Den Tauben geht’s an die Eier

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Geburtenkontrolle durch den Tausch der Eier gegen Gipsattrapen (links das unechte Ei).

HEEDFELD - Als „Ratten der Lüfte“ verschrien, werden Stadttauben mit Stacheln, Drahtgeflechten und Co. vergrämt. Oft verletzen sich die Tiere dadurch schwer. Aufgepäppelt werden sie von der Stadttaubenhilfe Lüdenscheid in einer großen Freiflugvoliere am Tierheim Dornbusch. Dort erfolgt auch eine Geburtenkontrolle.

Dazu wird das Gelege gegen Gipseier ausgetauscht. 

Eine brütende Hitze. Es riecht leicht säuerlich. Kleine Daunen fliegen durch den Schlag. Mit einem Spachtel schabt Dr. Gabriele Schuchardt Taubenkot von einem Nistkasten ab. Die weiß-schwarzen Stücke kippt die Vorsitzende der Stadttaubenhilfe Lüdenscheid in einen Eimer.

Unter den Boxen hat sich eine Taube aus Heu und Federn einen Platz für das Gelege gebaut. Schuchardt greift unter den Bauch des Vogels. Mit zwei Fingern fischt sie ein Ei aus dem Nest. Aus der Hosentasche zieht sie ein Gipsei und schiebt es der Taube unter.

„Damit betreiben wir eine tierschutzgerechte Geburtenkontrolle“, sagt Schuchardt, während sie das Naturei in den Eimer zum Kot legt. In dem Nistkasten fühlt sie an den Eiern. Wenn diese warm sind, werden sie gegen Gipsattrapen getauscht. Kalte werden einfach so weggenommen. „Die werden nicht bebrütet“, weiß Schuchardt.

Abschließend verteilt sie Körner, Kalk und frischen Salat in der Hütte. Die Geburtenkontrolle ist in den Augen der Taubenschützerinnen auch in Lüdenscheid möglich. Dazu müssten sie an geeigneten Standorten Schläge aufstellen und die Tauben anfüttern. Sobald die Vögel dort nisten, könnten die Tierschützer das Gelege tauschen und so die Population eindämmen. Dadurch können sie die Anzahl der Tiere im Stadtbild auf ein niedriges Maß reduzieren.

Spenden nötig

Die Initiative Stadttaubenhilfe Lüdenscheid e. V. sucht Unterstützer für die Aktion. Spenden können auf folgendes Konto überwiesen werden:

Inhaber: Initiative Stadttaubenhilfe Lüdenscheid e. V. Bei der Sparkasse Lüdenscheid Kontonummer 352781 Bankleitzahl 45850005

Die Stadttaubenhilfe ist berechtigt, für Spenden Zuwendungsbestätigungen auszustellen.

Schuchardt sagt, dass den Tauben eine hohe Vermehrungsrate angezüchtet worden sei, deshalb brüten sie auch im tiefsten Winter. „In Schnee und Eis müssen sie und ihre Jungen ohne Hilfe verhungern.“ Die nötige Unterstützung für das Projekt fehle aber in Lüdenscheid. Lediglich an der Christuskirche habe mal ein Schlag gestanden.

Die Taubenhilfe Lüdenscheid sieht das derzeitige Projekt in Dornbusch als reinen Tierschutz. Durch mehrere zentrale Punkte könnte die Taubenpopulation nach Meinung von Schuchardt leicht eingedämmt werden. Nach Schätzungen des Vereins leben rund 700 Tauben in Lüdenscheid. Die Stadt hingegen gibt diese Zahl mit etwa 200 an. Von etwa fünf Nachkommen pro Jahr und Taubenpaar spricht der Verein. Daher sei eine Lösung im Sinne des Tierschutzes nötig.

Schuchardt betont, dass es sich bei Tauben um verwilderte Haustiere und keinesfalls um Schädlinge handele. Vor dem Schlag ist ein lautes gurrendes Geräusch zu hören. Auf dem Dach der zweiten Hütte sitzen zahlreiche Tauben. Zwei Schläge stehen im Inneren einer großen Freiflugvoliere unterhalb des Tierheims Dornbusch. Rund 100 Tauben werden von der Stadttaubenhilfe versorgt.

Überwiegend handelt es sich dabei um Brieftauben, aber auch Rassetauben sind dazwischen. „Zum Beispiel von Hochzeitsfeiern, bei denen weiße Tauben fliegen gelassen werden. Nur die wenigsten finden den Weg zurück“, sagt Dr. Gabriele Schuchardt. Aufgrund einer anderen Schnabelform hätten diese Tiere eine geringere Überlebenschance in der Stadt als Brieftauben.

Aber nicht nur mangelnde Nahrung, sondern auch die Vergrämungsmaßnahmen schaden den entflogenen Brief- und Rassetauben und deren Nachkommen. Verletzte und kranke Tiere werden von den Mitgliedern des Vereins an Ort und Stelle versorgt. Auch Verschnürungen durch Verpackungsabfälle oder Kaugummireste werden, wenn möglich, vor Ort entfernt. Oft komme es aber vor, dass die Verletzungen so gravierend seien, dass die Tauben tierärztlich behandelt werden müssten.

„Leider können wir verletzten Tauben nicht immer helfen, da sich der Fang als äußerst schwierig gestaltet“, sagt Dr. Gabriele Schuchardt. Die zu fangenden Vögel werden mit geringen Mengen Taubenfutter angefüttert und mit einem Kescher gefangen. Schlimme Verletzungen werden von einer Fachärztin in Werl behandelt.

Die Kosten für die Behandlung sowie das Futter und den Unterhalt der Schläge bezahlt der Verein. Für eine Spende von nur fünf Euro monatlich können Interessierte eine Patenschaft für eine Taube übernehmen. „Die Paten können sich ein Tier aussuchen und erhalten eine Urkunde mit dem Foto“, erklärt Schuchardt. Außerdem seien Besuche möglich. Während die Mehrheit der Tauben dauerhaft in der Voliere lebt, sollen einige wieder freigelassen werden. Dazu ist eine kleinere Voliere innerhalb des Geländes errichtet worden. Nachdem die Verletzten beziehungsweise Kranken aufgepäppelt worden sind, sollen sie wieder raus – in die Freiheit. - Matthias Clever

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