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Tag des Flüchtlings: Flucht vor den Taliban

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Von: Sarah Lorencic

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Die Familie Mohammadi – im Bild beim Treffen im Westfälischen Hof – hat nach Monaten der Angst vor den Taliban in Schalksmühle eine zweite Heimat gefunden.
Die Familie Mohammadi – im Bild beim Treffen im Westfälischen Hof – hat nach Monaten der Angst vor den Taliban in Schalksmühle eine zweite Heimat gefunden. © Salzmann, Jakob

In der Lieth bewohnt die neunköpfige Familie zwei Wohnungen. Vater, Mutter und sieben Kinder sind froh, Afghanistan unter den Taliban entronnen und in Deutschland in Sicherheit zu sein.

Schalksmühle – Als einstige Ortskräfte der Bundeswehr lebten das Ehepaar Mohammadi und ihre Kinder in Afghanistan seit der Machtübernahme der Taliban in ständiger Angst. Seit dem 7. April lebt die Familie in Schalksmühle, lernt fleißig Deutsch und ist dabei, sich im Sauerland einzuleben. Probleme, sich in die fremde Kultur einzufinden, haben die Mohammadis, deren Muttersprache Dari ist, nicht. Mit Hilfe von Emina Halilovic von der Gemeinde Schalksmühle und Saber Dadai, der vor sieben Jahren aus dem Iran nach Deutschland floh und mittlerweile fließend Deutsch spricht, erzählt die Familie über ihr Leben in Afghanistan, Monate der Angst und den Neuanfang in Schalksmühle.

Vater hat für Soldaten gearbeiter

Dari ist mit dem Persischen, das Saber Dadai spricht, verwandt. Durch ihre älteste Tochter, die in Afghanistan als Englisch-Lehrerin gearbeitet hat, kommen die Mohammadis, die in der afghanischen Hauptstadt Kabul lebten, auch mit Englisch gut zurecht. Für die Bundeswehr arbeiteten beide Elternteile – die Mutter half in der Küche bei der Versorgung der Streitkräfte, der Vater war als Lkw-Fahrer für die Soldaten tätig.

Mit dem Abzug der deutschen Soldaten und der Machtübernahme der Taliban änderte sich die Sicherheitslage vor Ort radikal. Als Ortskräfte, die für die Armee gearbeitet hatten, lebten die Mohammadis seither in ständiger Angst und fürchteten um ihr Leben.

Keine Rechte für Frauen und Mädchen

Ähnlicher Gefahr sah sich die älteste Tochter als Englischlehrerin ausgesetzt. „Es war sehr gefährlich“, sagt sie. „Wir konnten nicht mehr normal leben. Wir konnten dort nicht bleiben.“ Frauen hätten nur noch in männlicher Begleitung aus dem Haus gehen dürfen. Ihre Rechte seien immer mehr eingeschränkt worden. „Mädchen dürfen nicht zur Schule und Frauen nicht zur Arbeit.“ Frauen müssten zu Hause bleiben. Lediglich bis zur 6. Klasse dürften Mädchen eine Schule besuchen – danach nicht mehr. „Die Taliban wollen keinen Fortschritt, keine Technologie.“ Mittlerweile müssen Frauen in Afghanistan sogar wieder ihr Gesicht verhüllen, am besten sogar die Burka tragen.

Nach dem Antrag auf Ausreise dauerte es vier Monate, bis die Familie eine Aufnahmezusage erhielt und nach Deutschland ausreisen durfte. Zunächst ging es mit dem Bus in die Grenzstadt Torcham an der Grenze zu Pakistan, dann von Islamabad aus mit dem Flugzeug nach Düsseldorf und weiter nach Schalksmühle. In der Lieth wohnt die ganze Familie zusammen.

In Schalksmühle fühlen sich die Mohammadis herzlich aufgenommen und haben keine Schwierigkeiten, sich in die fremde Kultur einzuleben. „Wir fühlen uns gut hier“, sagen sie. „Wir möchten hier bleiben.“ Die Kinder gehen zum Teil bereits in die Schule. Alle sind dabei, Deutsch zu lernen und alles dafür zu tun, einen Aufenthaltstitel zu erreichen. „Zuerst die Sprache, dann andere Pläne.“ Wunsch der Tochter ist es, später einmal in der IT-Branche zu arbeiten. Die Hilfe, die sie hier erfahren hat, möchte sie anderen zukommen lassen. „Die Menschen helfen sich hier gegenseitig“, sagt sie. „Ich möchte auch gern anderen Menschen helfen.“ Beim Netzwerk Flüchtlingshilfe im Westfälischen Hof sind die Mohammadis mittlerweile bekannte und gern gesehene Gesichter.

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