Sportplatz Bergstraße soll Zuflucht für Flüchtlinge bieten

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Im zweiten Teil des gut besuchten Info-Abends im Ratssaal stand Jörg Schönenberg den Besuchern Rede und Antwort. Nachfragen, ob die ehemalige Realschule nicht die bessere Alternative wäre, entgegneten der Bürgermeister und Oliver Emmerichs, Fachbereichsleiter Bauverwaltung, dass die Maßnahme auf dem Sportplatz Bergstraße, falls 16 Wohneinheiten errichtet würden, rund 700 000 Euro kosten würde. Ein Umbau der früheren Realschule hingegen wäre deutlich teurer, zumal würde diese weniger Platz bieten.

Schalksmühle - Der Sportplatz Bergstraße wird Standort für Unterkünfte für Flüchtlinge. Dies wurde am Freitag seitens der Gemeinde Schalksmühle beim gut besuchten Info-Abend im Rathaus bekanntgegeben.

Wie aus dem Vortrag von Ralf Bechtel, Fachbereichsleiter technisches Bauamt, hervorging, sollen auf dem Sportplatz bis zu 16 Wohneinheiten für jeweils sechs Personen entstehen. Wie Bechtel erläuterte, sollen als erster Schritt ab Ende Februar vier Gebäude errichtet werden, die dann ab Ende März bezugsfertig sein sollen. „Die weiteren zwölf Wohneinheiten werden bei Bedarf nach und nach folgen. Die Bebauung erfolgt bis circa zur Platzmitte.“

Jörg Schönenberg stellt aktuelle Situation dar

Aber der Reihe nach: Zu Beginn stellte Bürgermeister Jörg Schönenberg im Anschluss an seine Begrüßung die aktuelle Situation in Schalksmühle dar. So sei die Zahl der Flüchtlinge in der Volmegemeinde im Jahr 2015 von unter 100 auf rund 230 gestiegen. Eine weitere Steigerung für 2016 müsse erwartet werden.

„Die Unterbringung erfolgt derzeit dezentral im Objekt In der Lieth 4 sowie in 41 angemieteten Wohnungen.“ Die dezentrale Unterbringung erleichtere die Integration und solle so lange wie möglich beibehalten werden, erläuterte Schönenberg, der aber auch darauf hinwies, dass die Ressourcen an anmietbaren Wohnungen voraussichtlich im ersten Quartal ausgeschöpft sein werden.

Zu den bisher erfolgten Maßnahmen führte Schönenberg aus, dass mehrere Standorte in baurechtlicher Hinsicht überprüft wurden. „Neben teilweise ungeklärten Eigentumsfragen steht insbesondere der Zeitfaktor einer kurzfristigen Umsetzung entgegen.“ Ebenso seien vorhandene gemeindeeigene Bestandsgebäude, beispielsweise Realschulgebäude überprüft worden. „Hier ist eine Umsetzung aufgrund der umfangreichen Umbaumaßnahmen aus Zeit- und Kostengründen nicht wirtschaftlich darstellbar“, erklärte der Bürgermeister.

Ralf Bechtel erläutert rechtliche Details

Im Anschluss erläuterte Bauamtsleiter Ralf Bechtel in seinem Vortrag, dass es bei der Standortsuche zwei „Kriterien mit dem Ziel einer langfristig gleichmäßigen Verteilung im Gemeindegebiet abzuprüfen“ galt: zum einen die eigentumsrechtliche Flächen-Verfügbarkeit und zudem die baurechtliche Verfügbarkeit. Zu Letzterem führte Bechtel aus, dass auch die Änderungen im Bauplanungsrecht aufgrund des Asylverfahrens-Beschleunigungs-Gesetzes keinen Freibrief darstellen, an jeder beliebigen Stelle Unterkünfte errichten zu können.

„Von den zurzeit eigentumsrechtlich verfügbaren Flächen steht aufgrund der Einschränkungen durch das Bauplanungsrecht und vorhandener Infrastruktur-Qualität kurzfristig nur der Jahnsportplatz an der Bergstraße zur Verfügung“, so Bechtel. „Dieser Standort wurde im Vorfeld mit dem Amt für Bauaufsicht und Immissionsschutz, dem Planungsamt und dem Amt für Ordnungsrecht und Bevölkerungsschutz des Märkischen Kreises abgestimmt.“ Andere Alternativ-Standorte könnten erst mit zeitlicher Verzögerung, beispielsweise Änderung von Bebauungsplänen, entwickelt werden.

Jede Wohneinheit zehn mal fünf Meter groß

Für die Auswahl der Bauweise seien „marktübliche Angebote sowohl bezogen auf Verfügbarkeit, sozialverträglichem Zuschnitt, Flexibilität, Unterhaltungskosten und Gesamtwirtschaftlichkeit überprüft und bewertet“ worden, führte der Bauamtsleiter aus. „Die meisten positiven Punkte erreichte hier die Holzrahmenbauweise“, so Bechtel, der anschließend den Grundriss der Wohneinheiten im Detail erläuterte.

Bestehen werden die circa zehn mal fünf Meter großen Wohneinheiten demnach aus einem knapp 17 Quadratmeter großen Gemeinschaftsraum. Dieser ist mit Tischen, Stühlen und einer Standard-Küchenzeile ausgestattet. Von diesem Raum aus sind drei jeweils sieben Quadratmeter große Schlafräume für je zwei Personen erreichbar. Diese würden „je nach Erfordernis mit Doppel-, Einzel- oder Etagenbett und einem Schrank ausgestattet“, so Bechtel. Außerdem sei je Gebäude ein circa sieben Quadratmeter großes Bad mit Dusche, WC und Waschbecken vorgesehen.

Rauchmelder und Feuerlöscher

Darüber hinaus würden alle Räume eine feuerhemmende Auskleidung erhalten. „Die Schlafräume werden mit Rauchmelder und der Gemeinschaftsraum mit Feuerlöscher ausgestattet. Eine Fluchtmöglichkeit besteht von jedem Raum aus durch das Fenster ins Freie“, erklärte Ralf Bechtel, der zudem darauf hinwies, dass Details zur Beheizung, Warmwasserbereitung, Frischwasser- und Stromversorgung und der Entwässerung zurzeit fachplanerisch erarbeitet werden.

Auch das äußere Erscheinungsbild der Wohneinheiten erläuterte der Bauamtsleiter: „Das Gebäude erhält ein gedämmtes Satteldach. Aufgestellt werden die Gebäude auf Betonplatten als Fundament. Diese Wohneinheiten werden im Endausbauzustand in vier Blöcken zu viert längs aneinandergereiht.“ Wichtige Wegeverbindungen würden in Asphaltbauweise hergestellt und seien jederzeit rückbaubar, erklärte Bechtel zudem.

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