"Kupfer-Prozess"

Schreck vor Gericht: Angeklagter erleidet Schwächeanfall

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Symbolbild

Schalksmühle/Nachrodt-Wiblingwerde - Ein Schwächeanfall des 66-jährigen Angeklagten hat den fünften Verhandlungstag im „Kupfer“-Prozess ausgebremst: Der Nachrodter wurde von Ersthelfern des Landgerichts betreut, bis der vom Gericht alarmierte Notarzt eintraf. Dieser bestätigte die Verhandlungsunfähigkeit des 66-Jährigen.

Dem Zwischenfall vorausgegangen war eine längere Auseinandersetzung zwischen dem Gericht und den beiden Anwälten des 66-Jährigen, die ihren Mandanten aufgrund starker Schmerzen für verhandlungsunfähig erklärten. „Ich habe im Moment starke Schmerzen“, erklärte der 66-Jährige. 

Sein Zustand verschlechterte sich kurz darauf derart, dass der Notarzt ins Landgericht gerufen wurde. Nach einer längeren Pause reichte seine Kraft, um die Planung des Fortgangs des Prozesses zu verfolgen. Fragen zur psychischen Verfassung des Angeklagten und zu seiner Verhandlungsfähigkeit soll ein Gutachten des forensischen Psychiaters Dr. Nikolaus Grünherz klären. Der Angeklagte erklärte seine Bereitschaft zu einem Untersuchungsgespräch. 

Schließlich beschäftigte auch noch der strafrechtliche Vorwurf der Bestechung und Bestechlichkeit die Prozessbeteiligten: Die Anwälte des 66-Jährigen beantragten die Vernehmung jenes Oberstaatsanwaltes, der die Ermittlungen gegen die Schalksmühler Firma zunächst geführt hatte. Er soll berichten, ob es tatsächlich Gespräche mit den Angeklagten über eine gütliche Beilegung des Streits zwischen den beiden Firmen gegeben habe.

Schöffen aus erster Verhandlung sollen befragt werden

Mit einem weiteren Antrag bemühen sich die Anwälte um die Vernehmung der beiden Schöffen aus der ersten Verhandlungsrunde, die wegen der Corona-Epidemie abgebrochen wurde. Sie sollen bestätigen, dass der 49-jährige Angeklagte den Anteil der Treffen mit dem 66-Jährigen außerhalb des Werksgeländes damals relativ hoch angesetzt habe. 

Er sei oft mit dem eigenen Auto nach Ennepetal gekommen. Im zweiten Durchgang sei der geständige Angeklagte diesbezüglich zurückgerudert und habe mehr Treffen innerhalb der Firma vorgetragen, zu denen der 66-Jährige als Beifahrer im Schalksmühler Firmen-Laster kommen konnte.

Hintergrund sind Bescheinigungen, denen zufolge der 66-Jährige über einen langen Zeitraum hinweg aufgrund gesundheitlicher Probleme nicht selber Auto fahren konnte. Die Frage, ob es hier Differenzen zwischen den verschiedenen Aussagen des 49-Jährigen gegeben habe, dürfte für die Schöffen, die nur bei der ersten Verhandlung dabei waren, allerdings kaum zu beantworten sein.

Der Fall

Ein 66-jähriger Angeklagter aus Nachrodt soll als Angestellter eines Schalksmühler Unternehmens zwischen 2011 und 2015 daran mitgewirkt haben, ein Recycling-Unternehmen in Ennepetal um mehr als 600 000 Euro zu betrügen. Aus Schalksmühle mitgebrachte Proben sollen einen erheblich höheren Kupfergehalt von Messing-Schleifstäuben vorgegaukelt haben.

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