Kettensägen-Opfer  "König von Preußen" ist verzogen

+

Schalksmühle - Bei einer Kettensägen-Attacke hatte der seinerzeit selbst ernannte "König von Preußen" fast beide Arme verloren - ein Interesse am Strafverfahren vor dem Amtsgericht Lüdenscheid, das am Montag endete, hatte der heute 55-Jährige aber nicht.

„Er hat sich gemeldet und mitgeteilt, dass er nicht kommen will“, teilte Richter Andreas Lyra im Strafverfahren gegen den Mann mit der Motorsäge mit. Wie berichtet, wurde dieser wegen fahrlässiger Körperverletzung zu einer Geldstrafe verurteilt. 

Wie erging es aber jenem Mann, der zunächst als sogenannter „Reichsbürger“ gehandelt worden war? Schon seine Begründung für das Nichterscheinen als Zeuge deutete eine ungewöhnliche Weltsicht an: Er habe kein Interesse an diesem Strafverfahren im Amtsgericht Lüdenscheid, ließ er das Erweiterte Schöffengericht wissen. 

Das sei eine Frage der Zuständigkeit: Er werde stattdessen zu gegebener Zeit eine Schadensersatzklage vor dem High Court in London einreichen. Einen wachen Blick nach England hatte er bereits im ersten Wortwechsel mit dem 38-Jährigen offenbart, der angerückt war, auf dem von seiner Frau ersteigerten Grundstück einen Jägerzaun abzusägen: Wenn dieser Zaun falle, falle auch Deutschland an den König von England, soll er gesagt haben, bevor er einen Gummiprügel aus dem Haus holte und auf den Angeklagten einschlug. 

Ein Polizist erinnerte sich daran, dass der 55-Jährige „uns sehr häufig auf der Polizeiwache besucht hat“. Da habe er Erb-Ansprüche im Osten Deutschlands angemeldet und auf sein adliges Blut verwiesen. Er sei jedoch nicht der klassische extreme Fall eines Reichsbürgers gewesen.

Der Beamte, der nach dem Notruf des Angeklagten noch vor den Rettungskräften vor Ort war, half entscheidend mit, dem 55-Jährigen das Leben zu retten. „Er hatte bereits sehr viel Blut verloren, kam schreiend heraus und stand bereits unter Schock.“ 

Stücke eines Besenstiels übten den nötigen Druck auf die Schlingenverbände aus, mit deren Hilfe die Ersthelfer den Blutfluss aus den Armen stoppten. Ein Rettungshubschrauber brachte den 55-Jährigen in eine Spezialklinik in Dortmund, wo beide Arme wieder angenäht wurden.

Sammelaufruf für Behandlungskosten

Der Entlassbericht hielt den Erfolg dieser Bemühungen fest: „Es gelang, beide Unterarme und Hände zu erhalten“, lautete das Fazit. Die Heilung grenze an ein Wunder, bemerkte der Staatsanwalt in seinem Plädoyer. Weil der Verletzte schon seit Jahren keinen Krankenversicherungsschutz hatte, gab es einen Spendenaufruf zur Begleichung der Arzt- und Krankenhausrechnungen.

Das Desinteresse des 55-Jährigen an dem Strafverfahren in Lüdenscheid nahmen die Richter zur Kenntnis und verzichteten auf eine Vorführung. Mittlerweile wohne der 55-Jährige in Süddeutschland, teilte der Vorsitzende mit.

Lesen Sie dazu auch:

Streit eskaliert: Werdohler (37) verletzt

Kettensägen-Streit zeitgleich zu Verhandlung

Das könnte Sie auch interessieren

Kommentare

Hinweise zum Kommentieren: Auf come-on.de können Sie Ihre Meinung zu einem Artikel äußern. Im Interesse aller Nutzer behält sich die Redaktion vor, Beiträge zu prüfen und gegebenenfalls abzulehnen. Halten Sie sich beim Kommentieren bitte an unsere Richtlinien: Bleiben Sie fair und sachlich - keine Beleidigungen, keine rassistischen, rufschädigenden und gegen die guten Sitten verstoßenden Beiträge. Kommentare, die gegen diese Regeln verstoßen, werden von der Redaktion kommentarlos gelöscht. Bitte halten Sie sich bei Ihren Beiträgen an das Thema des Artikels. Lesen Sie hier unsere kompletten Nutzungsbedingungen.


Bitte beachten Sie: Die Kommentarfunktion unter einem Artikel wird automatisch nach drei Tagen geschlossen.

Netiquette
Hinweis: Kommentieren Sie fair und sachlich! Rassistische, pornografische, menschenverachtende, beleidigende oder gegen die guten Sitten verstoßende Äußerungen sind verboten und werden gelöscht.

Kommentare