Tiefgründige Druckgrafiken im Rathaus

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Künstlerin Jana Eilhardt zeigt im Rathaus ihre Werke. ▪

SCHALKSMÜHLE ▪ Eines der Hauptthemen der Halveraner Künstlerin Jana Eilhardt ist die Druckgrafik. Unter diesem Titel ist derzeit eine Ausstellung Eilhardts im Schalksmühler Rathaus zu sehen, die am Donnerstagabend unter großem Publikumszuspruch eröffnet wurde.

Obwohl der Querschnitt ihres künstlerischen Schaffens deutlich breiter gefächert ist und die Druckgrafik in der Ausstellung sogar zugunsten anderer Techniken in den Hintergrund tritt, erläuterte die Künstlerin den Besuchern gern das Verfahren: „Zunächst schneide ich das Motiv in Linol-, Hartfaser oder Holzplatten“, erklärt Jana Eilhardt. „Im Anschluss werden die Platten mit Farbe eingerollt und auf die Leinwand gepresst.“

Ihre Themen holt sich die 1969 in Dessau geborene Künstlerin, deren Werke unter anderem bereits in den Räumen der Firma Schriever zu sehen waren, meist in der Tagespresse. So fällt dem Ausstellungsbesucher zum Beispiel das großformatige, in Holzschnitt- und Stempeltechnik hergestellte Bild „Gezeiten“ auf, das den chinesischen Regierungschef Wen Jiabao und seinen spektakulären Auftritt auf dem Weltwirtschaftsforum in Davos in den Mittelpunkt stellt. Das Konterfei des Politikers leuchtet grell orange und ist umgeben und übersäht von einem Meer aus Geldscheinen.

Ebenfalls in orange zeigt sich der Abdruck eines Maleranzuges, den die Künstlerin in Erinnerung an jene Menschen, die die Aufräumarbeiten im außer Kontrolle geratenen Atomkraftwerk in Fukushima durchführten, unter die Druckpresse legte. Ähnliche Tiefe und Aussagekraft haben auch die meisten anderen Werke Eilhardts, wobei die Druckgrafik längst nicht die einzige Technik ist, die die Halveranerin anwendet.

Erfrischend ist dabei jedoch stets der funkensprühende Ideenreichtum, mit dem sie zu Werke geht – trotz verblüffender Schlichtheit auf den ersten Blick entpuppen sich viele Einfälle bei näherer Betrachtung als erstaunlich tiefgründig und vielschichtig.

So erschließt sich dem Betrachter zum Beispiel bei dem Werk „Samenbank“ das gesamte Spektrum der modernen Gentechnik: Samenbänder, die zur leichteren Bepflanzung von Feldern in den Boden eingelegt werden, ordnete die Künstlerin symmetrisch untereinander an und schloss sie in einen massiven, bleiummantelten Rahmen ein. So muten die in Stoffbahnen eingeschlossenen Samen in ihrer Gesamtheit wie ein genetischer Code an, dessen Komplexität durch den massiven Bleirand gebändigt wird. Auch ihrem eigenen Chromosomensatz setzte Jana Eilhardt, die hauptberuflich als Grafikdesignerin arbeitet, ein Denkmal und inszenierte ihn mit Blattgold.

Die Manipulierbarkeit eines jeden Individuums ist dagegen das Thema eines Werkes ohne Worte, bei dem der Betrachter zum „Strippenzieher“ wird, indem er mit dem Zug an einer Leine unzählige miteinander verzahnte „Holzhampelmännchen“ in gleichförmige Bewegung versetzt.

Für die musikalische Begleitung der Vernissage, bei der auch die stellvertretende Bürgermeisterin Heide Bachmann ein Grußwort sprach, sorgten einmal mehr zwei talentierte Nachwuchs-Pianisten der Musikschule Volmetal.

Einleitend spielte Dustin Greve ein Werk von Mozart, im Anschluss gab Daniel Tancev das „Präludium und Fuge Nr. 16“ von Johann Sebastian Bach sowie den 3. Satz der „Pathétique“ von Beethoven zum Besten. Die Leistungen der beiden Musiker wurden mit begeistertem Applaus bedacht.

Die Ausstellung kann noch bis einschließlich 15. Mai im oberen Foyer des Rathauses innerhalb der bekannten Öffnungszeiten besichtigt werden. ▪ bot

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