Soziale Kontakte brechen weg

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SPD-Bürgermeisterkandidat Michael Siol diskutierte unter anderem mit Hendrik Gräff, Florian Wilms und Pfarrerin Doris Korte (von links) über das Thema Pflege.

Schalksmühle - „Das Thema Pflege betrifft uns finanziell und emotional“, sagte Michael Siol, Bürgermeisterkandidat der SPD Schalksmühle, zum Auftakt des dritten Dorfgesprächs der Partei, das am Mittwochabend im Haus „Zum Nöckel“ auf große Resonanz stieß.

Auf das Podium hatte sich Siol einige Experten eingeladen. Hendrik Gräff nahm als Heimleiter des Seniorenhauses Muhle und als Leiter des Ambulanten Pflegedienstes „PuG“ an der Diskussion teil. Die theoretische Seite vertrat der angehende Pflegewissenschaftler Florian Wilms.

Während Pfarrerin Doris Korte von der Gemeinde Hülscheid-Heedfeld von der Arbeit des neuen Projektes Kümmerring berichtete, schilderte Peter Lösenbeck seine persönlichen Erfahrungen aus der häuslichen Pflege. Gudrun Schwarz vom Diakonischen Werk Bethanien informierte die Teilnehmer zudem über die Entstehung der Senioren-WG in der Bergstraße. Als letzten Gast stellte Michael Siol Steffen Mischnick vor, der im Herbst die Leitung des Seniorenparks Reeswinkel übernehmen wird.

Mischnick sagte, dass die Menschen immer später und in einem schlechteren Zustand ins Pflegeheim kommen würden. Doch den Einstieg in das Fachgespräch machte Peter Lösenbeck, der über mehrere Jahre seine demenzerkrankte Frau pflegte. Die größten Probleme seien das völlige Wegbrechen der sozialen Kontakte und die körperlichen und seelischen Strapazen gewesen.

Diese Sichtweise bestätigte auch Florian Wilms: „Es ist ja nicht nur so, dass sich die eigenen Freunde abwenden, sondern dass der Betroffene auch selbst keine Zeit mehr hat.“

Die Arbeit des Kümmerringes stellte Doris Korte vor. Die Initiative sei aus der Erkenntnis entstanden, dass der gegenseitige Austausch die Situation jedes Einzelnen enorm verbessern könne. „Es geht zum Beispiel darum, jemanden zu finden, der mal ein Bild aufhängen kann oder gesammelte Informationen über die Pflege weitergibt“, erklärte Doris Korte.

Ein ergänzendes Angebot sei die Pflegeberatung, die jedem rechtlich zusteht, der eine Pflegestufe beantragt hat. Allerdings, so Florian Wilms, sei die Nachfrage noch gering: „Viele Angehörige trauen sich einfach nicht, weil das Thema natürlich einen intimen Bereich betrifft.“

Mit der Senioren-WG stellte Gudrun Schwarz eine alternative Wohnform vor. „Die Bewohner mieten sich in eines der zehn Zimmer unserer Wohnung ein und gestalten ihre Umgebung auch selbst. Wir versuchen, das Leben mit allen seinen Höhen und Tiefen zu teilen.“ Drei Jahre habe es gedauert, um alle Hürden zu überwinden und die Wohngemeinschaft zu gründen.

Hendrik Gräff ergänzte, dass sich auch die stationären Angebote zwangsläufig verändern würden. Auch hier sei eine Entwicklung hin zu kleineren Wohnformen zu beobachten. Was die Finanzierung des Systems und der Fachkräftemangel angeht, sagte Gräff, dass der Gesellschaft die Pflege auch etwas wert sein müsse. „Wir sollten auch daran arbeiten, dass die Menschen, die in der Pflege tätig sind, wieder ein gutes Image bekommen.“

Von Jari Wieschmann

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