29 Aktive sind zwischen acht und 60 Jahre alt

Spielmannszug der Hülscheider Schützen attraktiv für Kinder und Jugendliche

+
Jürgen Marchio, Jannik Japes, Konrad Thomas Müller, Anton Hohage, Carina Japes und Prosperina Herrmann (von links).

Hülscheid - Die Tradition zu pflegen und gleichzeitig für den Nachwuchs attraktiv zu sein – das ist für viele Vereine eine Herausforderung. Dem Spielmannszug der Hülscheider Schützen ist es in den vergangenen Jahren gelungen, nicht nur neue Mitglieder für das gemeinsame Musizieren zu gewinnen, sondern vor allem Kinder und Jugendliche dafür zu begeistern.

„Ich finde es toll, den Takt anzugeben“, sagt Jannik Japes (9 Jahre). „Später möchte ich die große Trommel spielen.“ Noch ist die für ihn zu schwer, also übt er das Taktgeben noch mit dem Schellenring. 

Jannik ist ebenso wie seine Schwester Carina (10 Jahre), seit einem Dreivierteljahr beim Spielmannszug der Hülscheider Schützen. Carina spielt Flöte und beherrscht inzwischen vier Stücke, sagt sie.

„Am Anfang bekommen die Kinder Privatunterricht, bis sie das Instrument bis zu einem gewissen Fortschritt beherrschen“, sagt Jürgen Marchio, 1. Vorsitzender des Spielmannszugs. 

Später nehmen sie dann bei den regelmäßigen Proben am Montag – um 19 Uhr ist Anfängerprobe, um 20 Uhr die normale Probe – und an Auftritten teil. 

Die 29 aktiven Mitglieder des Spielmannszugs sind zwischen acht und 60 Jahre alt. Zehn davon, also ein Drittel der Aktiven, ist unter 21 Jahre alt. „Im Moment können wir eigentlich ganz zufrieden sein“, meint Marchio.

Picknick seit mehr als 50 Jahren

Die Jüngsten im Spielmannszug sind Konrad Thomas Müller (8 Jahre) und sein Zwillingsbruder Felix. „Es gab so ein Picknick, und da haben wir uns das angeguckt und fanden es toll“, sagt Konrad, der seit dem Sommer Trommel spielt, sein Bruder entschied sich für die Flöte. 

Das erwähnte Picknick veranstaltet der Spielmannszug schon seit mehr als 50 Jahren, sagt Marchio. Dabei neue Mitglieder zu gewinnen, sei ein willkommener Nebeneffekt

Der Spielmannszug der Hülscheider Schützen zieht durch die Gemeinde

„Erst in den letzten Jahren sind die Jüngeren dazugekommen“, sagt Karsten Kaufmann, Marchios Stellvertreter. Vor acht Jahren lag der Altersschnitt im Spielmannszug noch bei 40 Jahren. Viele Ältere hätten dann aus Altersgründen aufgehört. „2013 bis 2014 hatten wir eine Durststrecke, da waren wir nicht mehr spielfähig.“ Der Zug machte keine bezahlten Auftritte mehr. „Wir hatten gut zu kämpfen, sind dann aber nochmal durchgestartet.“ Über Freundschaften und familiäre Kontakte kamen neue Leute in den Spielmannszug.

„Das Gros kommt aus dem eigenen Verein“, sagt Jürgen Marchio, 1. Vorsitzender des Spielmannszugs. „Da sind die Eltern im Schützenverein und teilweise im Spielmannszug.“ 

So kam etwa der 19-jährige Anton Hohage zum Spielmannszug, weil sein Vater im Schützenverein war. „Ich war vorher in verschiedenen anderen Musikgruppen, aber es hat sich dort nicht ergeben, dass man weitermachen konnte“, sagt er. „Mir macht das Musikmachen einfach Spaß und man kommt mit den Leuten gut klar.“

Seit Winter 2014 ist er als Trommler im Zug dabei. Sinja Kubik (15 Jahre), die Flöte und Alt-Flöte spielt, musste sich lange gedulden, bevor sie mitmachen konnte. „Ich war von kleinauf – schon mit zwei Jahren – vom Spielmannszug begeistert“, sagt sie. „Ich bin da so hineingewachsen und habe mitgemacht, sobald ich konnte.“

Nur wenige kommen von außen

Während der Weg über Familie und Freunde die Regel ist, seien Neuzugänge von außerhalb selten, erklärt Marchio. Zu diesen Ausnahmefällen zählen Prosperina und Laura Herrmann (14 und 18 Jahre alt). „Die standen auf einmal montags hier vor der Tür und wollten mitmachen“, sagt Marchio.

