Theaterwerkstatt überzeugt mit Kultstück „Der Vorname“

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Sven Schneider (M.) spielte Vincent Larchet, der den Streit um den vermeintlichen Vornamen Adolphe für sein ungeborenes Kind vom Zaun bricht (hier mit Simone Thewes als seine Schwester Elisabeth Garaud-Larchet und Uwe Baumann als Literaturprofessor Pierre Garaud).

Schalksmühle - Ein ganz gewöhnlicher Abend, liebe Gäste, gutes Essen und anregende Gespräche? Von wegen!

Kaum fällt der Name Adolphe – wer, wenn nicht ein Provokateur, fasst diesen Namen für sein ungeborenes Kind ins Auge – ist im Hause Garaud die Hölle los. Ein Wort kommt zum anderen, bis sich am Ende der Ehemann mit dem Schwager, der Schwager mit dem besten Freund fetzt.

„Der Vorname“, mit dem die Theaterwerkstatt Schalksmühle am Samstagabend im Pädagogischen Zentrum Löh den Stein ins Rollen brachte, spielt beim Wortgemetzel unter Freunden schon bald keine Rolle mehr. Mit dem Kultstück aus der Feder von Matthieu Delaporte und Alexandre de la Patellière, bei dem gepflegte Konversation unter gebildeten Menschen aberwitzig aus dem Ruder läuft, landete die Theaterwerkstatt unter Regie von Ingrid Kämper einen Volltreffer. Geistreiche, amüsante Unterhaltung voller Wortwitz und Situationskomik erlebten die begeisterten Zuschauer bei der Premiere des typisch französischen Stücks.

Nachdem alles gesagt war, was schon lange unausgesprochen auf der Seele lag, war nichts mehr so, wie es vorher war. Allerdings glätteten sich im Nachspann – klein „Adolphe“ entpuppte sich als Francoise – tröstlich die Wogen. Als Erzähler machte Hendrik vom Heede das Publikum im gut gefüllten Saal mit den Personen und ihrer Lebenssituation bekannt. Die Zeit stand still, wenn er sich charmant und galant ins laufende Spiel einmischte, um Konstellationen und Beziehungsgeflechte ins rechte Licht zu rücken.

Als belesene, gut situierte Familie wies das geschmackvolle Bühnenbild die Gastgeber eines marokkanischen Abendessens, den geizigen Literaturprofessor Pierre Garaud alias Uwe Baumann und seine von Simone Thewes gespielte Gattin Elisabeth, aus. Zwei Kinder, Beruf als Französischlehrerin und Haushaltspflichten hielten die treu sorgende Gattin – liebevoll Babu genannt – auf Trab. „Irgendwie immer nicht“, nicht aufbrausend und nicht verträumt, war Posaunist Claude Gatignol, den alle für schwul hielten, beider Freund.

Seinem Ruf als Freibeuter des 21. Jahrhunderts machte Vincent Larchet, herrlich lässig und angriffslustig von Sven Schneider verkörpert, alle Ehre, als er mit dem Vornamen Adolphe – wohlgemerkt mit „phe“ am Ende – einen Streit vom Zaun brach. Allseitiges Entsetzen löste sein vermeintliches Ansinnen, seinem ungeborenen Kind diesen unseligen Namen zu geben, aus. Die Stimmung war auf einem Tiefpunkt, als die werdende Mutter Anna Caravati (Claudia Baumann) eintraf und ungewollt ins nächstbeste Fettnäpfchen trat. Alle Register gepflegter und handfester Streitkultur zog das Ensemble in maßgeschneiderten Rollen, um sich unliebsame Wahrheiten um die Ohren zu knallen. Trefflich stellten die Akteure die Stärken und Schwächen ihrer Figuren heraus. Claudes Beichte, schon Jahre mit Vincent und Babus Mutter Francois liiert zu sein, schlug letztlich dem Fass den Boden aus.

Monika Salzmann

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