Lieferdienst ist hoher Aufwand

„Die Kosten fressen uns auf“ - die Tafel hat große Sorgen

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An der Hälverstraße möchte die Tafel zur Direktausgabe zurückkehren und testen, ob sich das Vorhaben realisieren lässt.

Schalksmühle/Halver - „Die Kosten fressen uns auf.“ Seit Monaten versorgt die Tafel Schalksmühle-Halver Bedürftige per Lieferdienst mit Lebensmitteln. Anders geht es wegen Corona nicht. Doch der Aufwand ist hoch, die Mitarbeiterzahl derzeit gering.

Aufgrund von Corona stellten Erika Ostmeyer und Astrid Lehmann, die 2004 die Tafel aus der Taufe hoben, die Direktausgabe an den Standorten in Schalksmühle und Halver Mitte März ein. An den bisherigen Ausgabetagen sind die Fahrer der Tafel seither wöchentlich unterwegs, um Menschen zu helfen und Lebensmittel vor dem Wegwerfen zu bewahren. 

Zeitlich und finanziell bedeutet dies für die Ehrenamtlichen einen immensen Mehraufwand. „Das ist einiges mehr an Diesel, den wir brauchen“, erklärt Astrid Lehmann, die selbst die Halver-Tour mitfährt. Hinzu kommen Kosten für Masken und Desinfektionsmittel, um Mitarbeiter und Empfänger vor Ansteckung zu schützen, und die laufenden Fixkosten. 

80 Familien werden beliefert

Mit beiden Fahrzeugen – dem „Glücksbringer“ und ihrem neuen Lieferwagen – sind die Ehrenamtlichen unterwegs, um in Schalksmühle 45 und in Halver 35 Familien mit Lebensmitteln zu versorgen. Allein in Schalksmühle kommen bei der Tour, die vom Strücken bis Heedfeld und Brügge reicht, etliche Kilometer zusammen. „Die Familien sind über ganz Schalksmühle verteilt“, sagt Astrid Lehmann.

Die Rücklagen sind entsprechend aufgebraucht. Auch zeitlich bringt der Lieferdienst für Sabine Kapfer und Ortwin Köhler, die mittwochs die Schalksmühle-Tour und freitags die Halver-Tour abfahren, einen deutlich größeren Zeitaufwand mit sich. In Halver sitzt Astrid Lehmann häufig selbst hinterm Lenkrad. 

Hoher Spritverkauf und hohe Kosten

Um den hohen Spritverbrauch und damit die Kosten zu reduzieren, überlegt die Tafel derzeit, zumindest in Schalksmühle die normale Ausgabe wiederaufzunehmen. „Hier an der Hälverstraße können wir die Ausgabe draußen machen“, erläutert Astrid Lehmann das Vorhaben. Angedacht ist, die Familien bei der nächsten Auslieferung darauf anzusprechen und die Ausgabe mit Terminvergabe, um Abstandsregeln beachten zu können, zu bewerkstelligen. „Die Kisten packen wir ja eh vor.“ 

In Halver sei dies aufgrund der Nähe der Räumlichkeiten zur Straße nicht möglich. Mit deutlich weniger Helfern als vor Corona halten Erika Ostmeyer und Astrid Lehmann die Arbeit der Tafel in Coronazeiten aufrecht. „In normalen Zeiten haben wir rund 20 Mitarbeiter“, erklärt Astrid Lehmann. In den vergangenen fünf Coronamonaten unterstützten noch sieben Mitarbeiter Mutter und Tochter nach Kräften. „Die Älteren setzen zurzeit aus.“ Aus diesem Grund ist es Astrid Lehmann ein Herzensanliegen, sich bei ihren Helfern für die geleistete Arbeit zu bedanken. „Die leisten im Moment Unheimliches.“ 

Ein kleines Team hält in Zeiten von Corona die Arbeit der Tafel aufrecht: Nora Kahlke, Astrid Lehmann mit Tochter Sandra, Sabine Kapfer, Erika Ostmeyer und Alexander Ritter (von links).

An die Anfänge der Tafel erinnern die vierfache Mutter derzeit vor allem die Kinder, die die Tafel-Fahrzeuge, sobald sie sie auf der Straße gesichtet haben, bei der Auslieferung freudestrahlend begrüßen. „Das ist ganz toll“, erzählt sie mit einem Lächeln. Eine Wunschbaum-Aktion in großem Stil wie in den vergangenen Jahren zum Ende eines Jahres wird es in diesem Jahr für die Jungen und Mädchen allerdings pandemiebedingt nicht geben. Angedacht ist, den Kindern bei der letzten Ausgabe vor Weihnachten eine Kleinigkeit zu schenken. „Das wird mit der letzten Ausgabe laufen über Gutscheine und kleine Geschenke.“ Eine große Feier ist nicht geplant.

Wer helfen möchte:

Die Tafel Schalksmühle/Halver ist auf Spenden angewiesen, um Menschen zu helfen, die in Coronazeiten mehr denn je auf Hilfe angewiesen sind. Durch die Anschaffung des neuen (gebrauchten) Fahrzeugs – wie blperichtet brannte der zwölf Jahre alte Mercedes Vito Mitte Mai bei der Abholung von Lebensmittel in Halver durch einen Kabelbrand völlig aus – und die Umsetzung des Notfall-Konzepts Lieferdienst mit deutlich höheren Kosten sind die Rücklagen aufgebraucht. Für Spenden hat die Tafel ein Spendenkonto bei der Sparkasse Lüdenscheid eingerichtet. Die Kontonummer lautet: DE04 4585 0005 0000 1856 78.

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