Sieben Streifenhörnchen: Ein echter Vollzeit-Job

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Streifenhörnchen werden in der Regel rund vier Wochen gesäugt – als die Mutter verstarb, sprang Familie Schmidt ein und übernahm die Versorgung der kleinen Tiere. ▪

SCHALKSMÜHLE ▪ Das Streifenhörnchen – ein beliebtes und anpassungsfähiges Haustier. Zahm und immer zu Streichen aufgelegt hat das gestreifte Backenhörnchen oder Burunduk, wie das Tier auch genannt wird, das Herz von Tobias Schmidt erobert. Im August des vergangenen Jahres hielt ein Albino-Weibchen und ein gestreiftes Männchen Einzug in sein großes Gehege in Dahlerbrück.

In der Natur halten sich die munteren Kletterer im Gegensatz zu den vorwiegend auf Bäumen lebenden Eichhörnchen einen großen Teil des Tages am Boden auf. Hier legen sie Erdhöhlen an, deren Eingang je nach Bodenbeschaffenheit bis in eineinhalb Meter Tiefe führen kann. In seinem Zimmer hat Tobias daher Baumstämme und Kletterhilfen angebracht, damit die kleinen Nager ihren Bewegungsdrang ausleben können.

Täglich kamen ihm die Beiden nach seiner Heimkehr von der Arbeit entgegen gesprungen. Doch an einem Tag im Februar fehlte das Weibchen. Als es auch am nächsten Tag verschwunden blieb, forschten seine Mutter Elke und Tobias nach. Die Überraschung wartete im Bettkasten. In einem kuscheligen Nest aus Papiertaschentüchern befanden sich winzige, nackte Nestlinge, fünf gefärbt sowie zwei Albinos. Die Paarungszeit der Streifenhörnchen findet nach der Winterruhe im zeitigen Frühjahr statt. Allerdings sind die Tiere erst mit rund einem Jahr geschlechtsreif. So lautete die Information der versierten Züchterin, die die Tiere an Tobias Schmidt abgegeben hatte.

Doch er hat wohl ein frühreifes Weibchen erwischt. Nach einer Tragezeit von 35 bis 40 Tagen werden meist um die vier, in Einzelfällen bis zu zehn Junge geboren, die rund vier Wochen gesäugt werden und danach schon ihre volle Körpergröße erreicht haben. Ein Burunduk wird bis zu 125 Gramm schwer, zurzeit wiegen die Kleinen rund 21 Gramm. Nachdem die fürsorgliche Mutter ihre Jungen mehrfach in ein anderes Nest gebracht hatte – darunter war auch ein sicherer Hort in einer Schreibtischschublade – fand Familie Schmidt sie nach zwei Wochen plötzlich tot im Nest neben den Jungtieren. Nach dem Schock stellte sich schnell die Frage, wie die Babys nun weiter großgezogen werden sollten? Tobias Schmidt und seine Eltern nahmen die Aufzucht kurzerhand selbst in die Hand und haben seitdem alle einen Fulltime-Job. Sechs Mahlzeiten am Tag, davon eine nachts um drei Uhr, brauchen die agilen Kerlchen. Mit der Einwegspritze erhalten sie inzwischen 1,5 Milliliter Aufzuchtmilch. Danach bekommen sie eine Fellpflege mit der Babyzahnbürste sowie Schmuseeinheiten am Bauch, um die Verdauung anzuregen. Gierig saugen sie sich an der Spritze fest, nachdem sie vorher schon eifrig im Nest herumgekrabbelt sind um anzuzeigen: „Wir haben großen Hunger“. Zurzeit wohnen sie in einem Pappkarton, ausgelegt mit Stroh und einer dicker Lage Küchenpapier, das jedes Mal gewechselt wird. Nach der Fütterung gibt es noch ein Wärmebad unter der Rotlichtlampe, wo sie wie erschlagen in tiefen Schlaf fallen. Dann rollen sie sich wieder zufrieden im frischen Nest aneinander. Elke und Ortwin Schmidt haben viel Spaß mit der unerwarteten Tierpflege und unterstützen ihren Sohn gerne, wenn er nicht da sein kann. ▪ jori

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