In Lauenscheid

Nach kontroveser Diskussion: Alte Hainbuche hat neues Zuhause

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Am neuen Standort in Lauenscheid, so die Hoffnung derjenigen, die sich für die Umsiedlung stark gemacht haben, soll die alte Hainbuche nun Wurzeln schlagen.

Heedfeld - Ein Baum zieht um – nach vielem Hin und Her wird die alte Hainbuche im Gewerbegebiet Heedfeld-Süd nun doch umgesiedelt.

Grundvoraussetzung war, dass jemand eine freie Wiesen- oder Ackerfläche findet, die zugleich aber von vielen Menschen wahrgenommen wird, sagte vor einem Jahr Ralf Bechtel, Leiter des Technischen Bauamtes der Gemeinde. Vorschläge sollten der Verwaltung gemeldet werden. Nun ist es anscheinend gelungen, einen passenden Platz zu finden. 

Nachdem der Baum im Gewerbegebiet ausgegraben und beschnitten wurde, soll er nun in Lauenscheid ein neues Zuhause bekommen. „Wir haben damals gesagt, dass, wenn es eine Chance gibt, dem Baum einen guten Standort zu bieten, dann werden wir das ermöglichen“, sagt Bürgermeister Jörg Schönenberg auf Anfrage unserer Zeitung. 

Schwieriger Transport

Der Transport am Freitagvormittag erwies sich allerdings alles andere als einfach. Obwohl die Krone stark beschnitten wurde, war der Baum immer noch sehr schwer. Ein privat bereitgestellter Radlader stabilisierte daher den Baum und half den Mitarbeitern der Gemeinde beim Be- und Entladen. 

Vorm Transport und an Engstellen auf dem Weg zum neuen Standort wurde mehrmals nachgeschnitten. „Es musste leider noch ein großer Ast weggemacht werden, der war immer ein Gegengewicht“, bedauerte Anja Froese, eine der Bürgerinnen aus Heedfeld, die sich für den Erhalt und die Umsetzung der mehr als 150 Jahre alten Hainbuche stark gemacht hatten. 

„Das war eine dramatische Fahrt hier hoch“, sagte sie und dankte den Bauhof-Mitarbeitern für die Hilfe, ohne die der Transport nicht möglich gewesen wäre. „Die Fahrt war schon anspruchsvoll wegen der beengten Verhältnisse“, bestätigte Bauhofleiter Peer Heinzer. Aber durch intensives Einweisen und die langsame Fahrt habe man die Strecke sicher und ohne Beschädigungen bewältigen können.

Kontroverse Diskussion um Umsiedlung 

Die Diskussion, ob die Buche nun gefällt oder umgesiedelt werden soll, wurde damals kontrovers geführt. „Aufwendig“ und „mit hohen Kosten verbunden“ sei das Versetzen, hieß es aus dem Rathaus.

Jörg Schönenberg schloss sich damals der Empfehlung seines Bauamtsleiters an, der sich für eine Fällung und eine Ersatzbepflanzung an einem anderen Ort aussprach. Bei einer Umsetzung des Baumes kalkulierte Ralf Bechtel damals mit Kosten im unteren fünfstelligen Bereich. Für die Verpflanzung sei eine spezielle Rundspatenmaschine erforderlich. 

Unterwegs mussten einige enge Stellen bewältigt werden und am Baum weitere Äste geopfert werden.

Doch warum muss die alte Hainbuche überhaupt umziehen? Weil der Baum auf einer Fläche steht, die der im Gewerbegebiet ansässige Aktenvernichter Pickard + Heffner gekauft hatte, um sein Firmengebäude vergrößern zu können. Damit fing auch die politische Beratung um die Buche an. 

Verursacht durch den Einzelstand und den besonderen Wuchs strahle der Baum einen besonderen Reiz aus, sagte Ralf Bechtel. Dieser sei Teil des Landschaftsbilds, welches die Menschen vor Augen haben. Ob es an dem neuen Standort auch so sein wird, dass bezweifelt auch der Verwaltungschef. An einem anderen Ort sei der Baum nur einer von vielen. Dort würden schließlich die zuvor prägenden Standortfaktoren fehlen. 

Hoffen auf das Angehen der Buche

Die Windrichtung und die Sonne werden nicht das Gleiche sein. Zu hoffen sei, dass die Buche in Lauenscheid auch angehe. Das hoffen auch die Bürger, die den Baum am neuen Standort wieder einpflanzen. „Hier kann er sich wieder ausbreiten und ist gut sichtbar“, sagt Anja Froese. Nach dem Ausheben einer Grube mit Hilfe eines Baggers –ebenso wie der eingesetzte Radlader von der Firma Altrogge zur Verfügung gestellt – wolle man mit der Freiwilligen Feuerwehr besprechen, dass der Baum ausreichend gewässert wird. 

„Er ist doch nicht soviel beschädigt worden und hat noch viele Knospen“, ergänzt dazu Linda Froese und klingt optimistischer als vor dem Transport, was die Überlebenschancen der Hainbuche angehen. „Vielleicht wird er ja wieder ein Naturdenkmal.“

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