Digitale Medien an den Schulen

Schule im MK muss sich anpassen: Digitalisierung ist großes Thema

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Digitalisierung: Die Primusschule stellt sich auf die neuen Lebenswelten ihrer Schüler ein.

Gerade in der Hochzeit der Corona-Krise hat sich gezeigt, dass Lernen auf Distanz durch digitale Medien durchaus an den Schalksmühler Schulen möglich ist. Es stellt sich mehr und mehr die Frage, wie die digitalisierte Welt möglichst dauerhaft in den Unterricht eingebunden werden kann.

Schalksmühle – Eine Bestandsaufnahme an der Primusschule zeigt, dass in Sachen Ausstattung schon etwas passiert ist. Eine Wlan-Infrastruktur in allen Gebäudeteilen und in fast jedem Lerngruppenraum ist vorhanden, genauso wie unter anderem Decken-Beamer, zwei Laptopwagen mit mehreren Geräten, drei interaktive Whiteboards und diverse Einzel-PCs. Der Blick auf die Breitbandverbindung lässt Nachbesserungsbedarf erkennen. Im Zuge des laufenden Ausbaus der Privathaushalte soll auch die Schule ans Glasfasernetz angeschlossen werden.

Bis dahin müssen Schüler und Lehrer mit langsamem Internet und Netzausfällen leben. Zumindest für die Übergangsphase hat nun der Förderverein der Primusschule etwas besorgt. Der übergab in der vergangenen Woche drei sogenannte Wlan-Cubes an die Schule. Per Verleihsystem soll so ansatzweise für eine schnellere Verbindung in den Gruppenräumen gesorgt werden.

Im Gespräch mit uns erläutert Jan Gubar, Schulsozialarbeiter und IT-Experte der Schule, wie die Einrichtung mit den gegenwärtigen und zukünftigen Herausforderungen der Digitalisierung umgeht.

