Schweißtreibende Arbeit in zehn Metern Höhe

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Nach einer Woche Arbeit am Baumhaus gehen die Jugendlichen und Mitarbeiter ganz locker mit der Höhe um. Bei der Eröffnung erklärten die Teilnehmer den Besuchern bei Führungen das Bauvorgehen.

SCHALKSMÜHLE -  Ein eindrucksvolles Projekt entsteht momentan in einem Waldgebiet im Großraum Everinghausen. Im Rahmen einer CVJM-Freizeit errichten 21 Jungs und zwölf Mitarbeiter des CVJM ein riesiges Baumhaus. Am Sonntag stellten die Teilnehmer zahlreichen Gästen das bisherige Bauergebnis im Rahmen einer Einweihung vor.

Eineinhalb Jahre lang wurde das Vorhaben geplant und ausgearbeitet. Möglich ist die Umsetzung des Projektes, das insgesamt 20 000 Euro kostet, nur durch die Hilfe von außen. Ein finanzieller Baustein waren unter anderem 5000 Euro, die der CVJM Anfang des Jahres als Preisträger des ersten Förderpreises des Lüdenscheider Vereins Famo erhalten hatte.

Dessen Vorsitzender Willi Denecke zeigte sich begeistert vom Engagement des CVJM und der Jugendlichen. „Es ist grandios, was hier auf die Beine gestellt wurde und es ist beispielgebend für andere Projekte.“ Anhand der Zeichnungen habe man bei der Vergabe des Förderpreises zwar eine gewisse Vorstellung vom Projekt erhalten, doch die Maßnahmen in dieser Größe zu sehen, sei schon enorm. „Man sieht den Jugendlichen ihre Begeisterung richtig an, und das ist die Bestätigung, dass wir den richtigen Preisträger ausgesucht haben“, sagte Denecke.

Die Eckdaten des Bauvorhabens lassen sich sehen: Insgesamt soll das Baumhaus eine Gesamtfläche von 200 Quadratmetern haben, wofür drei Plattformen angelegt und 160 Baumstämme verarbeitet werden sollen– und das alles in einer Höhe von rund zehn Metern. An den Planungen waren unter anderem zwei angehende Bauingenieure sowie Statiker beteiligt.

Kletterschein für Mitarbeit ein Muss

Alle Mitarbeiter machten vor der Freizeit den Kletterschein und wurden darin ausgebildet, ein Lagerleben bis ins kleinste Detail zu organisieren. Auf diese Weise konnte auch das zeitweise sehr schlechte Wetter, das das Lager in eine Schlammwüste verwandelte, die Truppe nicht schocken. Doch die Jugendlichen wollten nicht lange auf dem matschigen Boden bleiben, sondern möglichst schnell die Bäume stürmen und das ambitionierte Bauprojekt realisieren, das bisher nur ein einziges Mal in ähnlicher Form in Baden-Baden umgesetzt werden konnte.

Baumhaus-Aktion des CVJM

Die komplette Konstruktion wurde ausschließlich mit Seilen befestigt und vertäut, so dass keine Bäume beschädigt werden. Vorausgesetzt, die tragenden Stämme werden richtig am Baum verknotet, trägt diese Art der Befestigung problemlos bis zu sieben Tonnen Gewicht. „Damit alles gut befestigt ist, verarbeiteten wir insgesamt acht Kilometer Seil“, erklärte CVJM-Kreissekretär Johannes Seidel.

Im Rahmen von Führungen zeigten die Teilnehmer den Besuchern gestern das Bauvorhaben. Der Zugang zum späteren Baumhaus erfolgt über einen Steg, der von einer am Hang gelegenen Wiese zum Haus führt.

Ziel war außergewöhnliche Erfahrung in der Natur

Trotz der aufwändigen Planungen und schweißtreibenden Bauarbeiten wird das Baumhaus nicht von Dauer sein – Ende August wird alles wieder demontiert. Schließlich könne niemand nach Abzug des CVJM sowie nach Monaten und Jahren, in denen das Baumhaus Witterung und Naturgewalten ausgesetzt ist, für die Sicherheit der Anlage garantieren, wie Johannes Seidel erklärte.

Das Ziel sei auch nicht die Beständigkeit des Hauses, sondern dass die Jugendlichen eine außergewöhnliche Erfahrung in der Natur erleben. „Es geht uns um den Weg, um rauszukommen und ein wirkliches Erlebnis zu erfahren“, sagte Seidel. Das Projekt sei mehrjährig angelegt und mit den jetzigen Geldern würde es sich knapp rechnen. „Wir hätten es aber auch umgesetzt, wenn wir ein Minus gemacht hätten.“

Seidel und sein Stellvertreter Marco Malms bedankten sich bei allen, die den Baumhaus-Bau ermöglichten. „Dazu gehören unter anderem das Ordnungsamt Schalksmühle, die Untere Landschaftsbehörde in Lüdenscheid, das Forstamt Lüdenscheid sowie der Famo-Verein“, erklärte Seidel.

Ferner galt sein Dank dem Naturschutzzentrum MK als Besitzer des Waldstückes, auf dem das Baumhaus errichtet wurde. Das Projekt wurde ansonsten durch Teilnehmerbeiträge, Gelder der Stiftung des CVJM Kreisverbandes, Fördermittel sowie durch Spenden aus der Bevölkerung finanziert. Allein die Materialkosten betrugen 12 000 Euro. „Damit können wir aber im nächsten Jahr wieder ein solches Projekt an einem anderen Ort auf die Beine stellen“, sagte Seidel.

Von Björn Othlinghaus und Alisa Kannapin

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