„Sinn der Notfallseelsorge steht außer Frage“

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Notfallseelsorgerin: Pfarrerin Bettina vom Brocke. ▪

SCHALKSMÜHLE ▪ Schwere Katastrophenfälle wie das Flugzeugunglück bei der Flugschau in Rammstein 1988 oder der ICE-Unfall von Eschede zehn Jahre später warfen eine wichtige Frage auf: Reicht es in derart traumatischen Situationen aus, nur eine äußerliche medizinische Versorgung zu gewährleisten, oder ist es notwendig, Beteiligte, Angehörige und letztlich auch die Rettungskräfte vor Ort seelsorgerisch zu unterstützen?

Im Jahr 1992 nahmen engagierte Pfarrer erstmals den Kontakt zu Feuerwehr und Rettungsdiensten auf und riefen damit eine erste Form der Notfallseelsorge ins Leben. Seither gibt es die „Arbeitsgemeinschaft Seelsorge in Feuerwehr und Rettungsdienst“ (AGS). Am Dienstag berichtete Pfarrerin und Notfallseelsorgerin Bettina vom Brocke im Rahmen des offenen Gesprächskreises im Gemeindehaus der Kreuzkirche über ihre Arbeit.

Doch was tut der Notfallseelsorger, der zum Schweigen verpflichtet ist und sich auf das Zeugnisverweigerungsrecht berufen kann, dann konkret vor Ort? „Seine einzige Aufgabe ist es, die Betroffenen zu begleiten“, sagt Bettina vom Brocke. Potentielle Empfänger für die Dienste der Notfallseelsorge sind drei Personengruppen: die „Primärgeschädigten“, die direkt in das traumatische Ereignis involviert sind, die „Sekundärgeschädigten“ wie zum Beispiel Verwandte der Opfer und Zeugen sowie als dritte Gruppe die professionellen Helfer der Feuerwehr, des Rettungsdienstes und der Polizei. „Grundsätzlich gilt dabei: Notfallseelsorger sind nur für den Notfall zuständig“, stellt die Referentin klar, „denn wir sind keine Ärzte oder Psychologen.“

Nach der ersten Betreuung durch den Notfallseelsorger erfolgt somit, das Einverständnis des Betroffenen vorausgesetzt, eine Nachsorge durch Fachleute oder eventuell durch den zuständigen Gemeindepfarrer.

Der Sinn und Zweck der Notfallseelsorge steht derweil außer Frage, denn grundsätzlich hat Bettina vom Brocke die Erfahrung gemacht, dass die Menschen heute in vielen Extremsituationen des Lebens nicht mehr so belastbar sind wie noch in früheren Zeiten. „In kleineren Orten wie Schalksmühle kümmert man sich jedoch im Gegensatz zu anonymeren größeren Städten noch mehr um die Mitmenschen und es gibt meist noch eine funktionierende Nachbarschaft, die die Betroffenen auffängt.“ Da sei es dann oft gar nicht mehr nötig, Notfallseelsorge zu leisten. ▪ bot

Thema des Gesprächskreises am Dienstag, 7. Juni: „Christenverfolgung weltweit: Wo Christen unter ihrem Glauben am meisten leiden müssen“. Referent: Alexander Lindt, Hilfswerk für verfolgte Christen „Open Doors“. Beginn: 19.30 Uhr.

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