Welche Bedeutung wird dem Digitalen Lernen beigemessen?
Unsere Gesellschaft wird immer digitaler, die jüngeren Generationen konsumieren Informationen quasi nur noch im Internet. Wenn eine Schule den Anschluss an die Lebenswelt der Jugendlichen nicht verlieren möchte, dann muss auch der Unterricht sich auf diese beziehen. Zudem ist ein Abbruch der digitalen Entwicklung nicht in Aussicht, was auch heißt, dass wir uns auf eine digitale Zukunft vorbereiten müssen. An der Primusschule erarbeiten wir daher Themen immer auch im medialen Kontext, etwa in den Bereichen Organisation und Verbreitung von Infos zum Klimawandel über soziale Netzwerke, Aufzeichnung und Upload der vermeintlichen Polizeigewalt, Recherche im Zeitalter von Fake-News und natürlich Datensicherheit und -schutz. Man sieht, dass digitale und mediale Bildung nicht im IT-Unterricht aufhören sollten, sondern auch alle anderen Themengebiete wie Politik, Sprachen, Mathematik oder Soziologie betreffen. Die offenen Strukturen der Primusschule und das Schulpersonal ermöglichen uns, diese in quasi jedes Unterrichtsfach zu implementieren.
Wo und wie werden digitale Medien im Unterricht eingesetzt?
Von Jahrgang 1 bis 3 werden erste Begriffe beigebracht und Lernprogramme zur individuellen Förderung benutzt. Im Klartext heißt das, dass wir Schüler dort abholen können, wo sie stehen. So können zum Beispiel Texte auf einem Tablet visualisiert und vertont werden oder Lernspiele mit einem medialen Bezug unverhofften Zugang zu Fächern verschaffen. Ab Jahrgang 4 werden immer häufiger Projekte medial aufgearbeitet. Sei es klassisch via Power-Point oder über kurze Videos. Die Schüler lernen, mit der Komplexität der Internetrecherche umzugehen und behandeln aktuelle Themen im Kontext einer digitalen Welt. Darüber hinaus bietet Holger Krause eine regelmäßige Lego-Robotics-Werkstatt an. Im vergangenen Schuljahr habe ich zudem ein medienpädagogisches Angebot bereitgestellt, indem es ein halbes Jahr um soziale Netzwerke und Influencer ging. Auch kooperiert die Primusschule mit dem Spieleratgeber NRW, um ein regelmäßiges Mittagsangebot zu stellen, in dem Videospiele pädagogisch begleitet angespielt und anschließend redaktionell aufbereitet werden. Ab Jahrgang 7 sind Themen wie Cybergewalt oder -mobbing Teil der Lebens- und daher auch Lernwelt. Jugendliche verbringen zumeist einen Großteil ihrer sozialen Interaktionen in der medialen Welt und sollten daher mit den Gefahren und auch Chancen vertraut sein. Zudem findet die Recherche immer mehr – zuweilen quasi ausschließlich – digital statt, Videos werden im Unterricht angeschaut und Nachrichten über die Mediatheken besprochen. Durch das Konzept „Bring Your Own Device“ bringen Schüler auch vermehrt eigene Geräte mit, um beispielsweise Notizen abzutippen und schnell zu recherchieren. Höhere Stufen erarbeiten ihre Praktikumsberichte bereits in Teilen oder komplett digital. Spätestens hier ist der Umgang mit dem Beamer und einem entsprechenden Endgerät alltäglich. Präsentationen werden vorgestellt und verschiedene Präsentationsmedien, samt ihrer Vor- und Nachteile, werden erfahren. Recherchen werden zudem zunehmend digitaler. Nahezu jedes Arbeitsblatt besitzt Online-Quellenangaben, die die Schüler etwa mit dem eigenen Smartphone oder einem ausgeliehenen Laptop erreichen. Zudem ist eine Beteiligung der höheren Stufen bei der Wartung und Problemfindung digitaler Medien vorgesehen, die von Marco Kuhn und mir begleitet werden
Wie könnte die Zukunft in diesem Bereich aussehen?
Unsere digitale Lebenswelt, mit Industrialisierung 4.0, Mixed- und Virtual Reality, Quantencomputing, Roboter in der Pflege, dem weltweiten und blitzschnellen Austausch von Informationen, die Möglichkeit, das Wissen aller Welt und Menschen immer griffbereit zu haben oder die Chance einer einheitlichen Weltsprache im Internet, hat Vor-, aber auch Nachteile. Stetig steigender und immer einfacherer Vergleichszwang, bei Produkten oder auch in der Partnersuche, soziale Isolation und Neudefinierung von sozialen Interaktionen, Trennung von Körper und Kognition, immer rasanterer Ressourcenverbrauch und vieles mehr, zeigen, dass Bildung zwangsläufig immer digitaler werden muss. Auch deshalb, damit Schüler die Werkzeuge haben, um Lösungen für die genannten Probleme zu finden. In naher Zukunft sehe ich daher das digitale Arbeiten im und ums Internet als Kernaufgabe der Bildung. Schüler müssen mit der Flut an Informationen und in den Möglichkeiten des Internets geschult sein. Zwingend erforderlich sind dafür Endgeräte und schnelles Internet. Das kooperative Arbeiten wird zudem immer einfacher und gibt viele Chancen: Gemeinsames und gleichzeitiges Arbeiten hunderter Schüler – auch länderübergreifend – an einem Projekt wird an der Tagesordnung sein. Zeichnen und Gestalten in einer Mixed- oder Virtual Reality wird nicht nur den Horizont erweitern, sondern auch gänzlich neue Möglichkeiten darbieten. Eine blitzschnelle und höchstpersönliche Einschätzung des eigenen Lernfortschrittes und der eigenen Ressourcen durch einen Computer, da einer Maschine dies spielbar leicht fällt, wird zur Normalität. Zur anschließenden pädagogischen Aufbereitung und sozialen Auseinandersetzung haben Lehrkräfte dann umso mehr Zeit. Hinsichtlich der Komplexität und Rasanz der Entwicklung sehe ich die Schule daher im kontinuierlichen Wandel der Zeit, denn wer weiß schon, wie digitale Bildung in 20 Jahren aussehen wird.

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