Improvisationstheater in der Primusschule

Springmäuse in Schalksmühle in Hochform

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Schalksmühle - Mal himmelhochjauchzend, mal herzzerreißend (komisch) und stets für eine Überraschung gut trieb das Springmaus Improvisationstheater seinen Zuschauern am Freitag im PZ der Primusschule die Lachtränen in die Augen.

In der Besetzung Vera Passy, Gilly Alfeo, Paul Hombach und Norbert Frieling stürzte sich das vierköpfige Ensemble entwaffnend schlagfertig, improvisationsfreudig und humorvoll ins „Jukebox Live“-Vergnügen. Aus dem Stegreif, blitzschnell und blitzgescheit entwickelten die Rheinländer aus Vorgaben des Publikums, das mit seinen Zurufen den Takt vorgab, die drolligsten, lustigsten Szenen. 

Passend zum Titel des Programms stand die (Jukebox)Musik im Mittelpunkt des temporeichen, überaus witzigen Gute-Laune-Abends. Vom deutschen Schlager bis zu Heavy Metal, von Country bis zum Weihnachtslied reichte die Palette der Musikstile, die sich die Zuschauer für die Jukebox wünschten. 

Inhaltlich galt es den Weltfrieden, den Brexit, Windenergie, die Dragons und Handballschiedsrichter, Schlaflosigkeit und einen Wasserrohrbruch einzubinden. In Country-Manier ließen sich die Darsteller, die durchweg gut bei Stimme waren und sogar als Opernsänger eine gute Figur machten, über haarsträubende Schiedsrichterentscheidungen aus, besangen den Weltfrieden mit antrainierter Kinderstimme und röhrten sich beim Heavy-Metal-Song die Seele aus dem Leib. Thema des gesungenen Donnergrollens: der Brexit. 

Hoch amüsant bauten die vier Gesangsakrobaten die geforderten Begriffe in ihre ad hoc Songtexte ein. Zwischendurch entwarfen sie aus Zurufen witzige Blitzlichter und Spielszenen. Die Lust an frappierenden Wortspielereien, mit denen sie das Publikum aufs Glatteis führen konnten, an Dialekten und heiterer Zuspitzung von Klischees war dabei nicht zu übersehen. Aus dem Wahlversprechen, bei dem jeder an Parteien und Politik dachte, machte das Quartett einen geheimnisvollen Walgesang. Die Steuererklärung legten die vier spielfreudigen Akteure dem Steuermann auf hoher See in den Mund. „Da brauch‘ ich wohl ‚ne Steuererklärung“, ließ sich der unwissende Kapitän über den Kurs aufklären. 

Schweißtreibend geriet die lustig inszenierte (Hörgeschädigten)Übersetzung eines „hochgeistigen“ Gesprächs über Helikoptereltern – Salto inklusive. Mal in Horror-, mal in Westernversion nahm ein Urlaub in Madrid ungeahnte Wendungen. Mimik, Tonfall und Gebärdensprache passten auf den Punkt. Wo immer es ging, bauten die vier Könner alles, was sie im Laufe des Abends über Schalksmühle erfuhren, in ihr rasantes, stets im Wandel begriffenes Spiel ein. 

Nach der Pause lieferte die Kennenlerngeschichte des gebürtigen Schalksmühlers Klaus und der aus Hagen stammenden Marianne – seit 50 Jahren miteinander verheiratet und humorvolle Mitspieler – das Gerüst für eine große zusammenhängende Geschichte. Hinreißend spielten die „Springmäuse“ jedes Detail der Lovestory, in der der VW Käfer eine wichtige Rolle spielte, in Musicalform nach. „Hagen, ich muss von dir fort, an einen gottverlassenen Ort“, jammerte da die Braut. Der Einfallsreichtum und die Wandlungsfähigkeit der Darsteller, die fulminant von einer Rolle in die nächste wechselten, war enorm. Klar, dass sie nicht ohne „Nachschlag“ von der Bühne kamen.

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