Von Sex, Midlife-Crisis und Brexit - ein Brite berichtet

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Mark Britton auf der Bühne des PZ: Der in Deutschland geborene Brite hatte sich in seinem Programm nicht nur, aber auch dem Sex verschrieben.

Schalksmühle - Wer ist Mark Britton? Eine Antwort und darüber hinaus Trost und Lebensberatung für die Generation „über 30 und unter 80“ bekamen am Samstagabend die Besucher im ausverkauften PZ der Primusschule. Deren Standort durchzog das Programm in zahlreichen Varianten: Schmachtmühle, Spaßmühle oder auch das sehr originelle Schalksmühle.

„Mit Sex geht’s besser“, lautete die vielversprechende Überschrift zu dem Programm, das drängende Probleme und geordnete Übergänge „zwischen Nicht-Bett und Bett“ beleuchtete. 

Auf der Grundlage knallharter Problemanalysen bot Mark Britton praktikable Lösungen für die erotische Belebung des Ehelebens an: „Ich bleibe auf meiner Seite, schlafe sofort ein und schnarche nicht.“ Das Kabarettisten-Ich sparte auch ansonsten nicht mit schonungslosen Selbstauskünften: Als Engländer hatte er sich für das selbstgestellte Thema durch eine Diplomarbeit mit dem Forschungsschwerpunkt „Midlife-Crisis – ein kulturelles Problem“ empfohlen. 

Verheiratet sei er mit einer deutschen Frau, deren Präferenz für einen Angehörigen der einst großen britischen Nation dafür spricht, dass sie „hart im Nehmen“ sei. Über ihn hat sie offenbar eine verfestigte Meinung: „Du warst schon immer ein Jammerlappen.“ 

Bemühungen um eine gewisse Kultur und Offenheit in den Auseinandersetzungen sind zum Scheitern verurteilt: „Beim Streiten hat eine Frau immer das letzte Wort.“ Größter Streitpunkt ist die Ursachenforschung nach dem Entdecken des offengelassenen Kühlschranks. 

Manchmal entlarvend offen, manchmal abstrus: Mark Britton gelang es immer wieder, das Publikum im Pädagogischen Zentrum mitzureißen.

Wenig gedeihlich ist auch das Zusammenleben mit der nachwachsenden Generation: „Es ist schwierig, über die Entwicklungsschritte von Teenagern genauso begeistert zu sein wie über die Entwicklung von Kleinkindern: Wer freut sich über das erste Piercing, die erste Trunkenheit, das erste geschwängerte Mädchen?“ 

Bleibt noch Mark Brittons Alter nachzutragen: „Um die 60“ brachte er ins Spiel, was seinen Alltag „voller kleiner Aussetzer“ nur unzureichend erklärte – ebenso wenig wie sein Dasein „zwischen Nostalgie und Alzheimer“. 

Eigentlich erwartet die Länger-frisch-Generation jenseits der 60-Jahre-Schallmauer doch noch pralles Leben. Intensive Betrachtungen zur Ästhetik und zu den Konstruktionsfehlern des männlichen Skrotums rundeten den Abend ab. Dieses etwas abstruse Objekt gescheiterter göttlicher Schaffenskraft war der Anlass für eine besondere Variante der Theodizee-Frage: „Wie konnte Gott etwas so Hässliches schaffen?“

Mit solcher Schonungslosigkeit krönte Mark Britton einen Abend, an dem er sich und sein Leben in beispielloser Offenheit enthüllte. Das war ganz lustig, doch hätte man nicht jedes abstruse Detail und abgegriffene Klischee gebraucht.

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