Seit 50 Jahren auf Schmusekurs mit Hirsch und Wildschwein

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Immer nah dran und im ständigen Kontakt mit seinen Tieren: Seit 1994 führt der 53-jährige Karl-Friedrich Trimpop das Wildgehege Mesekendahl. „Das ist mein Zuhause.“

Schalksmühle - Im Oktober feiert das Wildgehege Mesekendahl sein 50-jähriges Bestehen. Stammgäste und Interessierte sind am 4. Oktober zur Feier mit buntem Programm eingeladen.

Wirkt Karl-Friedrich Trimpop äußerlich in seiner schwarzen Latzhose auch so robust und hart im Nehmen, so ist er doch im Innersten sensibel – vor allem, was seine Tiere angeht. „Das wird mit den Jahren immer schlimmer“, erzählt der 53-Jährige, wie ihm die Schicksale seiner Tiere ans Herz gehen. Schwer gebeutelt wurde der Inhaber des Tiergeheges vor allem in den vergangenen Monaten: 13 Tiere, meist seit Jahren in seiner Obhut, verstarben kurz hintereinander. Das geht ihm nahe.

Vor zwei Jahren musste er sich von einem Pony trennen, der Verlust schmerzt noch heute. Das Pferd brach bei einer Behandlung zusammen und war nicht mehr zu retten. „27 Jahre hab ich das Pferd gehabt“, erzählt Trimpop und bei der Erinnerung an den vierbeinigen Weggefährten schießen dem sonst so toughen Mann die Tränen in die blauen Augen. „Das geht an die Substanz.“

Das Wildgehege als Zuhause

Im Januar 1994 übernahm Trimpop als damals 32-Jähriger das Wildgehege von seinem Vater Friedrich, genannt Fritz. Schon in seiner Jugend half Karl-Friedrich Trimpop im Gehege mit, fuhr mit 13 Jahren das erste Mal selbst mit dem Trecker zur Fütterung der Tiere. Nach der Schulzeit absolvierte er zunächst eine Lehre zum Industriekaufmann, doch ein Bürojob war nichts für ihn. Schließlich arbeitete er zwölf Jahre lang als Fallschirmspringer bei der Bundeswehr und half an den Wochenende im Gehege mit.

1994 erfolgte schließlich die Übernahme. Das Wildgehege ist sein Zuhause, sagt Trimpop. Unter seiner Führung erlebte der Tierpark einen Aufschwung. Er führte neue Veranstaltungsformen wie Klassenfeiern, Planwagenfahrten oder Geburtstagspartys ein. Zudem reduzierte er den Bestand der Tiere von 150 auf rund 120, die Anzahl der Tierarten blieb bestehen.

Mit 91 Jahren im Kassenhäuschen

Mit drei Hirschen fing 1965 alles an, als Fritz Trimpop vor 50 Jahren das Gehege eröffnete. 21 Hektar umfasst das Gelände. Neben dem Wildgehege besitzt die Familie auch land- und forstwirtschaftliche Flächen. „Das Ganze brauchte Anlauf“, erzählt Grete Trimpop. Die 91-jährige Mutter von Karl-Friedrich Trimpop gehört seit 50 Jahren sozusagen zum Inventar des Geheges, sitzt noch heute am Wochenende im Kassenhäuschen. Dort reißt sie die Eintrittskarten ab und befüllt die Futtertütchen, die die Besucher mit ins Gehege nehmen. „Da freue ich mich immer drauf. Dann muss ich nicht nur im Sessel sitzen“, sagt Grete Trimpop.

1965 verkaufte sie die ersten Eintrittskarten noch aus dem Auto heraus. Stressig sei die Arbeit im Gehege oft gewesen. „Ihr eigenes Leben ging erst richtig nach der Übernahme los“, sagt ihr Sohn Karl-Friedrich. „Ich bin zufrieden mit seiner Arbeit“, sagt seine Mutter. „Mit ihm ging es bergauf.“ Die Nähe der Tiere sucht die 91-Jährige aber auch heute noch. Besonders ein Pony hat es ihr angetan, das sie jeden Morgen mit Brot von der Hand füttert.

Mit „Mäh“-Rufen nähert sich Karl-Friedrich Trimpop dem Gehege der Kamerunschafe und sogleich erhält er blökende Antworten aus mehreren Kehlen. Die Fütterung der Tiere dauert täglich drei Stunden, dazu kommt die Reinigung der Gehege, die zwei Stunden in Anspruch nimmt. Montags und dienstags hat Trimpop frei. Ist er zuhause, ist Freizeit angesagt. In diesem Jahr machte er nach längerer Zeit mal wieder Urlaub, sechs Tage lang war er auf Teneriffa. „Dann lass ich aber auch mal die Seele baumeln.“ Und in den nächsten 50 Jahren? Da möchte Trimpop vor allem an der Werterhaltung des Geheges arbeiten.

Am 4. Oktober lädt die Familie von 11 bis 18 Uhr ins Gehege ein. Besucher zahlen keinen Eintritt. Es gibt Aktionen für Kinder und Erwachsene, bei denen die Teilnehmer eine Planwagenfahrt oder einen Kindergeburtstag gewinnen können. Ab 12 Uhr sorgt Marty Kessler für Live-Musik.

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