Mutige Imamin und Frauenrechtlerin

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Seyran Ates trug sich im Beisein von Bürgermeister Jörg Schönenberg (rechts) und Kulturausschuss-Vorsitzendem Bernd Müller ins Goldene Buch der Gemeinde ein.

Schalksmühle - „Es gibt Situationen, da gilt es zu handeln“, sagt Seyran Ates.

Als streitbare, mutige Frau, die sich für einen säkular-liberalen Islam, Frauenrechte, Vielfalt und Toleranz einsetzt, lernten Schalksmühler und Interessierte aus den umliegenden Städten und Gemeinden am Freitag im PZ Löh die Rechtsanwältin, Autorin und Frauenrechtlerin Seyran Ates – Gründerin der Ibn Rushd-Goethe Moschee in Berlin – kennen.

Dass es sich bei der Lesung, zu der die Gemeinde in Kooperation mit der Bücherei Schalksmühle KöB eingeladen hatte, um keine gewöhnliche Lesung handelte, war unschwer an den getroffenen Sicherheitsvorkehrungen zu erkennen. Personenschützer, Polizei und Sicherheitsdienst, der die Taschen kontrollierte, gehörten zum Bild. Nach dem Eintrag ins Goldene Buch der Gemeinde stellte die Imamin, von Bürgermeister Jörg Schönenberg eingeführt, ihr neuestes Buch „Selam, Frau Imamin – Wie ich in Berlin eine liberale Moschee gründete“ vor.

Nach der Lesung bestand Gelegenheit, mit der unerschrockenen Muslimin ins Gespräch zu kommen und persönliche Fragen zu stellen. Als Moderator lenkte Bernd Müller, Vorsitzender des Kulturausschusses, die angeregte Diskussion, bei der viel Bewunderung für den Mut der Bundesverdienstkreuzträgerin zutage trat, Seyran Ates aber auch klar und unmissverständlich Stellung bezog.

Entschieden sprach sie sich beispielsweise gegen ein Kopftuch für Lehrerinnen an allgemeinbildenden Schulen, Polizistinnen und Justizmitarbeiterinnen aus. „Es geht um die Neutralität des Staates“, betonte sie. Religiöse und weltanschauliche Symbole hätten darin keinen Platz.

Für die Lesung wählte die Berlinerin türkisch-kurdischer Herkunft, die sich von Morddrohungen nicht einschüchtern lässt und engagiert Extremismus bekämpft, Passagen über das Erstarken der Rechten und Gewalt in den Religionen aus. Überdies ließ sie ihr Publikum an den Beweggründen, eine liberale Moschee zu gründen, teilhaben. 2009 sei die Idee geboren, aber erst 2017 realisiert worden. „Ich habe acht Jahre an der Idee gearbeitet.“ Der Unterschied zu anderen Moscheen sei, dass Frauen sich in religiöse Belange einmischen. Dass sich die Moschee in einer Kirche befinde, solle zeigen, dass interreligiöser Dialog mehr als Kaffeetrinken sei.

Deutlich wandte sich Seyran Ates in ihrer Lesung gegen die Behauptung, sie stehe als Islamkritikerin der AfD nahe. Ihr sei bewusst, dass sich immer wieder falsche „Freunde“ ihrer Argumente bedienen würden. Dennoch sei es nicht hinnehmbar, sich aus Angst, ungewollt politischen Gegnern in die Hände zu spielen, zu bestimmten Problemen nicht zu äußern. „Meiner Ansicht nach ist das eine Schande, die sich eine offene Zivilgesellschaft nicht leisten sollte.“ Dass die Populisten vielerorts so stark geworden seien, habe auch damit zu tun, dass man ihnen bei bestimmten Themen das Feld überlassen habe.

Auf Gewalt in anderen Religionen und Radikalisierung im Internet warf sie einen Blick. Auch das Thema Bildung sprach sie an. „Wir brauchen ganz viel Bildung“, forderte sie. In früheren Jahrhunderten – dies thematisiere beispielsweise Noah Gordons „Der Medicus“ – sei Bildung im Islam sehr wichtig gewesen. Heutzutage werde Glauben nicht reflektiert, sondern blind ausgeführt. „Muslime, die anderen vorschreiben, wie sie zu leben haben, fördern Extremismus“, erklärte sie. Bei der sich anschließenden Diskussion machte sprichwörtlich ein Thema das nächste auf. Der Halveraner Kö-Shop hielt Seyran Ates’ Bücher bereit.

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