„Ich bin durch einen Zeitungsartikel hierhin gekommen“, erzählt Prosperina. „Eine Bekannte war schon dabei und es hat mich dann auch interessiert.“ 

Seit Ende 2014 sind sie und ihre ältere Schwester beim Spielmannszug. Während Prosperina Flöte spielt, entschied sich Laura für die Trommel. Neue Stücke zu lernen und zu präsentieren, macht ihr Spaß, sagt Laura, die auch die amtierende Jungschützenkönigin und Jugendsprecherin des Spielmannszugs ist. „Es ist immer ein Nervenkitzel, wenn man ein neues Stück das erste Mal in der Öffentlichkeit spielt.“ 

Neben der Musik ist auch die Gemeinschaft sehr wichtig. „Ich bin dabei, weil es mir Spaß macht, mit so einer coolen Truppe, die so viele Generationen abdeckt, Musik zu machen und Veranstaltungen zu besuchen“, sagt Laura, „Man fühlt sich wie in einer großen Familie.“ Auch Pia Schimchen (12 Jahre), ebenfalls Flötistin, findet es schön, dass Alt und Jung gemeinsam Musik machen.

Viele Altersklassen sind eine Herausforderung

„Es ist wirklich jedes Alter vertreten, das ist schon so ein kleines Familienunternehmen“, sagt Marchio. „Es ist aber schon eine Herausforderung mit den vielen Altersklassen.“ Gerade bei den Jüngeren fehle es manchmal an Konzentration. Das Marschieren, insbesondere bei gleichzeitigem Musizieren, sei nicht einfach und müsse erst gelernt werden. Man versuche aber, jedem Alter gerecht zu werden. „Wir haben auch schon mal ein moderneres Stück dabei oder sogar eins mit Text zum Mitsingen“, sagt Pressewartin Nadine Walkhoff. Auch so werde zwischendurch mal zusammen gesungen.

Bei etwa 20 Auftritten im Jahr steht natürlich die Musik im Vordergrund, aber auch das Gemeinschaftliche ist wichtig, nicht nur im Anschluss an die Proben. „Wir versuchen, auch noch das ein oder andere nebenher zu machen“, sagt Marchio. So gab es beispielsweise eine Fahrt in eine Kletterhalle und die Teilnahme an der Jugendwanderung des Vereins. 

Neben den eigenen Veranstaltungen – Weihnachtsfeier, Schützenfest – ist der Spielmannszug auch bei anderen Festen in Schalksmühle präsent, etwa beim Kinderkarneval und beim Weihnachtsmarkt. 2019 steht außerdem noch etwas besonderes auf dem Programm: Man ist zu einem Jubiläumsschützenfest eines befreundeten Vereins auf Wangerooge eingeladen.

Das könnte Sie auch interessieren

Kommentare

Hinweise zum Kommentieren: Auf come-on.de können Sie Ihre Meinung zu einem Artikel äußern. Im Interesse aller Nutzer behält sich die Redaktion vor, Beiträge zu prüfen und gegebenenfalls abzulehnen. Halten Sie sich beim Kommentieren bitte an unsere Richtlinien: Bleiben Sie fair und sachlich - keine Beleidigungen, keine rassistischen, rufschädigenden und gegen die guten Sitten verstoßenden Beiträge. Kommentare, die gegen diese Regeln verstoßen, werden von der Redaktion kommentarlos gelöscht. Bitte halten Sie sich bei Ihren Beiträgen an das Thema des Artikels. Lesen Sie hier unsere kompletten Nutzungsbedingungen.


Bitte beachten Sie: Die Kommentarfunktion unter einem Artikel wird automatisch nach drei Tagen geschlossen.

Netiquette
Hinweis: Kommentieren Sie fair und sachlich! Rassistische, pornografische, menschenverachtende, beleidigende oder gegen die guten Sitten verstoßende Äußerungen sind verboten und werden gelöscht.

Kommentare