Selbstversuch im Winter

Eisbaden - wir haben den Lockdown-Trend getestet

Eisbaden Winter 2021 Glör Schalksmühle
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Es wird ernst: Die Mützen sitzen, der Puls ist hoch und wir machen die ersten Schritte ins Wasser.

Eisbaden soll gesund sein. Und jeder kann das unter Einhaltung bestimmter Regeln machen. Wir haben diesen Winter-Trend getestet.

Schalksmühle/Breckerfeld – Bikini und Mütze. Eine Kombination, die wir so auch noch nicht kannten. Verrückt. Wie die Idee, die hinter dem Outfit steckt. „Hast du Lust, etwas Verrücktes zu machen?“ Da wir beide nicht nur Arbeitskolleginnen sind, sondern auch Freundinnen seit Studienzeiten, wussten wir beide die Antwort eigentlich sofort.

Eisbaden – vielleicht hat es mit Corona und den fehlenden Freizeitaktivitäten zu tun, dass wir davon mitbekommen haben. Von dem Hype des Eisbadens. Aber schnell steht fest: Das müssen wir ausprobieren. Wir entscheiden uns für die Glörtalsperre und einen Samstagmorgen. Im Gepäck sind Handtücher, Handschuhe, dicke Socken, eine Thermoskanne Kaffee und eine Wärmflasche – für den Fall. Wir sehen uns schon zittern bei der Vorstellung, halb nackt im Winter an einem Gewässer zu stehen – und wir sollen da rein? Aber wir ziehen das jetzt durch, sagen wir uns immer wieder; täglich bis zum Samstag.

Das Wasser fühlt sich gar nicht so kalt an

Wir treffen uns am Parkplatz an der Glörtalsperre. Es ist matschig und kalt. Nach einem freien Platz müssen wir nicht suchen. Alles ist leer, nur entlang der Runde um das stille Gewässer laufen Jogger mit ihren Hunden. Wir breiten unser großes Handtuch aus, legen unsere Sachen ab und testen mit dem Finger die Wassertemperatur. „Himmel.“ Der, der am Rande stehen und zugucken darf, findet das Wasser „gar nicht so kalt“.

Wir müssen uns vor der Kälte erst einmal aufwärmen. Wir laufen ein paar Runden, hüpfen auf der Stelle. Aber wir können hier nicht ewig rumhopsen. Wir müssen ins Wasser. Und wir wollen es jetzt auch: „Komm, wir ziehen uns jetzt aus.“ So schnell waren wir wohl noch nie nackt. Selbst auf trockener Haut hinterlässt der Wind seine eisigen Spuren. Wir stehen vor dem See und blicken uns noch ein letztes Mal an. Dann berühren unsere Füße das eiskalte Nass. „Oh mein Gott – wobei... es geht.“

Aufwärmen: erste in die Knie...
...und dann hoch. 20 Wiederholungen, dann ist man warm.

Ein Steg erleichtert uns die ersten Schritte. Aber jeder Schritt ist ein Kampf. Ist es gut oder schlecht, dass der Steg uns ganz sachte in die Tiefe trägt? Die Kälte zieht immer höher, die Füße machen, was der Kopf ihnen sagt – aber man merkt nicht mehr viel von ihnen. Die Hand der Freundin ist das Wärmste in diesem Moment. Es heißt Freundschaft, weil man mit Freunden alles schafft, sagt man. Stimmt das?

Wir gehen nicht mehr weiter und bleiben stehen. Vielleicht vor Schock. Unsere Bauchnabel finden das alles gar nicht lustig. Die eine Sarah kriegt leichte Schnappatmung. Aber die andere Sarah erinnert sie daran, ruhig zu atmen. Mit jedem Atemzug gehen wir langsam ein Stück tiefer ins Wasser – bis uns das Wasser umschlingt. Nur noch die Köpfe mit den Mützen schauen raus.

Die Kälte zieht sich durch den ganzen Körper

Es zieht durch den ganzen Körper, aber die Erinnerung daran ist ein gutes Gefühl. Vor allem die Tatsache: Wir haben es geschafft. Wir sind bei eisiger Kälte in der Glör. Es fühlt sich an wie eine Ewigkeit, als würde die Zeit kurz still stehen. Lange drin bleiben darf man als Anfänger nicht.

Abtauchen: Einfach ruhig weiteratmen, dann geht‘s. Eisbaden Winter 2021 Glör Schalksmühle

Der kalte Wind peitscht gegen unsere Rücken, als wir den Steg bergauf gehen. Wir spüren die Füße kaum, die Beine sind knallrot, ein bisschen als wären wir in Brennsesseln gefallen. Wir ziehen uns schnell aus. Es ist fast egal, ob uns dabei jemand sieht. Nur rein ins Warme.

Die Socken sind eine Wohltat. Der Pulli, der Schal – alles ist so angenehm. Es dauert nicht lange und der Körper wird wohlig warm. Schneller, viel schneller als gedacht. Wahnsinn, wozu ein Körper fähig ist. Man fühlt sich so frisch, gar wie aufgetaut. Einfach wunderbar. Voller Energie. Unsere Für-den-Fall-Ausrüstung? Überflüssig.

„Wir machen das nochmal“

„Wir machen das nochmal.“ Kälte hat für uns nun eine neue Dimension. Kälte kann richtig gut tun. Und das gute Gefühl danach ist das Beste. Klar sind wir verrückt. Das ist auch gut so.

Der Sinn des Eisbadens

Beim Eisbaden ist der Körper einem starken Temperaturreiz ausgesetzt. Um sich warm zu halten, wird sofort Wärme produziert. Dabei weiten sich die Gefäße, das Blut zirkuliert schneller und der Kreislauf stabilisiert sich. Der Körper schüttet außerdem Stoffe wie Adrenalin, Endorphine und entzündungshemmende Kortikoide aus. Dadurch kann sich der Körper nach einer Anstrengung schnell regenerieren. Vorsicht ist bei der Dauer des Eisbadens geboten: Um die Gesundheit nicht zu riskieren, sollte man sich nicht länger als wenige Minuten im Wasser aufhalten. Weitere Infos: www.kneipp.de.

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