Renate Peters lässt viele Junge alt aussehen

Ein Smartphone zum 91. Geburtstag

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Regelmäßig ist die 92-jährige Renate Peters bei Facebook unterwegs. „Das will ich nicht mehr missen.“

SCHALKSMÜHLE - Renate Peters lässt viele Junge alt aussehen. Der Cursor flitzt über den Bildschirm. Mit der Computer-Maus steuert Peters das kleine Dreieck und öffnet den Internetbrowser. Während sie die Adresse www.facebook.de eingibt und sich einloggt, sagt sie: „Seit zwölf Jahren bin ich jetzt im Internet unterwegs, dreieinhalb Jahre bin ich schon bei Facebook.“

Das Internet ist aus dem Leben der 92-jährigen Schalksmühlerin nicht mehr wegzudenken. Von Homebanking über Briefe schreiben, Zeitungsberichte einscannen bis hin zum Skypen und Chatten über Facebook nutzt Peters zahlreiche Angebote im weltweiten Netz. Vor allem Facebook ist für Renate Peters ein Phänomen. 

Seit inzwischen zehn Jahren gibt es das Soziale Netzwerk. Als webbasierte Version eines Jahrbuchs entwickelte der Harvard-Student Mark Zuckerberg mit Freunden das Netzwerk. Dieses ging am 4. Februar 2004 zunächst nur für Harvard-Studenten online. Doch die Facebook-Gemeinde wuchs schnell: 2006 gab Zuckerberg die Seite weltweit frei. 2012 ging das Unternehmen an die Börse. „Hier hat man schnellen und guten Kontakt zu den Menschen“, sagt Renate Peters, während sie durch ihr Online-Profil klickt. Sie erzählt von ihren Kindern und Enkeln, mit denen sie sich bei Facebook austauscht. Auch alte Bekannte habe sie dank des Netzwerkes wiedergefunden. 

„Zwar sind in meinem Alter kaum Leute hier, aber ein paar jüngere Bekannte finde ich dann doch.“ Renate Peters sitzt in ihrer Wohnung im Seniorenpark Reeswinkel. Die 92-Jährige ist die erste Bewohnerin, die im Internet und bei Facebook unterwegs ist. Etwas, was sich nach Ansicht des Inhabers des Seniorenparks, Andreas Mischnick, in den kommenden Jahren drastisch ändern wird. Die Nutzerzahlen geben ihm Recht. Nach Auskunft des Statistischen Bundesamtes hat das amerikanische Soziale Netzwerk 27 Millionen aktive deutsche Nutzer. Weltweit sind laut des aktuellen Börsenberichtes von Facebook mehr als 1,2 Milliarden Menschen aktiv in dem Netzwerk unterwegs. 747 Millionen tägliche Nutzer verzeichnet Facebook. 

Die Idee, sich einen Internetzugang zuzulegen, kam Renate Peters durch eine ARD-Sendung von Jürgen Fliege unter dem Motto „Mit 80 ins Internet“. „Da habe ich mir gedacht, dass ich das auch mal versuchen kann“, sagt Peters. Seitdem hat sie technisch immer wieder nachgerüstet. Vor einem Jahr ging ein großer Wunsch in Erfüllung: ein Smartphone. „Meine Familie hat zusammengelegt und mir eines zu meinem 91. Geburtstag geschenkt.“ 

Am Anfang sei der Touchscreen schon gewöhnungsbedürftig gewesen, aber inzwischen ist das Telefonieren, Fotografieren und Schreiben für Renate Peters Alltag. Was sie an Facebook und Co. nervt, ist die Werbung. „Die wird doch immer mehr“, erzählt Peters und deutet auf die bunten Banner, die in der Liste mit den Neuigkeiten der Freunde auftauchen. Die Nutzung von Facebook ist kostenfrei. Dennoch ist das Soziale Netzwerk ein Milliardengeschäft. 

Im letzten Quartal des vergangenen Jahres hatte das Soziale Netzwerk Einkünfte in Höhe von 1,9 Milliarden Euro. Diese erzielte das Unternehmen überwiegend durch Werbung. Trotz der Werbung gibt es für Renate Peters keine Alternative zu Facebook. „Da sind einfach die meisten Leute unterwegs.“ Auch kleine Spielereien, wie ein Bild, auf dem Peters zu sehen, wie sie für ihre Enkelin Pfannkuchen backt, gehören dazu. Während die 92-Jährige den Posteingang der Privatnachrichten kontrolliert, sagt sie: „Das ist schon witzig, wer das dann alles sieht und mir dann schreibt.“ 

Obwohl Peters so technikaffin ist, ist der wichtigste Kontakt immer noch der von Mensch zu Mensch. „Ich bin Gott jeden Tag dankbar, dass es mir in meinem Alter noch so gut geht. Daher genieße ich die Zeit.“ Täglich trifft sie sich mit anderen Frauen, mal zum Frühstück, mal zum Basteln, mal zum Stricken. Außerdem ist sie Vorsitzende des Beirates des Seniorenparks Reeswinkel. „Sie können es mir glauben: Da wird die Zeit schon knapp. Wenn ich mehr hätte, würde ich noch andere Sachen im Internet probieren.“

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