Notstandsgebiet bei der Breitbandversorgung

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Schalksmühle - Wie ist es um die Versorgung mit schnellem Internet in Schalksmühle und den umliegenden Kommunen bestellt? Wie funktionieren entsprechende Förderprogramme? Und reicht der geförderte Netzausbau langfristig überhaupt aus?

Diese und viele weitere Fragen rund um die „Breitbandversorgung im ländlichen Raum“ standen am Mittwoch auf dem Programm einer Informationsveranstaltung, zu der die SPD-Bundestagskandidatin Nezahat Baradari eingeladen hatte. 

Das Thema stieß bei Bürgern und heimischen Politikern offenbar auf großes Interesse: Knapp 40 Zuhörer kamen ins Hotel Zur Post. Baradari hatte drei Referenten geladen: den SPD-Bundestagsabgeordneten Martin Dörmann, Stefan Glusa von der Telekommunikationsgesellschaft (TKG) Südwestfalen und Jan Jellesma, Informatiker und Sachkundiger Bürger im Schalksmühler Bau- und Planungsausschuss. 

Andere Kreiskommunen besser versorgt 

„Bis 2018 sollen alle Haushalte mit einem Internetzugang mit mindestens 50 Mbit pro Sekunde versorgt sein“, erinnerte Baradari einleitend an das von der Bundesregierung gesteckte Ziel. Die digitale Infrastruktur sei nicht nur ein wichtiger Faktor für die heimische Wirtschaft, sondern auch Bestandteil der gesellschaftlichen Teilhabe. Schalksmühle sei in Sachen schnelles Internet jedoch „Notstandsgebiet“, so die Kandidatin. 

Dass in der Volmegemeinde großer Nachholbedarf besteht, bestätigte der Geschäftsführer der TKG: Nur 42,4 Prozent der Haushalte verfügen über einen Anschluss mit einer Downloadgeschwindigkeit von 16 Mbit pro Sekunde, 50 Mbit pro Sekunde stehen lediglich für vier Prozent der Schalksmühler zur Verfügung, trug Glusa vor. Zum Vergleich: In Lüdenscheid kommen gut 90 Prozent der Haushalte auf 50 Mbit pro Sekunde, in Halver immerhin 52,5 Prozent. Dass Schalksmühle so schlecht abschneide, liege am brachliegenden Kabelnetz, das nicht für die Internetnutzung ausgebaut sei, erläuterte Glusa im Gespräch mit unserer Zeitung. Auf lange Sicht werde jedoch selbst eine 50-Mbit-Versorgung nicht ausreichen, so Martin Dörmann: „Wir werden künftig größere Bandbreiten brauchen, um ein Internet der Dinge und eine vernetzte Industrie zu ermöglichen.“ Deshalb habe die SPD das Ziel gesteckt, bis 2025 90 Prozent der Haushalte mit einer Gigabit-Verbindung zu versorgen. Um solche Geschwindigkeiten – immerhin mindestens das 20-fache der angestrebten 50 Mbit – zu ermöglichen, fehle derzeit jedoch das Geld. „Deshalb wählen wir nun erst einmal die kleinere Lösung“, so der Abgeordnete. 

Bandbreiten von einem Gigabit und mehr lassen sich beispielsweise mit einem Glasfaserausbau bis in die Wohnung der Internetnutzer erreichen, erläuterte Jan Jellesma. Um einen solchen Vollausbau, wie er derzeit in Schalksmühle diskutiert wird (wir berichteten), in ganz Deutschland zu fördern, würde eine Summe von 100 Milliarden Euro benötigt. Gefördert wird daher in der Regel lediglich der Ausbau bis zum Kabelverzweiger. 

Vollausbau wird diskutiert 

Die Frage, ob die Gemeinde Schalksmühle auf eigene Kosten Glasfaserleitungen bis in die Häuser verlegen lassen sollte, tauchte in der anschließenden Diskussionsrunde mehrfach auf. „Ich sehe die Gefahr, dass wir jetzt in Vorleistung treten und später das Nachsehen haben, wenn es möglicherweise auch für die große Lösung Fördergelder gibt“, sagte UWG-Fraktionsvorsitzender Klaus Nelius. 

Lutz Schäfer, Fraktionsvorsitzender der SPD, hielt es dagegen für einen „ungedeckten Scheck“, auf eine eventuelle Förderung zu warten: „Wir haben jetzt die einmalige Chance, mehr zu bekommen“, warb er für den Vollausbau. 

Stefan Glusa vermied es, in dieser lokalpolitischen Frage Stellung zu beziehen. Der Vollausbau für Schalksmühle sei in der Ausschreibung abgefragt, aber er könne nicht vorhersehen, wie die Angebote ausfallen werden. „Und es kann natürlich sein, dass Sie erst einmal selbst zahlen und andere später Fördergelder bekommen. Aber dafür wären Sie bis dahin auch schon schneller“, schloss er.

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