Gefangen im Schachspiel

Theaterwerkstatt Schalksmühle begeistert Publikum mit „Schachnovelle“

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Neben den Liegestühlen befindet sich das Zentrum des Geschehens: Der immer wieder neu umringte Schachtisch als Schauplatz der Partien des Dr. Bertram (rechts) gegen den schnöseligen Weltmeister Mirko Czentovic (links).

Schalksmühle - Ein bärenstarkes Bühnenstück machte die Theaterwerkstatt Schalksmühle aus Stefan Zweigs berühmter „Schachnovelle“. 

Das Premierenpublikum feierte am Samstagabend im Forum der Grundschule Spormecke die Schauspieler, das Technik- und Textsicherungsteam sowie Regisseur Reinhard Meyer – im Hauptberuf Bühnentechniker im Kulturhaus Lüdenscheid. Er hatte den endgültigen Text auf der Grundlage einer Bearbeitung von Zweigs Erzähltext durch den Schriftsteller Helmut Peschina erstellt.

Das Premierenpublikum verfolgte gespannt die Aufführung der „Schachnovelle“ in der Grundschule Spormecke.

Ein Ozeandampfer ist auf dem Weg von New York nach Buenos Aires. An Bord befindet sich eine illustre Gesellschaft rund um den Ölmillionär McConnor (Uwe Baumann). Als er erfährt, dass der Schachweltmeister Mirko Czentovic (Michael Lynker) zu den Mitreisenden gehört, fordert er ihn zu einigen Schachpartien heraus und verliert zunächst. Erst als sich ein geheimnisvoller Passagier in die gemeinschaftlich gegen den Großmeister geführten Partien einmischt, wendet sich das Blatt. 

Gefangener der Gestapo 

Seine erstaunlichen Fähigkeiten zu blitzschneller Analyse der Stellungen von Schachpartien hat er als Gefangener der Gestapo erworben. Sein Wissen um Vermögenstransfers des österreichischen Adels und Klerus vor dem Einmarsch der Nazis hatte ihn interessant gemacht für die Besatzer. 

Seinem Status „verdankte“ er die Einzelhaft in einem Hotelzimmer. „Nichts zu hören, nichts zu sehen, nichts zu tun“ und mit seiner Wärterin (Felicitas von Biedersee) nicht sprechen zu können, machte ihn zunehmend wahnsinnig: „Ich merkte, wie unter diesem unerträglichen Zustand meine Nerven zu reißen begannen“, klagt Sven Schneider in der Rolle des Dr. Bertram. 

Kurzfilm zeigt Schach-Wahnsinn

Den Schach-Wahnsinn, der ihn während der Haft befällt, zeigt ein eingeblendeter Kurzfilm, der einen Albtraum des Dr. Bertram visualisiert: Ein verzweifelter Gefangener, der gegen sich selber in einer Welt weißer und schwarzer Quadrate spielt. 

Eine Drehbühne, die Reinhard Meyer selbst gebaut hatte, ermöglicht bruchlose Wechsel zwischen der Vergangenheit des Dr. Bertram als Gefangener und der heiteren Welt des Ozeandampfers. In dieser erzählt Dr. Bertram der Frau von Hohenstein (Michaela Half-Dicke) seine Geschichte, bevor er dem Schachspiel abschwört: Er muss einen Schlussstrich unter eine schlimme Vergangenheit ziehen. 

Die Theaterwerkstatt zeigt die „Schachnovelle“ in der Grundschule Spormecke noch drei Mal – am 17., 18. und 19. November jeweils ab 18 Uhr.

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