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„Sonntags im Sommer Forellen“: Gasthöfe in Dahlerbrück

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Von: Monika Salzmann

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Die Postkarte zeigt Haus Rafflenbeul in Dahlerbrück im Jahre 1910 Serie (links). Im Laufe der Jahre hat sich das einstige Restaurant „Kaiser Friedrich“ – heutzutage unter dem Namen „Verdi“ bekannt – nicht viel verändert (rechts). Einst besaß das Haus eine eigene Konditorei und Stallungen für 15 Pferde.
Die Postkarte zeigt Haus Rafflenbeul in Dahlerbrück im Jahre 1910. Einst besaß das Haus eine eigene Konditorei und Stallungen für 15 Pferde. © Archiv Heimat- und Geschichtsverein

In Dahlerbrück, das seit 1. Januar 1970 vollständig zu Schalksmühle gehört, gingen Ende des 19. Jahrhunderts eine wachsende Beliebtheit als Sommerfrische und Luftkurort sowie die Etablierung einer vielfältigen Gastronomie Hand in Hand. Die waldreiche Umgebung, mannigfaltige Wandermöglichkeiten und später die Nähe zur Glörtalsperre machten Dahlerbrück für Erholungssuchende zum beliebten Anziehungspunkt.

Schalksmühle – Einen „Schönen Aufenthalt für Sommerfrischler in reich bewaldetem Gebirge“ verspricht eine im Archiv des Vereins für Geschichte und Heimatpflege aufbewahrte Postkarte aus dem Jahr 1898, die das Hotel Hencke an der Glörstraße 1 zeigt. Am 21. Mai 1895 – wenige Jahre nach Gründung des Hauptvereins – schlossen sich hier naturbegeisterte Dahlerbrücker zum SGV Dahlerbrück zusammen. „Neben dem Hotelbetrieb wurden im Hotel auch bis zum Bau des Bahnhofs 1910 die Fahrkarten für die Eisenbahn verkauft“, weiß Hans Spenner, 2. Vorsitzender des Vereins für Geschichte und Heimatpflege, der sich für die Serie über die Schalksmühler Gastronomie im Vereinsarchiv auf die Suche nach Fotos und Wissenswertem begeben hat.

Mehr als 30 Jahre hatte im Gasthaus von August Hencke laut Kreisheimatbuch zudem die Dahlerbrücker Postagentur einschließlich „Telegraphen-Anstalt mit beschränktem Tagesdienst“ ihren Sitz. Nach dem Tod ihres Mannes führte August Henckes Ehefrau Emilie die Postagentur fort. Wie imposant das Gasthaus an der Brücke einst eingerichtet war, zeigt eine Feldpostkarte aus dem Jahr 1915. Neben einem großen Speisesaal gab es dort ein Wein- und Gesellschaftszimmer sowie eine Veranda mit Ausblick ins Grüne. Werbung für das Haus, das 30 Betten und eine „vorzügliche Küche“ besaß, machte unter anderem der SGV. „Sonntags im Sommer Forellen“, heißt es in einer Broschüre aus dem Jahr 1928. Später beherbergte das Gebäude unter anderem die Büroräume der Firma ARDA Arnold Reinecke. Heute ist dort eine Steuerberater-Kanzlei ansässig.

Der Gasthof zum Glörtal von Karl Krägeloh ist längst Geschichte. Unmittelbar neben dem Gasthof befand sich die Glörmühle, die im 16. Jahrhundert vom damaligen Landesherrn als Zwangsmühle konzessioniert worden war.
Der Gasthof zum Glörtal von Karl Krägeloh ist längst Geschichte. Unmittelbar neben dem Gasthof befand sich die Glörmühle, die im 16. Jahrhundert vom damaligen Landesherrn als Zwangsmühle konzessioniert worden war. © Privat

Längst Geschichte ist auch der einstige „Gasthof zum Glörtal“ von Karl Krägeloh, der in der Mühlenstraße seinen Sitz hatte. Unmittelbar neben dem Gasthof befand sich eine alte Kornmühle, die Glörmühle, die im 16. Jahrhundert als Zwangsmühle vom damaligen Landesherrn konzessioniert worden war. Heißt: Nur der Landesherr hatte das Recht, die Mühle zu betreiben. Die Bauern waren verpflichtet, dort ihr Getreide mahlen zu lassen. Friedrich der Große wandelte die Konzession in ein Erbpachtverhältnis um. Im Gasthof von Karl Krägeloh hatte später das Büro der Glörmühle, die 1965 ihren Betrieb einstellte, ihren Sitz. Mittlerweile befinden sich Wohnungen und Büros in dem Gebäude.

An der Ecke Glörstraße/In der Lieth, von wo das Foto vom einstigen Restaurant Kaiser Friedrich aufgenommen wurde, befindet sich heutzutage ein Parkplatz.
An der Ecke Glörstraße/In der Lieth, von wo das Foto vom einstigen Restaurant Kaiser Friedrich aufgenommen wurde, befindet sich heutzutage ein Parkplatz. © Archiv Heimat- und Geschichtsverein

Mit eigener Konditorei und Stallung für 15 Pferde machte das Restaurant „Kaiser Friedrich“ an der Glörstraße 4 für sich Werbung. Wie eine Werbeschrift anlässlich des Bezirksturnfests 1910 zeigt, hieß der damalige Besitzer August Rafflenbeul. Kleine und große Gesellschaftszimmer mit Piano, einen geräumigen Saal und einen großen, schattigem Garten besaß das Haus. Verschiedenster Biere, einer guten Küche und reiner Weine rühmte sich das Haus. Nach dem Ersten Weltkrieg wechselte die Gaststätte ihren Namen und nannte sich fortan „Haus Rafflenbeul“.

Im Laufe der Jahre hat sich das einstige Restaurant „Kaiser Friedrich“ – heutzutage unter dem Namen „Verdi“ bekannt – nicht viel verändert.
Im Laufe der Jahre hat sich das einstige Restaurant „Kaiser Friedrich“ – heutzutage unter dem Namen „Verdi“ bekannt – nicht viel verändert. © Jakob Salzmann

Die 1844 erbaute steinerne Bogenbrücke über die Volme, an der das Gasthaus lag, wurde 1954 abgerissen. Der Nachfolgebau wurde der damaligen Verkehrsbelastung angepasst. Inzwischen hat der Verkehr stark zugenommen. Das Gasthaus selbst hat sich in den langen Jahren seines Bestehens nicht viel verändert. Die Besitzer wechselten, die Küche änderte sich. Viele werden sich noch an das im Gebäude ansässige „Verdi“ und seine mediterrane Küche erinnern. „Unter gleichem Namen kann man nun die Räumlichkeiten für Feierlichkeiten mit Selbstversorgung anmieten“, weiß Hans Spenner.

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