Corona in den Firmen

„An die 100 Maßnahmen“ - So gehen Firmen mit Tests, Impfen und Homeoffice um

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Zum Teil geschulte Mitarbeiter, zum Teil Selbsttests: Die Firmen haben unterschiedliche Teststrategien (Symbolfoto).

Als weitere Maßnahme im Kampf gegen die Coronapandemie müssen Firmen seit dem 20. April ihren Mitarbeitern die Möglichkeit anbieten, sich regelmäßig testen zu lassen. Dieses Angebot hielten viele Schalksmühler Betriebe bereits vor der gesetzlichen Verpflichtung für ihre Angestellten bereit.

Schalksmühle – „Seit Anfang April stellen wir allen Beschäftigten Selbsttests zur Verfügung, und zwar sowohl denen, die vor Ort tätig sind, als auch denen, die im Homeoffice arbeiten“, bestätigt Kai Rotthaus, Pressesprecher der Firma Lumberg. Schon vor April konnten sich die Mitarbeiter bei Verdacht in einem Lüdenscheider Labor mittels PCR-Test auf das Virus testen lassen.

Angenommen werden die freiwilligen Selbsttests bei den 230 Beschäftigten gut, freut sich der Pressesprecher über die rege Teilnahme an dem Angebot. Positive Ergebnisse seien bisher zum Glück noch nicht dabei gewesen. Ein spezielles „Pandemieteam“ kümmert sich in der Firma um die Umsetzung der umfangreichen Coronamaßnahmen. „Das Team besteht aus der Geschäftsführung und Kolleginnen und Kollegen aus den Abteilungen Personal, Einkauf und Betriebsrat“, erklärt Kai Rotthaus.

Depressive Verstimmungen der Mitarbeiter

Eine der gefürchteten Nebenerscheinung der Pandemie sind depressive Verstimmungen, die nicht selten zur Arbeitsunfähigkeit führen. Davon ist in der Firma Lumberg bisher jedoch noch kein Arbeitnehmer betroffen. „Insbesondere ist in diesem Jahr die sonst übliche Grippewelle komplett ausgefallen. Ins Gewicht fallen allerdings Ausfallzeiten durch Quarantäne-Anordnungen der Gesundheitsämter.“

Bereits eine Woche vor Einführung des verpflichtenden Testangebots stand den Mitarbeitern der Albrecht Jung GmbH & Co. KG die kostenlose Testmöglichkeit zur Verfügung. „Das Angebot ist natürlich freiwillig, es wird aber gut angenommen“, sagt Sebastian Otto von der Personalabteilung. Wer sich wie oft einem Test unterzieht, wird aus datenschutzrechtlichen Gründen nicht nachgehalten. Zwei Tests sind wöchentlich für jeden einzelnen Mitarbeiter vorgesehen.

Ein Zertifikat, das Friseurbesuche oder Reisen ermöglicht, wird hierbei nicht ausgestellt. „Das kann nur von eingetragenen Teststellen ausgegeben werden“, erklärt Sebastian Otto. „Unsere Mitarbeiter erhalten Corona-Selbsttests, die nicht von geschultem Personal, sondern von jedem selbst angewendet werden.“ Kein Ergebnis ist bislang positiv ausgefallen.

Versetzter Schichtwechsel als eine Maßnahme

Neben dem Testangebot müssen auch weiterhin zahlreiche Maßnahmen zum Schutz vor dem Virus umgesetzt werden. „Wir haben an die 100 verschiedenste kleine und größere Maßnahmen“, verrät Otto. „Von Aufstellern mit Hygieneschutzmitteln bis hin zu versetzten Schichtwechseln, Ausweitung des mobilen Arbeitens und diverse andere Maßnahmen.“ Auch ein mögliches Impfangebot durch die Betriebsärzte wird bei der Firma Jung in Betracht gezogen.

Impfungen sollen auch den Mitarbeitern der Falkenroth Umformtechnik GmbH angeboten werden. „Wir stehen deshalb bereits mit dem Arbeitsmedizinischen Zentrum in Lüdenscheid (AMZ) in Kontakt“, erklärt Interims-Betriebsleiter Oliver Steinhoff. Derzeit laufe eine Umfrage bei der Belegschaft zu dem geplanten Impfangebot. Entschieden werden müsse dann, ob die Mitarbeiter sich im AMZ impfen lassen können oder ein Impftermin im Betrieb angeboten werden kann. 20 Prozent der Belegschaft haben ohnehin bereits eine Erstimpfung erhalten.

Am Anfang war es etwas schleppend.

Oliver Steinhoff, Interims-Betriebsleiter bei Falkenroth

Getestet wird bei Falkenroth auch. „Gut zwei Monate bevor die Regierung uns die Testpflicht verordnet hat, haben wir unseren Mitarbeitern bereits einen Test pro Woche angeboten“, unterstreicht Oliver Steinhoff die Wichtigkeit der Coronamaßnahmen für die Firma. „Am Anfang war es etwas schleppend. Mittlerweile ist aber eine hundertprozentige Akzeptanz vorhanden.“

Mitarbeiter zum Testen geschult

Damit alle Tests auch ein aussagefähiges Ergebnis erbringen, wurden zwölf Mitarbeiter in der richtigen Handhabung auf einem Lehrgang geschult. „Wir wollen sicherstellen, dass die Tests richtig angewendet werden. Deshalb führen die ausgebildeten Mitarbeiter sie auch durch.“ Unter den 115 Angestellten im Schalksmühler Betrieb sei bisher noch niemand mit einem positiven Ergebnis aufgefallen. Sollte dieser Fall doch einmal auftreten, würde sofort in einem Hagener Labor ein PCR-Test durchgeführt. „Um eine mögliche Infektionskette sofort zu unterbrechen, werden auch die entsprechenden Mitarbeiter, zu denen Kontakt bestand, gleich mitgetestet“, beschreibt der Betriebsleiter die festgelegte Vorgehensweise. Durch versetze Schichtbetriebe, feste Einteilungen der Mitarbeiter in Gruppen und geregelte Nutzung der Sozialräume bleibt der Kontakt untereinander beschränkt und jederzeit nachvollziehbar.

Flexible Arbeitszeiten, Homeoffice und das Schaffen von Freiräumen für die Belegschaft sind Maßnahmen, mit denen die Firmenleitung eine möglichst große Entschärfung der Belastung durch die Pandemie erreichen will. Das Konzept zahlt sich aus, ist Steinhoff sicher: „Wir haben einen sehr geringen Krankenstand. Dank dieser Angebote und den umgesetzten Hygienemaßnahmen liegt der Krankenstand in diesem Jahr bei rund drei Prozent.“

So ist die aktuelle Corona-Lage im MK.

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