen ist es egal, ob das Kind ein Klassenkasper ist, kontaktscheu oder ängstlich – die von schrecklichen Erfahrungen verschlossenen Kinderherzen werden geöffnet – oft schon nach wenigen Minuten.

Und genau das ist das Ziel der tiergestützten Pädagogik. Aus diesem Grund wurde auf dem Bauernhof der Familie Fischer in Albringwerde vom SOS-Kinderdorf Sauerland ein Gehege für Kleintiere errichtet und am Dienstagnachmittag eingeweiht.

Alle waren sie gekommen, Nachbarn, Freunde, Pädagogen anderer Einrichtungen und natürlich die Kinder, auch der Regen konnte sie nicht davon abhalten. Schließlich war das ein ganz besonderer Tag. Lange mussten sie warten, bis das Gehege fertig war und die ersten Tiere einziehen konnten.

Das Angebot der tiergestützten Pädagogik, wird durch Doris Theimann und Svea List, zwei Erzieherinnen mit langjähriger Berufserfahrung und nach ISAAT zertifizierter Zusatzausbildung am Institut für soziales Lernen mit Tieren, durchgeführt. Die tiergestützte Pädagogik beschreibe einen von Tieren begleiteten pädagogischen Erziehungs- und Förderansatz. Durch gezielte Mensch-Tier-Interaktionen könnten sozial-emotionale Kompetenzen, Motorik, Wahrnehmung sowie Kommunikation geschult werden. Die Tiere würden den jungen Menschen die Möglichkeit geben, unterschiedliche Erfahrungen zu machen. Sie würden helfen, Selbstvertrauen aufzubauen, förderten selbständiges Lernen und unterstützten beim Anbahnen und Halten von Beziehungen. „Sie sind authentisch und wertfrei und schaffen mit ihren arteigenen Verhaltensweisen eine Atmosphäre, in der Vertrauen wachsen kann. Andererseits setzen sie durch ihre eindeutigen Signale klare Grenzen“, erklärte Svea List den Gästen.

Unter den Besuchern waren auch etliche Experten. Denn anlässlich einer Fachtagung für Jugendämter im SOS-Kinderdorf nutzten viele die Gelegenheit, um diese neue Methode der pädagogischen Arbeit kennenzulernen.

Doch nicht nur die Kinder haben viel Leid erfahren, auch die Tiere. Egal ob Meerschweinchen, Kaninchen oder Huhn – alle haben ihre Geschichte. „Die Tiere kommen aus dem Tierschutz, sie haben alle ihre eigene Biographie und mit der können wir an die Lebensgeschichten der Kinder anknüpfen.“

Dabei widmen sich die Pädagoginnen den Kindern und Jugendlichen im Einzelkontakt. Wichtigste Regel sei dabei der Respekt. Kein Tier dürfe festgehalten oder hochgehoben werden. So entstehe eine ganz natürliche Beziehung zwischen Kind und Tier. „Ein Tier zu streicheln, das freiwillig kommt, stärkt das Selbstwertgefühl, baut Ängste ab und reduziert den Stresspegel“, erklärte List. Bei der Versorgung der Tiere, übernehmen die Kinder ab sofort Verantwortung. Die Sorge um das Tier aktiviere auch die Sorge um sich selbst.

Aber Tiere könnten noch mehr. „Oft übernehmen sie eine Art Brückenfunktion, so dass über den Kontakt zu ihnen der Kontakt zu den Pädagogen erleichtert wird. Die elementare Verbundenheit von Kindern und Tieren ist die Basis dieses pädagogischen Ansatzes“, erklären die Experten. „Tiere kommunizieren ehrlich und situationsbezogen. Sie leben im Hier und Jetzt und urteilen nicht“, heißt es weiter. Gerade Kinder mit einem geringen Selbstwertgefühl würden sich angenommen fühlen und entwickelten eine Beziehung zu ihnen. Im bestmöglichen Fall lasse sich dieses Vertrauensverhältnis bei der tiergestützten Intervention auf die Beziehung zwischen Kind und Pädagogen übertragen.

Für die Zukunft ist geplant, die tiergestützte Arbeit auch Kindern zugänglich zu machen, die in ihren Familien leben und von Mitarbeitern des ambulanten Bereiches des SOS-Kinderdorfs betreut werden. Darüber hinaus ist es auch vorstellbar, dieses Angebot für andere Institutionen zu erweitern.

Finanziell möglich wurde das ganze durch den „Red Nose Day“. Dadurch wurde das Musical Starlight Express in Bochum als Spender gewonnen. Starlight Express sammelte in der Zeit vom September 2011 bis Januar 2012 im Rahmen ihrer Shows Spenden, mit denen das Projekt nun realisiert werden konnte. ▪ lm

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