Prozess läuft weiter

Sexueller Missbrauch ist nicht verjährt: 52-Jähriger verging sich offenbar an Nichte

+
Symbolbild

Schalksmühle/Kierspe - Er soll seine zur Tatzeit minderjährige Nichte mehrfach unsittlich berührt und sie dazu gebracht haben, ihn anzufassen. Teilweise soll das in Schalksmühle, teilweise in Kierspe passiert sein.

Aus diesen Gründen muss sich ein 52-jähriger Mann aus Kierspe seit dem 22. Oktober wegen sexuellen Missbrauchs vor dem Schöffengericht des Amtsgerichts Lüdenscheid verantworten. Ein Tag reichte für die Beweisaufnahme nicht aus. Auch, wenn am zweiten Prozesstag noch kein Urteil verkündet wurde, hatte das Schöffengericht einige Entscheidungen zu treffen. 

Gleich mehrere Beweisanträge wurden von Staatsanwaltschaft und vom Verteidiger zu den Akten gereicht. Nach Ansicht des Anwalts des Angeklagten waren weder Tatzeit noch Ort und die vorgeworfenen Handlungen hinreichend definiert. Zudem handele es sich um Taten aus den Jahren 1999 bis 2003. Diese seien längst verjährt. Daher forderte er die Einstellung des Verfahrens. 

Sexueller Missbrauch einer zweiten Nichte

Die Vertreterin der Staatsanwaltschaft stellte den Antrag auf Einholung eines Gutachtens bezüglich der Schuldfähigkeit des Kierspers. Sie beantragte zudem, die Akte eines anderen Verfahrens gegen den Mann beizuziehen. Damals hatte er laut Vorwurf eine zweite Nichte sexuell missbraucht. Da sich das Mädchen aber an nichts mehr erinnern konnte, wurde das Verfahren eingestellt. 

Der Staatsanwältin ging es um einen damaligen Chatverlauf zwischen dem Kiersper und dem Mädchen, in dem der Mann angegeben habe, dass er Kinder vergewaltigen wolle. Kaum hatte die Vertreterin der Staatsanwaltschaft den Chat erwähnt, reichte der Verteidiger den nächsten Beweisantrag ein – und zwar wegen Befangenheit der Schöffen. Diese seien nun, durch die Erwähnung des Chats nicht mehr neutral. 

Befangenheit der Schöffen im Gespräch

Nach einer längeren Beratungspause verkündete das Gericht seine Entscheidung. Es sah keine Befangenheit der Schöffen, da der Inhalt der Akte des anderen Verfahrens bereits bekannt gewesen sei. Damit hätten die Schöffen keine neuen Erkenntnisse erlangt. Die beantragte Beiziehung des alten Verfahrens lehnte das Gericht ab. Ebenso die Erstellung eines Gutachtens zur Schuldfähigkeit. 

Auch den Antrag des Verteidigers auf Einstellung des Verfahrens wies das Gericht zurück. Tatzeit, Ort und einzelne Handlungen seien hinreichend klar und abgrenzbar definiert. Eine Verjährung beginne erst mit Eintritt des 18. Lebensjahres des mutmaßlichen Opfers und betrage ab dann zehn Jahre. Die seien im vorliegenden Fall noch nicht abgelaufen. Ende November geht der Prozess weiter.

Das könnte Sie auch interessieren

Kommentare

Hinweise zum Kommentieren: Auf come-on.de können Sie Ihre Meinung zu einem Artikel äußern. Im Interesse aller Nutzer behält sich die Redaktion vor, Beiträge zu prüfen und gegebenenfalls abzulehnen. Halten Sie sich beim Kommentieren bitte an unsere Richtlinien: Bleiben Sie fair und sachlich - keine Beleidigungen, keine rassistischen, rufschädigenden und gegen die guten Sitten verstoßenden Beiträge. Kommentare, die gegen diese Regeln verstoßen, werden von der Redaktion kommentarlos gelöscht. Bitte halten Sie sich bei Ihren Beiträgen an das Thema des Artikels. Lesen Sie hier unsere kompletten Nutzungsbedingungen.


Bitte beachten Sie: Die Kommentarfunktion unter einem Artikel wird automatisch nach drei Tagen geschlossen.

Netiquette
Hinweis: Kommentieren Sie fair und sachlich! Rassistische, pornografische, menschenverachtende, beleidigende oder gegen die guten Sitten verstoßende Äußerungen sind verboten und werden gelöscht.

Kommentare